Stand: 20.02.2015 09:08 Uhr

Die Causa Christian Wulff - eine Chronologie

13.12.2011 - "Bild"-Bericht bringt Affäre ins Rollen

Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung soll Christian Wulff in seiner Zeit als Ministerpräsident den Niedersächsischen Landtag getäuscht haben. Wulff habe 2008 ein privates Darlehen von 500.000 Euro von der Unternehmer-Gattin Edith Geerkens erhalten, mit dem die Wulffs ihr Einfamilienhaus bezahlt hätten. Als er im Zusammenhang mit der sogenannten Air-Berlin-Affäre Anfang 2010 vom Landtag gefragt wurde, ob er geschäftliche Beziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens pflege, antwortete Wulff damals mit "Nein" und verschwieg den Kredit.

15.12.2011 - Wulff meldet sich persönlich zu Wort

Zwei Tage dauert es, bis sich Wulff zu den Vorwürfen gegen ihn äußert: Eine geschäftliche Beziehung zu Egon Geerkens habe nicht bestanden. "Dementsprechend habe ich die gestellten Fragen beantwortet und keine Veranlassung gesehen, den privaten Darlehensvertrag mit Frau Geerkens zu erwähnen." Wulff erkenne an, dass ein falscher Eindruck habe entstehen können, was er bedauere.

16.12.2011 - "Spiegel"-Bericht erhöht Druck auf Wulff

Bild vergrößern
"...viel Geld von mir an Wulff..." - Die Geerkens-Zitate im "Spiegel" setzen Wulff erneut unter Druck.

Am Freitag gerät der Bundespräsident weiter unter Druck, als der "Spiegel" in einer Vorabmeldung berichtet, der Privatkredit habe von Egon Geerkens gestammt, nicht von dessen Frau. "Wir sind beide sehr bekannt in Osnabrück. Und ich wollte nicht, dass irgendein Bank-Azubi sieht, dass so viel Geld von mir an Wulff fließt", zitiert der "Spiegel" Geerkens. Die Anwälte Wulffs beharren weiter darauf, dass das Geld von Edith Geerkens gestammt habe.

18.12.2011 - Wulff lässt Urlaubsliste veröffentlichen

Bild vergrößern
Wulffs Anwälte veröffentlichen die Urlaubsliste des heutigen Bundespräsidenten.

Nach ersten Rücktrittsforderungen bekräftigt Wulff öffentlich, dass er sein Amt behalten will. Auf den Zuruf eines Passanten an der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, dass er nicht zurücktreten solle, antwortet er: "Nein, das machen wir nicht!" Außerdem fordert die niedersächsische Opposition Aufklärung über Wulffs Urlaubsreisen, die er angeblich auf Kosten von befreundeten Unternehmern gemacht hat. Am Abend lässt Wulff von seinen Anwälten eine Liste mit seinen privaten Reisen veröffentlichen.

19.12.2011 - Unterlagen zum Privatkredit werden öffentlich

Journalisten dürfen in einer Berliner Anwaltskanzlei die Unterlagen zu Wulffs umstrittenem Privatkredit einsehen. Am Abend berichtet die "Bild", dass Wulffs Unternehmer-Freund Carsten Maschmeyer Werbeanzeigen für das Wulff-Interview-Buch "Besser die Wahrheit" bezahlt haben soll. Das Buch soll im Landtagswahlkampf 2007 eine Rolle gespielt haben. Der Bundespräsident lässt über seine Anwälte mitteilen, nichts von den Zahlungen gewusst zu haben.

20.12.2011 - Ältestenrat befasst sich nicht mit der Causa Wulff

Bild vergrößern
Der Ältestenrat des Niedersächsischen Landtags befasst sich nicht mit der Causa Wulff.

Die mit Spannung erwartete Sitzung des Ältestenrats des Niedersächsischen Landtags wird nach nur 15 Minuten beendet - mit dem Ergebnis, dass sich der Ältestenrat nicht mit dem Thema befassen muss. Am Abend bestätigt Wulffs Anwalt der Zeitung "Die Welt", dass Egon Geerkens an den Verhandlungen zum Privatkredit beteiligt war.

22.12.2011 - Wulff bricht sein Schweigen

Zwei Tage vor Weihnachten überschlagen sich die Ereignisse: Zuerst kommt die Meldung, dass Wulffs langjähriger Sprecher Olaf Glaeseker entlassen worden ist. Kurz darauf wird eine "persönliche Erklärung" des Bundespräsidenten im Berliner Schloss Bellevue angekündigt. Kommt nun der Rücktritt? Nein. In den gut vier Minuten seiner Stellungnahme entschuldigt sich Christian Wulff für seinen Umgang mit der Kredit-Affäre und bittet die Deutschen um Vertrauen. Wulff bleibt im Amt. Zu den Gründen für die Entlassung Glaesekers äußert er sich nicht.

23.12.2011 - Spekulationen über Verstoß gegen die Verfassung

Am Freitag berichtet die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" darüber, dass die niedersächsische Staatskanzlei eine Landtagsanfrage der SPD im März 2010 falsch beantwortet haben könnte. Es geht um den Nord-Süd-Dialog, eine private Unternehmer-Party in Hannover, an der sich das Land Niedersachsen - so vermutet die SPD - finanziell und organisatorisch beteiligt hat. Im Landtag hatte die Staatskanzlei eine entsprechende Förderung der Veranstaltung abgestritten. Erstmals gibt es Verdächtigungen, dass die Entlassung von Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker im Zusammenhang mit dem Nord-Süd-Dialog und dessen Veranstalter Manfred Schmidt steht.

