Stand: 22.02.2016 16:39 Uhr

Das geheimnisvolle Leben des Karl Koch

Bild vergrößern
Das Junge Schauspiel Hannover beschäftigt sich mit dem kurzen Leben des Hackers Karl Koch.

Der Fall ist bis heute mysteriös: Am 1. Juni 1989 wird in einem Waldstück im Landkreis Gifhorn die verkohlte Leiche des jungen Hackers Karl Koch aus Hannover gefunden. Daneben liegt ein geschmolzener Benzinkanister. Die Umstände seines Todes werden nie vollständig aufgeklärt. Offiziell heißt es, Koch habe sich durch Selbstverbrennung das Leben genommen. Doch es gibt auch Gerüchte, wonach der 23-Jährige ermordet wurde. "Selbstmord oder Hinrichtung?" lautet damals die Schlagzeile in der hannoverschen "Neue Presse". Bis heute hat das Thema an Faszination wenig verloren. Nach einem Kinofilm wagt sich jetzt auch das Junge Schauspiel Hannover mit dem Stück "23 - Nichts ist so wie es scheint" an die Geschichte von Koch heran.

Ein Hacker namens "Hagbard Celine"

Nahrung für eine fesselnde Inszenierung lieferte Koch in seinem kurzen Leben jede Menge. 1985 gründete er in Hannover einen Ableger des Chaos Computer Clubs. Dabei nutzte er das Pseudonym "Hagbard Celine" - den Namen der Hauptfigur aus den Romanen "Illuminatus!" von Robert Shea und Robert Anton Wilson. Als Koch 14 Jahre alt war, hatte ihm sein Vater einen der Bände geschenkt. In der Trilogie kämpft Hagbard erfolgreich gegen einen mächtigen Geheimbund, der einen Atomkrieg anzetteln will. Koch war offenbar davon überzeugt, dass es die Illuminaten aus den Büchern wirklich gibt und er sie mit dem Hacken bekämpfen könne. Außerdem soll er es als seine Aufgabe angesehen zu haben, einen dritten Weltkrieg zu verhindern.

Ein Leben mit zahlreichen Hindernissen

Im realen Leben lief es für Koch alles andere als rund. In Hannover wuchs er in äußerst komplizierten Verhältnissen auf. Seine Mutter starb, als er zehn Jahre alt war, der Vater soll erhebliche Alkoholprobleme gehabt haben. Nach vergeblichen Versuchen, einen Abschluss zu machen, rutschte Koch immer mehr in die Drogenabhängigkeit ab. Dazu kamen psychische Probleme, die mehrere Klinikaufenthalte zur Folge hatten.

Spionage für den KGB

Zweifelhafte Berühmtheit erlangte Koch Mitte der 1980er-Jahre durch den sogenannten KGB-Hack. Gemeinsam mit drei anderen deutschen Hackern soll er unter anderem die Rechner von Militäreinrichtungen sowie Raumfahrt- und Rüstungsbehörden angezapft und die Daten über Mittelsmänner an den sowjetischen Geheimdienst verkauft haben. Erst Anfang März 1989 - knapp drei Monate vor dem Tod von Koch - wurde die Hacker-Gruppe nach monatelanger Beschattung zerschlagen.

Spekulationen um die Zahl 23

Eng verbunden mit Koch ist die Mystik um die Zahl 23, die auf die "Illuminatus!"-Trilogie zurückgeht. Unter Weltverschwörern gilt sie als heilige Zahl, die in Geheimschriften, Codes und Kalendern der Illuminaten eine wichtige Rolle spielt. Dass Koch ausgerechnet im Alter von 23 Jahren an einem 23. Mai gestorben sein soll (als offizieller Todestag wird der 24. Mai angegeben, doch Koch verschwand bereits am 23. Mai), spielt den Verschwörungstheoretikern in die Karten. Wie sehr die "Illuminatus!"-Romane Koch geprägt haben, zeigt sich auch in seiner Todesanzeige: Hier steht hinter dem bürgerlichen Namen Karl Koch in Klammern "Hagbard".

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/Das-geheimnisvolle-Leben-des-Karl-Koch,karlkoch100.html