Stand: 20.08.2015 17:16 Uhr

EXPO 2000: Was vom Traume übrig blieb

von Thomas Hans und Oliver Weiße

Es gibt Dokumentationen, die zeigen, was passiert, wenn der Mensch auf der Erde verschwinden würde. Stück für Stück würde sich die Natur die steinernen Hinterlassenschaften der Menschheit zurückerobern. Selbst jahrhundertealte Baudenkmäler wären dem Verfall ausgesetzt. Eine Ahnung davon bekommt man an einigen Ecken des Weltausstellungs-Geländes an der Stadtgrenze Hannovers. Im Jahr 15 nach der ersten EXPO auf deutschem Boden hat manch ein Pavillon mittlerweile nicht nur Patina angesetzt, sondern zeigt erste Spuren des scheinbar unaufhaltsamen Verfalls. Nun entbrennt eine Diskussion, wie mit dem - zum Teil steinernen - Erbe der Weltausstellung umzugehen ist. Der polnische Pavillon soll eigentlich mit der Abrissbirne dem Boden gleichgemacht werden. Doch nun streiten die vietnamesische Eigentümerin und die stadteigene "EXPO Grund" über die Zukunft des mittlerweile arg mitgenommenen Gebäudes. NDR.de hat sich 15 Jahre danach auf dem Gelände am Rande Hannovers umgeschaut.

EXPO-Reste: "Blühende Landschaften" und viel Beton

Einst Zuschauermagnet, heute Gerippe aus Beton

Eines der größten und bekanntesten Sorgenkinder ist der frühere niederländische Pavillon. Das mehr als 40 Meter hohe Gebäude war einst ein Zuschauermagnet. Zu EXPO-Zeiten standen die Menschen Schlange, um die gestappelten Gärten zu bestaunen. 15 Jahre später verirren sich hierher nur noch Heranwachsende, Hobbyfotografen und Geocacher. Mit seiner in großen Teilen offenen Fassade, den unterschiedlichen Ebenen und außenliegenden Treppen hat der niederländische Pavillon große Probleme: nämlich Vandalismus und Brandstiftung.

Schieben und vergleichen: Zeitreise zwischen heute und einst

  • Heute ein runtergekommenes Betongerippe, im Jahr 2000 einer der Zuschauermagneten der EXPO.

    Niederlande

  • Auch der dänische Pavillon ist heute verwaist, vor 15 Jahren standen die Menschen auch dort Schlange.

    Dänemark

  • Nicht nur der Zahn der Zeit nagt am türkischen Pavillon unerbittlich. Die Scheiben des einst schmucken Gebäudes sind teilweise eingeworfen worden.

    Türkei

  • Dass einst strahlende Gelb des litauischen Pavillons ist längst verblichen, ein Hingucker ist der futuristische Bau aber noch immer.

    Litauen

  • Der tschechische Pavillon macht 15 Jahre nach der EXPO noch einen ganz passablen Eindruck.

    Tschechien

  • Ein Beispiel für die nachhaltige Nutzung ist der EXPO Wal. Noch immer finden dort Gottesdienste und Diskussionen statt.

    Wal

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Zaun soll vor Zerstörung schützen

Um den Problemen Herr zu werden, habe der Eigentümer inzwischen einen massiven Zaun errichtet, sagt Karsten Klaus von der "EXPO Grund", die für die Vermarktung der Grundstücke verantwortlich ist. Der Zaun soll Neugierige davon abhalten, auf das Gelände zu kommen. Doch vor Ort ist das nur halbherzig umgesetzt. Der Zaun umfasst nur einen Teil des Geländes, es klaffen große Lücken. An einigen Stellen ist der niederländische Pavillon nur mit einem klapprigen Bauzaun geschützt. Interessierte können dort also noch immer problemlos auf das Gelände gelangen. Verantwortlicher Eigentümer der Immobilie ist ein Unternehmer aus Süddeutschland. Er hatte das Gebäude von seinem Vater übernommen und wollte dort zuletzt ein Veranstaltungszentrum errichten. Hochfliegende Pläne. Aber ob sie jemals Realität werden, ist offen. Der Eigentümer ist jedenfalls am Tag des Rundgangs nicht erreichbar.