30.12.2011 - Details zur Kredit-Finanzierung

Die BW-Bank äußert sich erstmals zum umstrittenen Privatkredit des Bundespräsidenten. Demnach hat der den neuen Vertrag zur Abwicklung des Hausdarlehens erst kurz vor Weihnachten unterschrieben. In einer zuvor veröffentlichten schriftlichen Erklärung erweckte Wulff jedoch den Anschein, dass der neue Kredit bereits laufe. Dies ist allerdings erst ab Mitte Januar der Fall. Zudem bestätigt die Bank, dass Egon Geerkens den Kontakt zwischen Wulff und dem Geldinstitut vermittelt hat.

31.12.2011 - Frühere Verbindung zur BW-Bank

In einem Vorabbericht legt der "Spiegel" am Sonnabend nahe, dass Wulff den zinsgünstigen Kredit bei der BW-Bank als Dankeschön für seinen Einsatz im Zusammenhang mit dem VW-Porsche-Deal erhalten hat. Sowohl das Geldinstitut als auch Wulff selbst bezeichnen die Vorwürfe als absurd.

01.01.2012 - Wulff soll dem "Bild"-Chef gedroht haben

Bild vergrößern
Auf der Mailbox des "Bild"-Chefredakteurs Kai Diekmann soll Wulff eine Nachricht hinterlassen haben.

Vor dem "Bild"-Bericht über die Finanzierung von Wulffs Haus in Burgwedel soll der Bundespräsident versucht haben, die Veröffentlichung des Artikels zu verhindern. In einer Nachricht auf der Handy-Mailbox von "Bild"-Chef Kai Diekmann soll Wulff mit den Worten "Krieg führen" und "Rubikon" gedroht haben, berichtet die "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

04.01.2012 - Wulff bricht sein Schweigen im Fernseh-Interview

Christian Wulff äußert sich am Mittwochabend in einem Interview von ARD und ZDF zu den Vorwürfen der vergangenen Wochen. Gleich am Anfang stellt er klar, dass er weiter im Amt bleiben will. Die "Bild" widerspricht im Deutschlandfunk Wulffs Aussagen zur Mailbox-Affäre. Wulff selbst hatte gesagt, er habe mit seinem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann die kritische Berichterstattung lediglich verschieben wollen. "Bild" spricht weiter von einer versuchten Unterbindung des Berichts.

Links

100 Fragen - ein paar Antworten

Die Fraktion der Grünen hat ihre Fragen und die Antworten der Landesregierung zur "Causa Wulff" im Internet veröffentlicht (PDF-Datei). extern

06.01.2012 - Grüne legen Fragenkatalog vor

Am Freitag legt Stefan Wenzel, Fraktionschef der niedersächsischen Grünen, dem Landtag einen Fragenkatalog zur "Causa Wulff" vor. Damit wollen die Grünen aufklären, ob Wulff in seiner Amtszeit als Ministerpräsident gegen das Ministergesetz verstoßen hat. Im Mittelpunkt des 100 Fragen umfassenden Papiers stehen der Hauskredit von Unternehmergattin Edith Geerkens sowie die Verbindungen von Wulff zur Wirtschaft.

11.01.2012 - Nord-Süd-Gipfel ist Thema im Rechtsausschuss

Nach den Grünen sieht auch die niedersächsische SPD noch viel Klärungsbedarf: Die Sozialdemokraten kommen mit einem umfangreichen Katalog von mehr als 60 Fragen in die Sitzung des Rechtsausschusses in Hannover. Im Fokus der Fragen steht der Nord-Süd-Dialog - vor allem die Finanzierung der umstrittenen Treffen zwischen Vertretern aus Baden-Württemberg und Niedersachsen.

12.01.2012 - Niedersachsens CDU drängt Wulff zur Transparenz

Im Fernseh-Interview von ARD und ZDF hat Wulff Transparenz versprochen - ist sie jedoch bislang schuldig geblieben. Sein Anwalt Gernot Lehr hat anstelle aller 400 Journalistenfragen und der Antworten darauf nur eine sechsseitige Zusammenfassung im Internet veröffentlicht. Gegen diese Praxis regt sich auch in Niedersachsens CDU Widerstand. Fraktionschef Björn Thümler fordert Wulff auf, die Unterlagen zu veröffentlichen.

14.01.2012 - Einladung zum Oktoberfest

Am Sonnabend berichtet "Spiegel Online", Wulff habe sich in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident von Film-Finanzier David Groenewold zum Oktoberfest einladen lassen. Laut Groenewolds Anwalt hat Wulff von der Finanzierung jedoch nichts gewusst.

15.01.2012 - McAllister fordert Aufklärung

Bild vergrößern
Der amtierende niedersächsische Ministerpräsident David McAllister drängt Wulff zur Aufklärung.

So langsam scheint auch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) die Geduld mit seinem Amtsvorgänger zu verlieren. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" fordert er von Wulff eine vollständige Aufklärung der Vorwürfe und verspricht, falsche Auskünfte der Landesregierung gegenüber dem Parlament richtigzustellen.

16.01.2012 - Kein Anfangsverdacht gegen Wulff

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Hannover gibt es "keinen strafprozessualen Anfangsverdacht" gegen Wulff. Die neuen Vorwürfe im Zusammenhang mit Wulffs Aufenthalt beim Münchener Oktoberfest 2008 sollen aber noch geprüft werden.

18.01.2012 - "Zeit": Landesregierung suchte Sponsoren

Die Wochenzeitung "Zeit" berichtet, dass sich die niedersächsische Landesregierung doch an der Sponsorensuche für den "Nord-Süd-Dialog" beteiligt haben soll. Die Affäre um Christian Wulff ist zudem zum ersten Mal Thema im niedersächsischen Landtag. Der Bundespräsident gibt dem öffentlichen Druck nach und veröffentlicht den Katalog mit Journalistenfragen und entsprechenden Antworten.

19.01.2012 - Razzia bei Glaeseker und Schmidt

Wegen des Verdachts auf Korruption durchsucht die Staatsanwaltschaft Hannover zusammen mit dem Landeskriminalamt Privat- und Geschäftsräume von Wulffs einstigem engen Vertrauten Olaf Glaeseker und von Eventmanager Manfred Schmidt.

