Stand: 02.09.2015 16:40 Uhr

Die Kaiser-Enkelin und der polnische Pavillon

Die Enkelin des vietnamesischen Kaisers streitet mit der Stadt Hannover um einen polnischen Pavillon: So lautet die Kurzform der wohl skurrilsten Posse rund um das ehemalige EXPO-Gelände in Hannover. In dieser Woche hat die Geschichte ihr vorläufiges Ende gefunden. Denn nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat die Stadt Hannover, der das Grundstück gehört, mit dem Abriss des heruntergekommenen Pavillons begonnen. Kaiser-Enkelin und Gebäude-Eigentümerin Thi Nhu Anh Pham hatte noch versucht, dies in letzter Sekunde mit einer einstweiligen Verfügung zu verhindern - allerdings ohne Erfolg.

Abriss nach 13 Jahren Rechtsstreit

Sicherheitsdienst sorgt für ungestörten Abriss

Die Bagger haben die charakteristischen grauen Säulen des Gebäudes bereits angeknabbert. Mehrere Mitarbeiter des Abrissunternehmens räumen seit Dienstag die Einrichtungsgegenstände wie Sitzmöbel und Wandbilder in blaue Container. Das Gelände ist mit einem Bauzaun weiträumig abgesperrt. Ein Sicherheitsdienst sorgt dafür, dass der Abriss nicht gestört wird. Vor dem Zaun stehen drei Vietnamesen, die angeblich von Frau Pham geschickt wurden, um die Einrichtung abzuholen. In gebrochenem Deutsch sagen sie, dass sie mit ihrer Arbeit begonnen hätten, dann aber weggeschickt worden seien. In dem Glasgebäude sollen sich unter anderem asiatische Tempel befinden, die Pham gehören.

Stadt hat alle Prozesse gewonnen

Die Stadt Hannover verweist darauf, dass alle Fristen zum Räumen des Gebäudes bereits verstrichen seien. Sämtliche Gerichtsprozesse habe die Eigentümerin des Pavillons in der Vergangenheit verloren. Der jetzt begonnene Abriss sei daher rechtmäßig. "Für uns ist das leidige Kapitel nun endgültig abgeschlossen", sagte Karsten Klaus, der Geschäftsführer der stadteigenen EXPO-Grund, auf Nachfrage von NDR.de.

"Eigentümerin hat uns jahrelang hingehalten"

Die juristische Auseinandersetzung um den Polen-Pavillon hat über 13 Jahre gedauert. In dem Gebäude mit den breiten Betonstützen und der Glas-Fassade wollte die vietnamesische Unternehmerin Pham ursprünglich ein Kultur- und Veranstaltungszentrum einrichten. Nach Angaben von EXPO-Grund unterzeichnete Pham bereits 2001 einen Kaufvertrag über das Grundstück. Da sie das Geld jedoch nicht überwies, wurde der Kauf gerichtlich rückgängig gemacht. "Die Eigentümerin hat uns über Jahre hingehalten und damit immense Kosten verursacht", sagte Klaus. Zuletzt gab es erneute Kaufankündigungen. Eine Immobilienfirma, die nach Angaben von Klaus ebenfalls der Eigentümerin nahesteht, soll 600.000 Euro für das Grundstück geboten haben. Doch die EXPO-Grund forderte neben dem Kaufpreis auch die Erstattung der bereits entstandenen Kosten, die laut Klaus im hohen sechsstelligen Bereich liegen. Von der Firma habe man daraufhin nie wieder etwas gehört.

Laut EXPO-Grund-Geschäftsführer Klaus soll der Abriss des Pavillons in einigen Tagen vollendet sein und das Grundstück für den Verkauf vorbereitet werden. Interessenten gebe es bereits einige, so Klaus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 01.09.2015 | 14:30 Uhr