Stand: 14.08.2017 14:44 Uhr

Doppelkorn: Gläubiger stellt Insolvenzantrag

Für wenige Tage lief der Betrieb in der Doppelkorn-Filiale an der Limmerstraße wieder.

Für die vor dem Aus stehende Bäckerei Doppelkorn ist ein Insolvenzantrag gestellt worden. Wie das Amtsgericht Hannover am Montag mitteilte, stellte ein Angestellter der Bäckerei als Gläubiger den Antrag. Der bisherige Geschäftsführer ist verschwunden, der angeblich neue Geschäftsführer noch nicht im Handelsregister eingetragen. Ein Insolvenzverwalter kümmert sich jetzt um die Belange der Firma.

Auszubildende vor ungewisser Zukunft

In einer Filiale in Hannover-Linden hatten Mitarbeiter vor wenigen Tagen noch einen Versuch gestartet, die drohende Schließung abzuwenden. In Eigenregie öffneten sie das Geschäft an der Limmerstraße. Doch auch diese Filiale ist seit vergangenen Freitag wie die elf anderen in Hannover und Hildesheim geschlossen. Die betroffenen 120 Mitarbeiter des 1984 als Kollektiv gegründeten Unternehmens haben seit zwei Monaten keinen Lohn mehr erhalten. Auch zehn Auszubildende hängen in der Luft: Sie wollten zum 1. August ihre Lehre in der Verwaltung antreten. Laut Betriebsrat liegen ihre Verträge jedoch nicht einmal bei der Handwerkskammer vor.

Geschäftsführer abgetaucht

Doch wie konnte das Unternehmen derart in Schwierigkeiten geraten? Im April hatte der Jungunternehmer Manuel Pietrusky die zwölf Filialen der Bäckerei vom langjährigen Inhaber Manfred Dust übernommen. Laut Betriebsrat begannen dann die Probleme: "Er hat viele neue Leute mitgebracht, die er auf Schlüsselpositionen setzte", sagt er. "Er schaute allen Leuten richtig auf die Finger, begann Streit, richtete neue Abteilungen ein. Gleichzeitig sank aber der Umsatz." Einige hätten gekündigt, andere seien "herausgemobbt" worden, erzählt eine junge Mitarbeiterin. Sie selbst habe seit Mitte Juni keinen Lohn mehr bekommen. Im Juli sei Pietrusky dann plötzlich weg gewesen. Nicht mehr anwesend, nicht mehr erreichbar.

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Ein Schreiben an die Kunden und ein "Solidaritätstopf": Die Mitarbeiter waren auf Spenden angewiesen.
Unternehmen wieder verkauft?

Ende Juli dann eine neue Wende: Pietruskys Assistenz informierte den Betriebsrat, dass am 24. Juli eine Betriebsversammlung stattfinden würde. Worum es da gehen sollte, erfuhr der Betriebsrat eigenen Aussagen zufolge aber erst kurz davor: Das Unternehmen sei erneut verkauft worden. Bei der Betriebsversammlung stellte sich dann ein neuer Geschäftsführer vor, Gerhard Haidacher. Er teilte mit, Pietrusky habe das Unternehmen an einen englischen Investor verkauft, der ihn als Geschäftsführer eingesetzt habe. Nach einer Umstrukturierung würden alle Filialen wieder öffnen, unter neuem Namen. Die Schließung der Filialen und die Freistellung der Mitarbeiter wurde den Beschäftigten dann eigenen Aussagen zufolge per Rund-Mail einen Tag später mitgeteilt. Einige Mitarbeiter erschienen trotzdem zur Arbeit: Die Mail war nämlich nicht von der angeblich neuen Geschäftsführung, sondern von Pietruskys Assistentin verschickt worden. Die Mitarbeiter waren irritiert, verunsichert, skeptisch: Wer war denn nun Geschäftsführer? Und war Pietruskys Assistentin überhaupt berechtigt, eine Freistellung auszusprechen? Einige Mitarbeiter widersetzten sich der Mail, um sich arbeitsrechtlich abzusichern.

Undurchsichtige Vorgänge

Haidacher selbst ist mittlerweile auch nicht mehr zu erreichen. Doch ist er, der frühere österreichische Bob-Olympiasieger, tatsächlich der neue Geschäftsführer von Doppelkorn? Im Handelsregister ist noch immer Manuel Pietrusky als solcher eingetragen. Und laut Amtsgericht Hannover hat sich auch noch niemand für eine Änderung des Eintrags gemeldet. In den letzten Tagen fanden Betriebsräte eigenen Angaben zufolge heraus: Pietrusky hat zum Zeitpunkt der angeblichen Geschäftsübergabe Ende Juli Überweisungen an Lieferanten zurückgebucht. Außerdem ist im Handelsregister nachzulesen, dass Pietrusky seinen Posten als Geschäftsführer einer weiteren Firma Ende Juli ebenfalls abgegeben hat - ebenfalls an Haidacher.

Staatsanwaltschaft startet Ermittlungen

All das lässt es in der Gerüchteküche bei Doppelkorn brodeln: Einige Doppelkorn-Mitarbeiter vermuten, Pietrusky habe die Bäckerei gezielt in die Pleite getrieben und sich dann abgesetzt. Andere meinen, er sei einfach überfordert gewesen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen Pietrusky inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen Insolvenzverschleppung eingeleitet. Zwar hat der mutmaßlich neue Geschäftsführer Haidacher laut Amtsgericht einen Antrag auf Insolvenz gestellt - der ist allerdings unwirksam: Da Haidacher nicht als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen ist, ist er dazu gar nicht befugt.

Hoffen auf die Insolvenz

Die Beschäftigten von Doppelkorn hatten bereits vor einigen Tagen gehofft, dass das Finanzamt, die Sozialversicherung oder ein Gläubiger einen Antrag auf Insolvenz stellen. Ein Betriebsratsmitglied sagte: "Mir wäre lieb, dass das bald passiert. Dann können die Mitarbeiter Insolvenzgeld beziehen und ein Insolvenzverwalter kann das Unternehmen vielleicht doch noch retten. Es wäre so schade, wenn das alles hier kaputtgeht."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.08.2017 | 17:00 Uhr

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