20.01.2012 - Glaeseker in Nord-Süd-Dialog verwickelt

Glaeseker soll einem Bericht der hannoverschen "Neuen Presse" zufolge aktiv an der Organisation des Nord-Süd-Dialogs verwickelt gewesen sein. 44 Studenten der Medizinischen Hochschule Hannover sollen auf Anfrage Glaesekers bei der privaten Veranstaltung geholfen haben. Auch finanziell soll das Land, das zuvor eine Beteiligung abgestritten hatte, an der privaten Veranstaltung beteiligt gewesen sein.

21.01.2012 - Land zahlte Kochbücher für Veranstaltung

Bild vergrößern
Das Kochbuch "Raspers Rezepte" ließ die Landesregierung auf dem Nord-Süd-Dialog verteilen.

Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtet, dass das Land Niedersachsen dem Madsack-Verlag knapp 3.500 Euro für Kochbücher zahlte, die an Gäste auf dem Nord-Süd-Dialog verteilt wurden. Für dieses Präsent soll Glaeseker den Anstoß gegeben haben. Dessen Frau soll laut "Bild am Sonntag" an dem Buch mitgearbeitet haben.

22.01.2012 - Niedersachsens SPD will gegen Wulff klagen

Die SPD in Niedersachsen will in der "Causa Wulff" den Staatsgerichtshof in Bückeburg einschalten. Mit einer Individualklage will Heiner Bartling gegen die Regierung des früheren Ministerpräsidenten vorgehen. Der Vorwurf lautet, dass die Landesregierung das Parlament falsch über die Finanzierung des "Nord-Süd-Dialogs" informiert haben soll.

24.01.2012 - Sponsorenwerbung in Wulffs Namen

Das NDR Magazin Menschen und Schlagzeilen berichtet, dass Sponsorengelder für den Nord-Süd-Dialog 2009im Namen des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff durch die Staatskanzlei eingeworben wurden. Das erhärtet den Verdacht, dass Wulff von dem Vorgang gewusst haben muss - entgegen den Beteuerungen des Bundespräsidenten in den Tagen zuvor.

26.01.2012 - Staatsanwaltschaft durchsucht Glaeseker-Büro

Im Zuge ihrer Ermittlungen gegen Wulffs ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker durchsucht die Staatsanwaltschaft Hannover dessen früheres Büro im Bundespräsidialamt. Ein einmaliger Vorgang in der bundesrepublikanischen Geschichte. Die Behörde hat einen gerichtlichen Durchsuchungsbeschluss und stellt Computerdateien und Unterlagen sicher.

30.01.2012 - Weitere Geschäftsbeziehungen zu Geerkens

Tagesschau.de berichtet, dass Wulff weitergehende geschäftliche Beziehungen zu Egon Geerkens hatte als bislang eingeräumt. Der Unternehmer soll Mandant der Rechtsanwaltskanzlei gewesen sein, in der auch Wulff über Jahre tätig war. Außerdem soll er die Räume vermietet haben. Im Landtag hatte Wulff 2010 Geschäftsbeziehungen zu Geerkens verneint.

01.02.2012 - Wusste das Bundespräsidialamt früher Bescheid?

Medienberichten zufolge war das Bundespräsidialamt bereits seit Monaten über die umstrittenen Reisen von Wulffs ehemaligem Sprecher Glaeseker informiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Glaeseker aufgrund von Gratis-Reisen wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit.

02.02.2012 - Schon wieder der Wagen

Der Privatwagen des Ehepaars Wulff macht Schlagzeilen: Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sich der Bundespräsident eventuell einer Vorteilsnahme schuldig gemacht haben könnte. Denn der "Berliner Zeitung" und der "Frankfurter Rundschau" zufolge durften die Wulffs den Audi schon ab Sommer 2011 offenbar kostenlos fahren - einige Monate, bevor das Modell überhaupt in den Handel kam. Wulffs Anwalt Lehr dementierte einen "Prominentenrabatt".

04.02.2012 - Noch ein Auto und eine Gästeliste

Bild vergrößern
Zur Party "Nord-Süd-Dialog" soll Bettina Wulff eine private Gästeliste vorgelegt haben. (Archiv)

Ministerpräsidenten-Gattin Bettina Wulff hatte einem "Spiegel"-Bericht zufolge veranlasst, dass auch private Freunde zur umstrittenen Lobby-Veranstaltung "Nord-Süd-Dialog 2009" im Flughafen Hannover eingeladen wurden. Entsprechende E-Mails von Bettina Wulff an das Büro ihres Mannes seien auf dem Computer von Christian Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker in einem gesicherten Ordner gefunden wurden. Zudem soll der damalige Ministerpräsident vom VW-Konzern einen Škoda zu vergünstigten Konditionen erhalten haben.

08.02.2012 - Wulffs Sylt-Urlaube und die Hilfe des Filmemachers

Und jetzt geht es wieder um die Reisen des Ex-Ministerpräsidenten. Nachdem der NDR bereits Ende Januar vom Engagement des Filmunternehmers Groenewold bei Wulffs Sylt-Urlauben 2007 und 2008 berichtet hat, legt nun die "Bild"-Zeitung nach. Das Blatt will herausgefunden haben, dass Groenewold vor wenigen Wochen versucht hat, entsprechende Hotel-Unterlagen an sich zu bringen.

10.02.2012 - Kommt jetzt noch eine "Handy-Affäre"?

Am Freitag wird bekannt, dass Wulff 2005 ein Firmenhandy von Filmfinanzier Groenewold benutzt hat. Für das Handy gab es laut Groenewolds Anwalt einen Überlassungsvertrag, nach dem Wulff die Kosten für die Rechnung übernahm. Wofür Wulff ein Mobiltelefon brauchte, das auf Groenewolds Namen lief, ist noch unklar - über die Vereinbarung sollte aber "aus privaten Gründen geschwiegen werden", wie Groenewolds Anwalt dem NDR sagte.

