Stand: 08.08.2015 13:44 Uhr

Bundespolizei-Skandal: Verdacht auf Kinderpornografie

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In einer Arrestzelle der Bundespolizei am Hauptbahnhof in Hannover soll ein Beamter Flüchtlinge misshandelt haben. (Archivbild)

In dem Fall um mutmaßliche Misshandlungen von Flüchtlingen bei der Bundespolizei am Hauptbahnhof in Hannover hat die Staatsanwaltschaft Hannover die Ermittlungen gegen den beschuldigten Bundespolizisten ausgeweitet. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge NDR.de am Sonnabend. Es bestehe der Verdacht, dass der Bundespolizist im Besitz von Kinderpornografie gewesen sei. "Im Rahmen der Durchsuchungen der Privaträume des Mannes wurde ein externer Datenträger gefunden, auf dem sich kinderpornografisches Material befinden könnte", sagte Klinge. Ein entsprechendes Verfahren sei eingeleitet worden. "Es muss nun geprüft werden, ob es sich dabei wirklich um Kinderpornografie handelt und ob der Datenträger dem Beschuldigten zuzuordnen ist", so Klinge weiter. Die Untersuchung werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Misshandlungen in Polizeigewahrsam

Anfang Mai hatten Bundespolizisten Anzeige gegen den Kollegen erstattet. Er soll Migranten misshandelt haben, während diese sich in Polizeigewahrsam befanden. In Kurznachrichten soll er dann von seinen Taten berichtet und mit ihnen geprahlt haben. Ein betroffener marokkanischer Flüchtling hatte bestätigt, dass er in einer Arrestzelle der Wache am Hauptbahnhof Opfer von Misshandlungen geworden ist. Bereits im März soll der Beschuldigte außerdem einen 19-jährigen Afghanen in der Wache geschlagen und an den Fußfesseln durch die Zelle geschleift haben. Nach diesem möglichen zweiten Opfer suchen die Ermittler noch immer.

Verdacht der Körperverletzung im Amt

Mitte Mai war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Beamten wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. Nach Recherchen von Hallo Niedersachsen und NDR Info soll der Polizist zudem bereits ein Jahr zuvor, im August 2013, im gemeinsamen Aufenthaltsraum seine Dienstwaffe gezogen, den Lauf einem anderen Polizisten an die Schläfe gehalten und ihn zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben. 

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