11.02.2012 - Landesregierung hat eine Rechnung offen

Am Sonnabend teilt Regierungssprecher Franz Rainer Enste mit, das Land Niedersachsen wolle die Hotelkosten für die Teilnahme der Wulffs am Deutschen Filmball 2010 in München übernehmen. Die Staatskanzlei habe bei der Firma Zentis die Rechnung angefordert, so Enste. Der Marmeladenhersteller hatte für den damaligen Ministerpräsidenten und seine Frau den Eintritt sowie die Hotelkosten beim Filmball übernommen.

Bild vergrößern
Über die Kontakte zwischen Christian Wulff und David Groenewold (re.) kommen immer mehr Details ans Licht.

Die "Bild am Sonntag" meldet zudem, die Landesregierung unter Ministerpräsident Wulff habe für eine Briefkasten-Firma gebürgt: Das Unternehmen Waterfalls Productions von Filmproduzent Groenewold habe keine Mitarbeiter oder Büros gehabt. Die damalige Landesregierung hatte der Firma eine Bürgschaft über vier Millionen Euro zugesagt.

16.02.2012 - Staatsanwaltschaft beantragt Aufhebung der Immunität

Jetzt wird es richtig eng für den Präsidenten: Am Donnerstag teilt die Staatsanwaltschaft Hannover mit, dass sie die Aufhebung der Immunität von Christian Wulff beantragt habe. Nach Prüfung und Auswertung von Medienberichten gebe es einen Anfangsverdacht. Jetzt muss der Bundestag entscheiden, ob gegen Wulff strafrechtlich ermittelt werden darf.

17.02.2012 - Die kürzeste Amtszeit eines Bundespräsidenten endet

Am Freitag um 11 Uhr verkündet der Bundespräsident seinen Rücktritt. Der Antrag der Staatsanwaltschaft hat sich damit erledigt: Nach der Aufgabe seines Amtes genießt Wulff von Sonnabend an auch keine Immunität mehr. Das förmliche Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover gegen Wulff beginnt um Mitternacht.

29.02.2012 - Wulff soll Ehrensold bekommen

Gleich nach Wulffs Rücktritt entbrennt eine Debatte um die Frage, ob er den für ehemalige Bundespräsidenten vorgesehene Ehrensold bekommen soll. Immerhin 199.000 Euro pro Jahr und bis zum Lebensende. Das Bundespräsidialamt prüft und sieht schließlich die Voraussetzungen dafür erfüllt: Wulff sei aus politischen Gründen aus seinem Amt ausgeschieden. Schließlich geben auch die Haushaltsexperten des Bundestages grünes Licht. Nicht nur die Opposition sieht das anders, sondern - laut Umfragen - auch die Mehrheit der Deutschen. Sie fordert einen Verzicht auf das Ehrensold.

02.03.2012 - Staatsanwaltschaft durchsucht Wulffs Haus

Bild vergrößern
Die Staatsanwaltschaft ist bei Wulffs in Großburgwedel "zu Besuch".

Einsatz in Großburgwedel: Die Staatsanwaltschaft Hannover nimmt sich das Privathaus von Wulff vor. "Der Herr Bundespräsident a.D. ist kooperativ", betont die Ermittlungsbehörde. Unter anderem werden Computer beschlagnahmt. Einen Tag zuvor waren bereits Wohn- und Geschäftsräume des Filmproduzenten David Groenewold durchsucht worden. Gegen Wulff und Groenewold wird wegen möglicher Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung ermittelt.

25.04.2012 - Ermittlungen gegen Groenewold ausgeweitet

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Abgabe einer falschen eidesstattlichen Erklärung gegen Filmfinanzier David Groenewold: Dieser hatte das Ehepaar Wulff 2008 zum Oktoberfest eingeladen und für das Hotelzimmer des damaligen Ministerpräsidenten und seiner Frau angeblich ein Upgrade bezahlt. Nach Erkenntnissen der Ermittler sind jedoch offenbar gar keine Kosten für ein Upgrade entstanden.

27.04.2012 - Groenewold soll Wulffs Security bezahlt haben

Der Filmfinanzier David Groenewold hat 2008 offenbar Hotelkosten für einen Leibwächter von Christian Wulff übernommen. Nach Informationen des NDR Fernsehens zahlte Groenewold 533 Euro für das Einzelzimmer des LKA-Beamten im Münchner Fünf-Sterne-Hotel "Bayerischer Hof". In dem Hotel hatte er auch den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten mit Familie untergebracht und die Kosten dafür zum Teil übernommen.

13.05.2012 - Glaeseker bricht sein Schweigen

Olaf Glaeseker, der ehemalige Sprecher des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff, bricht nach mehreren Monaten sein Schweigen. Glaeseker äußerte sich über seinen Anwalt Guido Frings in einem siebenseitigen Schreiben zu Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem umstrittenen "Nord-Süd-Dialog".

22.05.2012 - Berliner Ermittlungen gegen Wulff beendet

Neben der Staatsanwaltschaft Hannover hatte auch die Berliner Staatsanwaltschaft den Verdacht der Vorteilsnahme bei Christian Wulff geprüft. Die Ermittlungen in der Hauptstadt wurden abgeschlossen, eine endgültige Bewertung gab es aber noch nicht.

22.06.2012 - Wulff wird Zeuge im Glaeseker-Verfahren

Bild vergrößern
Olaf Glaeseker muss sich wegen Bestechlichkeit vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft entscheidet, Christian Wulff im Korruptionsverfahren gegen seinen Ex-Sprecher Olaf Glaeseker in den Zeugenstand zu rufen. Die niedersächsische Landesregierung hatte das nach einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft Hannover genehmigt.

27.06.2012 - Rechnungshof: Land unterstützte Lobby-Treffen

Der Landesrechnungshof kommt zu dem Schluss, dass zwar keine Steuergelder für die Lobby-Veranstaltungen "Nord-Süd-Dialog" flossen. Das Land hat die Veranstaltungen nach Ansicht der Rechnungsprüfer jedoch in erheblichem Umfang insbesondere durch Mitarbeiter der Staatskanzlei unterstützt.

22.07.2012 - Druck der Staatsanwaltschaft auf Wulff wächst

Christian Wulff gerät offenbar noch stärker ins Visier der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Behörde prüft, ob sie die strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn ausweiten soll. Wulff soll sich als CDU-Ministerpräsident in Niedersachsen für Steuererleichterungen für die Versicherungswirtschaft eingesetzt haben.

06.08.2012 - Tagebuch von Glaesekers Frau ausgewertet

Die Staatsanwaltschaft darf die Tagebücher von Olaf Glaesekers Ehefrau Vera einsehen. In den Notizen soll es auch um gemeinsame Urlaube gehen, die Glaeseker mit seiner Frau auf Kosten von Partymacher Manfred Schmidt in Spanien und Frankreich gemacht haben soll. Dafür soll Glaeseker den "Nord-Süd-Dialog" von Schmidt "gefällig gefördert" haben.

11.08.2012 - Wulff sagt erstmals aus

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat Christian Wulff erstmals im Verfahren gegen seinen ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker befragt. Wie bekannt wurde, ist Wulff am 29. Juni vernommen worden. Der ehemalige Bundespräsident soll sich von Glaeseker distanziert haben. Wulff will laut Aussage nichts von der Sponsorensuche seines ehemaligen Vertrauten gewusst haben.

24.08.2012 - Nord-Süd-Dialog: Oettinger widerspricht Wulff

Aussagen von Christian Wulff werden erneut infrage gestellt. Nach dem belastenden Aktenvermerk der Nord/LB hat auch Günther Oettinger (CDU), ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Wulff in einem zentralen Punkt widersprochen: "Die Idee des Nord-Süd-Dialogs haben Christian Wulff und ich im persönlichen Gespräch entwickelt", sagte Oettinger. Wulff hat bislang bestritten, aktiv an der Organisation des Lobby-Treffs beteiligt gewesen zu sein.

08.09.2012 - Bettina Wulff: Suche nach Gerüchte-Quelle

Bild vergrößern
Bettina Wulff geht in die Offensive und wehrt sich gegen die Rotlicht-Gerüchte. (Archivbild)

Seit Jahren kursieren Gerüchte, dass Wulffs Ehefrau Bettina eine Vergangenheit im Rotlichtmilieu hat. Wer hat die Behauptung eigentlich in die Welt gesetzt? Laut "Süddeutscher Zeitung" (SZ) sind die Gerüchte schon 2006 gestreut worden - und zwar in der niedersächsischen CDU. Namen nennt die "SZ" allerdings nicht. Wollten Parteifreunde dem damaligen Ministerpräsidenten schaden? Bettina Wulff geht juristisch gegen die Gerüchte vor.

08.09.2012 - Jauch weist Vorwürfe von Bettina Wulff zurück

ARD-Moderator Günther Jauch widerspricht Bettina Wulffs Vorwürfen, er habe Ende 2011 Gerüchte über das Vorleben der ehemaligen "First Lady" verbreitet. "Ich habe niemals über Frau Wulff eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern lediglich aus einem Artikel der 'Berliner Zeitung' zitiert", sagte Jauch in einer über seinen Anwalt herausgegebenen Erklärung.

11.09.2012 - First Lady als Escort-Lady? "Einfach Quatsch"

Bettina Wulff setzt sich nun auch mit ihrer Autobiografie zur Wehr. "Ich habe nie als Escort-Lady gearbeitet, das ist einfach absoluter Quatsch", schreibt sie in "Jenseits des Protokolls". Das 200-seitige Buch war eigentlich für November angekündigt, liegt nun aber schon seit Montag in vielen Buchhandlungen aus.

30.09.2012 - Neue Vorwürfe gegen Christian Wulff

Wie der "Spiegel" berichtet, soll Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident persönlich um Gelder bei Siemens geworben. Angeblich sei es dabei um die Finanzierung eines Films seines Freundes David Groenewold gegangen. Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte, dass "in die Richtung" ermittelt werde.

07.10.2012 - Zeitung: Wulff war knapp bei Kasse

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" soll Wulff nach seiner Scheidung 2007 finanzielle Schwierigkeiten gehabt haben. Der befreundete Unternehmer Egon Geerkens habe ihm deshalb 90.000 Euro geliehen.

09.10.2012 - Staatsanwaltschaft Hannover legt Zwischenbericht vor

Die Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass sie ihre Ermittlungen gegen Wulff vorerst nicht ausweiten will. Offen war zuvor, ob die Ermittler die Beziehungen zwischen Wulff und dem Talanx-Aufsichtsratsvorsitzenden Wolf-Dieter Baumgartl einbeziehen würden. Wulff hatte sich als Ministerpräsident für Steuererleichterungen in der Versicherungsbranche eingesetzt und kurz darauf seine Hochzeitsreise in einer Villa verbracht, die Baumgartl gehört. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft lag hier kein strafbares Verhalten vor.

02.12.2012 - Keine Anklage vor der Landtagswahl

Die Staatsanwaltschaft Hannover wird laut "Spiegel" höchstwahrscheinlich erst nach der niedersächsischen Landtagswahl am 20. Januar über eine Anklageerhebung gegen Wulff entscheiden. David Groenewold soll demnach zuerst zu Fragen der Staatsanwaltschaft Stellung nehmen.

07.01.2013 - Christian und Bettina Wulff trennen sich

Wulffs Anwalt Gernot Lehr bestätigt, dass sich das Ehepaar Christian und Bettina Wulff einvernehmlich getrennt hat. Die beiden sollen eine Trennungsvereinbarung unterzeichnet haben. Die Verantwortung für den gemeinsamen vierjährigen Sohn Linus wollen Christian und Bettina Wulff auch künftig gemeinsam tragen. Allerdings nicht mehr in dem gemeinsamen Haus in Großburgwedel. Dort bleibt Bettina Wulff mit Linus und ihrem Sohn Leander wohnen, während Christian Wulff einem Medienbericht zufolge in eine Mietwohnung in Hannover gezogen ist.

06.03.2013 - Anklage gegen Glaeseker erhoben

Die Staatsanwaltschaft Hannover erhebt Anklage gegen Wulffs ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker. Er muss sich wegen Bestechlichkeit in drei Fällen im Zusammenhang mit der Promi-Party "Nord-Süd-Dialog" vor Gericht verantworten. Ebenfalls angeklagt: der Partyveranstalter Manfred Schmidt, ihm wird Bestechung vorgeworfen. Die Verhandlung soll noch in diesem Jahr vor dem Landgericht Hannover beginnen.

07.03.2013 - Wulffs verkaufen Haus in Großburgwedel

Bild vergrößern
Wulff ist schon ausgezogen, nun will das getrennte Ehepaar das Haus in Großburgwedel offenbar verkaufen.

Der rote Klinkerbau in Großburgwedel (Region Hannover) brachte einst die Affäre Wulff ins Rollen: Mit einem Zeitungsbericht über ein angebliches privates Darlehen zur Finanzierung des Hauses fing im Dezember 2011 alles an. Nun will das in Trennung lebende Ehepaar Wulff Medienberichten zufolge das Haus verkaufen.

09.03.2013 - Ermittlungen gegen Wulff ausgeweitet

Wie das Magazin "Focus" vorab berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Hannover ihre Vorwürfe gegen Wulff und David Groenewold verschärft. Sie lauten demnach nun auf Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung und nicht mehr auf Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung.

22.03.2013 - Staatsanwaltschaft bietet Deal an

Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigt, dass sie Wulff ein Angebot unterbreitet hat: Sie werde keine Anklage wegen Bestechlichkeit gegen ihn erheben. Im Gegenzug müsste er sich bereit erklären, die "strafrechtliche Verantwortung" zu übernehmen und 20.000 Euro zu zahlen. Dasselbe Angebot gelte für den ebenfalls beschuldigten Filmproduzenten David Groenewold.

09.04.2013 - Deal abgelehnt

Bild vergrößern
"Das Verfahren war und ist ohne Wenn und Aber einzustellen", heißt es in der Stellungnahme von Wulffs Verteidigern.

Wulffs Anwälte geben in Hannover bekannt, dass ihr Mandant sich nicht auf das Angebot der Staatsanwaltschaft einlassen wird. Die Vorwürfe gegen Wulff seien unbegründet. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass sowohl Wulff als auch Groenewold einen Deal abgelehnt haben. Mehrere Zeitungen hatten kurz zuvor berichtet, Wulff habe einen Zeugen, der ihn entlasten könne. Hierfür gibt es aber keine offizielle Bestätigung.

12.04.2013 - Anklage wegen Bestechlichkeit

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wird ein ehemaliger Bundespräsident von der Justiz angeklagt: Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft Christian Wulff Bestechlichkeit vor. Das Landgericht Hannover muss nun entscheiden, ob es zum Prozess kommt. Wulffs Rechtsanwälte weisen den Anklage-Vorwurf erneut zurück.

13.04.2013 - Bettina Wulff als Zeugin vor Gericht?

Bild vergrößern
Muss Bettina Wulff im Falle einer Anklage in den Zeugenstand?

Wird die Anklage gegen Wulff zugelassen, könnte womöglich auch Bettina Wulff in den Zeugenstand gerufen werden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Wulffs Noch-Ehefrau hätte allerdings ein Zeugnisverweigerungsrecht.

12.05.2013 - Wulff soll im Glaeseker-Prozess ausssagen

Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, soll Wulff im Verfahren gegen seinen ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker aussagen, der sich wegen Bestechlichkeit verantworten muss.

10.06.2013 - Wulff geht gegen die "Bunte" vor

Wulff hat am Landgericht Köln eine Unterlassungsverfügung gegen die "Bunte" erwirkt. Das Gericht untersagte der Zeitschrift, zu behaupten oder auch nur den Anschein zu erwecken, Wulff habe eine Liebesbeziehung mit der Musikerin und DJane Sabine S.

30.06.2013 - Anwälte reichen Anklageerwiderung ein

Die "Bild am Sonntag" berichtet, dass Wulffs Anwalt Bernd Müssig bereits vor rund zwei Wochen eine Anklageerwiderung eingereicht hat. Auf 66 Seiten erhebt er demnach Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft Hannover: Wulff sei zum Lügner degradiert worden. Das Schriftstück soll einen Prozess wegen Bestechlichkeit verhindern helfen.

14.07.2013 - Entscheidung über Verfahren gegen Wulff läuft

Das Landgericht Hannover will einem "Spiegel"-Bericht zufolge im August entscheiden, ob sich Wulff wegen Bestechlichkeit vor Gericht verantworten muss. Sollte es dazu kommen, würde der Prozess dem Magazin zufolge am 1. November beginnen.

08.08.2013 - Wulffs verkaufen Haus in Großburgwedel mit Gewinn

Bild vergrößern
Wulffs sollen ihr Haus in Großburgwedel mit 235.000 Euro Gewinn verkauft haben.

Laut einem Bericht von stern.de haben die Wulffs ihr Einfamilienhaus in Großburgwedel für 650.000 Euro verkauft. Das sind 235.000 Euro mehr, als sie selbst bezahlt haben. Das Nachrichtenportal beruft sich dabei auf einen Kaufvertrag vom 13. Februar 2013. Den Gewinn dürfen die Wulffs behalten.

11.08.2013 - Glaeseker streitet Bestechlichkeit ab

Die Anwälte von Olaf Glaeseker haben ein 69-seitiges Schreiben eingereicht, in dem der Ex-Wulff-Sprecher den Vorwurf der Bestechlichkeit zurückweist. Außerdem widerspricht Glaeseker dem Ex-Bundespräsidenten. Der hatte behauptet, nichts von den Urlaubsreisen seines Sprechers zum Partymanager Schmidt gewusst zu haben. Dagegen heißt es in dem Schreiben von Glaesekers Anwälten: Wulff habe von den Reisen gewusst.

18.08.2013 - Event-Manager Schmidt widerspricht ebenfalls

Auch der wegen Bestechung angeklagte Event-Manager Manfred Schmidt widerspricht Wulffs Zeugenaussage, nichts von den Reisen Olaf Glaesekers zu Schmidt gewusst zu haben, wie der "Focus" berichtet. Schmidt behauptet dem Magazin zufolge, Wulff sei immer über die Reisen informiert gewesen. Außerdem weist Schmidt den Verdacht auf Bestechung zurück.

27.08.2013 - Landgericht Hannover lässt Anklage zu

Das Landgericht Hannover teilt mit, dass es ein Hauptverfahren gegen Wulff eröffnet. Allerdings wird er nicht wie von der Staatsanwaltschaft gefordert wegen Bestechlichkeit, sondern wegen Vorteilsannahme angeklagt. Der Prozess soll am 1. November beginnen.

06.09.2013 - Auch Glaeseker und Schmidt werden angeklagt

Das Landgericht Hannover lässt die Anklage gegen Olaf Glaeseker und Martin Schmidt zu. Der Prozess soll am 9. Dezember beginnen. Beide hatten zuvor die gegen sie erhobenen Vorwürfe der Bestechlichkeit, beziehungsweise der Bestechung dementiert.

20.09.2013 - Prozess-Start wird verschoben

Weil die Verteidiger Terminschwierigkeiten haben, wird der Beginn des Prozesses gegen Wulff um zwei Wochen verschoben. Voraussichtlicher Starttermin ist jetzt der 14. November 2013. Geladen sind 45 Zeugen, die an 14 Prozesstagen aussagen sollen. Insgesamt sind 22 Prozesstage angesetzt.

14.11.2013 - Hauptverhandlung startet

Bild vergrößern
Am ersten Prozesstag betonen Wulff und Groenewold, dass sie enge Freunde seien.

Es bleibt beim neuen Termin: Die Vorwürfe gegen Wulff wegen Vorteilsannahme und David Groenewold wegen Vorteilsgewährung werden in einem gemeinsamen Prozess verhandelt, dieser beginnt am 14. November um 10 Uhr am Landgericht Hannover. Vor dem Auftakt erklärt Wulff der vor dem Gericht versammelten Presse, er werde "den allerletzten Vorwurf ausräumen". Im Prozess erläutert er in einer rund 50 Minuten langen Einlassung ausführlich seine Sicht der Dinge. Sowohl Wulff als auch Groenewold betonen ihre andauernde Freundschaft.

12.12.2013 Bettina Wulff im Zeugenstand

Wulffs Noch-Ehefrau Bettina bestätigt vor Gericht die Freundschaft ihres Mannes zu David Groenewold. Dessen Einladung zum Oktoberfest sei zunächst privater Natur gewesen. Aus der privaten Idee sei aber später ein offizieller Termin geworden.

19.12.2013 - Rosenows "Zwischenfazit"

Richter Frank Rosenow fordert die Verfahrensbeteiligten zur Überlegung auf, ob eine Einstellung des Verfahrens in Betracht käme. Den Vorschlag machte er, weil Wulff die bewusste Annahme von Vorteilen bislang nicht nachgewiesen werden konnte. Rosenow gibt beiden Seiten bis Anfang Januar Zeit, sich zu entscheiden. Staatsanwaltschaft und Verteidigung signalisieren aber sofort, dass sie keine Einstellung wollen.

02.01.2014 - Richter drückt aufs Tempo

Bild vergrößern
Der Vorsitzende Richter Frank Rosenow will den Prozess möglichst zügig beenden.

Die Kammer um den Vorsitzenden Richter Rosenow will den Prozess noch im Januar abschließen. Die Kammer bekräftigt den vor Weihnachten geäußerten Wunsch, schon bald die Plädoyers zu hören. Wulffs Anwälte erklärten, jederzeit für Plädoyers zur Verfügung zu stehen. Von der Staatsanwaltschaft gab es auf Rosenows Darstellung des neuen Zeitplans am Donnerstag keine Erwiderung.

09.01.2014 - Staatsanwaltschaft stellt zahlreiche Beweisanträge

Die Staatsanwaltschaft stellt zahlreiche Beweisanträge. Unter anderem will sie Olaf Glaeseker vernehmen, den einstigen Vertrauten des Ex-Bundespräsidenten. Er können wichtige Informationen über Wulffs Verhältnis zu Groenewold liefern und offene Fragen zu den Absprachen rund um den Oktoberfestbesuch 2008 klären, so die Staatsanwaltschaft.

22.01.2014 - Glaeseker sagt aus

Olaf Glaeseker sagt als Zeuge aus und bestätigt die Freundschaft zwischen Christian Wulff und David Groenewold. Ansonsten überwiegen bei Wulffs Ex-Vertrautem Erinnerungslücken.

06.02.2014 - Richter droht mit Aussetzung des Prozesses

Die Staatsanwaltschaft reicht neue Beweisanträge ein und will Mails in das Verfahren einführen. Auf die war die Anklage durch den Prozess gegen Wulffs ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker aufmerksam geworden. Rosenow gerät darüber in Rage und droht mit der Aussetzung des gesamten Verfahrens. Das hätte bedeutet, dass der komplette Prozess noch einmal neu hätte aufgerollt werden müssen. Das geschieht nicht. Stattdessen sollen sich die Prozessbeteiligten zum nächsten Termin am 20. Februar auf die Plädoyers vorbereiten.

10.02.2014 - Wulff sagt im Glaeseker-Prozess aus

Bild vergrößern
Christian Wulff tritt als Zeuge im Prozess gegen Glaeseker auf.

Im parallel zu seinem eigenen Prozess laufenden Verfahren sagt Wulff gegen seinen Ex-Sprecher Glaeseker als Zeuge aus. Glaeseker muss sich zusammen mit Eventmanager Manfred Schmidt ebenfalls vor dem Landgericht Hannover wegen des Vorwurfs der Korruption verantworten. Wulff korrigierte seine früheren Angaben zu den Urlauben von Glaeseker bei Schmidt. Über die Umstände, wer bezahlte oder in wessen Immobilen gewohnt wurde, habe er sich keine Gedanken gemacht. Über seine Freundschaft zu Glaeseker sagte er, beide hätten den Kontakt auf Anraten ihrer Rechtsbeistände abgebrochen. Wenn die gerichtlichen Auseinandersetzungen vorbei seien, würden er und Glaeseker ihre Freundschaft sicherlich wieder aufnehmen, so Wulff.

27.02.2014 - Tag der Entscheidung im Prozess

Gut zwei Jahre nach seinem Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten wird Christian Wulff vom Landgericht Hannover freigesprochen.

01.03.2014 - Wulff will zurück in Anwaltsberuf

Nach seinem Freispruch kündigt Christian Wulff an, eine Anwaltskanzlei in Hamburg eröffnen zu wollen. Dort will er selbst als Rechtsanwalt tätig sein und sich vor allem um mittelständische Unternehmen kümmern. Wulff hatte von 1980 bis 1986 Rechtswissenschaften an der Universität Osnabrück studiert und arbeitete vor seiner politischen Karriere in einer Anwaltskanzlei.

05.03.2014 - Staatsanwaltschaft legt Revision ein

Die Staatsanwaltschaft Hannover legt beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe Revision gegen den Freispruch des Landgerichts ein - zunächst ohne Begründung, um innerhalb der gesetzlichen Frist zu bleiben.

11.03.2014 - Glaeseker-Verfahren eingestellt

Bild vergrößern
Das Verfahren gegen Olaf Glaeseker wird gegen eine Geldauflage eingestellt.

Das Korruptionsverfahren gegen den früheren Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker und den Party-Manager Manfred Schmidt ist eingestellt. Beide müssen eine Geldauflage in Höhe von 25.000 Euro an die Landeskasse zahlen. Schmidt soll zudem noch jeweils 2.500 an die Tafel Hannover und die Kinderkrebshilfe überweisen. Darauf einigen sich das Landgericht Hannover, die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung.

05.05.2014 - Gericht legt schriftliches Urteil vor

Das Landgericht Hannover legt der Staatsanwaltschaft die schriftliche Urteilsbegründung aus dem Wulff-Prozess vor. Die Staatsanwaltschaft hat nun vier Wochen Zeit, ihre Revision nachträglich zu begründen oder zu verwerfen. Hält sie an ihrer Revision fest, muss der BGH entscheiden, ob tatsächlich ein Verfahrensfehler vorliegt. In diesem Fall müsste der Fall neu aufgerollt werden.

10.06.2014 - Wulff stellt sein Buch vor

Christian Wulff stellt in Berlin sein Buch "Ganz oben Ganz unten" vor. Darin schildert er seine persönliche Sicht auf die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre: die Korruptionsvorwürfe, den Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten und den Prozess in Hannover. Eine Abrechnung mit den Medien, der Staatsanwaltschaft und Parteifreunden.

13.06.2014 - Staatsanwaltschaft zieht Antrag auf Revision zurück

Die Staatsanwaltschaft Hannover gibt bekannt, dass sie ihren Antrag auf Revision gegen den Freispruch für Christian Wulff zurückgezogen hat. Nach eingehender Prüfung der Urteilsbegründung kam die Anklagebehörde zu dem Schluss, dass ihr Revisionsantrag wohl keine Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. Damit ist der Freispruch rechtskräftig - und Wulff juristisch rehabilitiert.

18.06.2014 - Rechtsanwalt erstattet Anzeige gegen Staatsanwaltschaft Hannover

Der Bonner Rechtsanwalt Gernot Fritz erstattet Anzeige gegen die Staatsanwaltschaft Hannover. Der Jurist sieht einen Anfangsverdacht der Rechtsbeugung und die Verletzung von Privatgeheimnissen in der Causa Wulff. Seine Strafanzeige schickt direkt an die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne).

18.07.2014 - Rechtsanwalt vermutet Informationsleck im Justizministerium

Nach seiner Anzeige gegen die Staatsanwaltschaft Hannover erweitert der Bonner Rechtsanwalt Gernot Fritz seine Vorwürfe. Er vermutet ein Informationsleck im Justizministerium.

07.11.2014 - Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat Ermittlungen wegen der Weitergabe streng vertraulicher Informationen eingeleitet. Die Behörde soll klären, wer im Verfahren gegen den Ex-Bundespräsidenten Interna an die Presse weitergegeben hat. Mit einem Ergebnis rechnet Sprecher Andreas Buick allerdings erst für 2015.

20.02.2015 - Ermittlungen gegen Celler Generalstaatsanwalt Frank Lüttig

Der Celler Generalstaatsanwalt Frank Lüttig steht im Verdacht, sieben Mal Informationen aus dem Ermittlungsverfahren gegen Ex-Bundespräsident Wulff und ein Mal im Fall Edathy an die Medien weitergegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft Göttingen gibt die Einleitung der Ermittlungen bekannt.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 29.10.2016 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:50 min

Urteil: "Robby" muss in eine Auffangstation

27.04.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:43 min

Ankunftszentren: Ist Sozialbetrug noch möglich?

27.04.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:31 min

Urlaub in Hitzacker in arktischer Kaltluft

27.04.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen