Stand: 17.02.2017 19:52 Uhr

Baby in Koffer: Mutter bestreitet Tötungsabsicht

Knapp fünf Monate ist es her, dass in einer Wohnung in Hannover-Vahrenwald zwei Babys in einem Koffer gefunden wurden. Neben einem lebenden Neugeborenen lagen auch die Knochenteile eines toten Säuglings darin. Jetzt muss sich die 22-jährige Mutter der Kinder unter anderem wegen versuchten Totschlags und Verletzung der Fürsorgepflicht vor dem Landgericht Hannover verantworten. Zum Prozessauftakt wies die Angeklagte jede Tötungsabsicht zurück. Im Fall des toten Säuglings waren die Ermittlungen bereits eingestellt worden, weil nicht mehr zu klären war, ob das Kind im Januar 2015 tot oder lebendig zur Welt gekommen war.

Angeklagte zeigt in Erklärung Reue

Sie habe zu keinem Zeitpunkt in Kauf nehmen wollen, dass ihre Tochter sterben oder ihr etwas passieren könne, erklärte die Frau unter Tränen. "Ich war mir damals sicher, dass das Leben meines Babys nicht bedroht war", trug die Frau am Freitag in einer von ihr selbst verlesenen Erklärung vor. Sie habe in dem in ihrer Wohnung gefundenen Koffer für ausreichend Wärme und Belüftung gesorgt. "Es tut mir unendlich leid, wie ich mich anlässlich der Geburt meiner Tochter verhalten habe", erklärt sie weiter. "Ich hasse mich für das, was passiert ist." Sie habe Angst gehabt, ihrem Partner von dem Kind zu erzählen.

Mädchen war wenige Tage alt

Ihr Lebensgefährte hatte das Baby wenige Tage nach der Geburt in dem Koffer in der gemeinsamen Wohnung gefunden und die Polizei alarmiert. Als die Beamten den Koffer öffneten, war ein Baby noch am Leben. Von dem anderen waren nur noch die sterblichen Überreste vorhanden. Das überlebende Baby wurde nach seiner Entdeckung in der Medizinischen Hochschule Hannover versorgt. Es war unterkühlt, hatte eine Neugeborenen-Infektion und Hautschädigungen an Kopf, Hals und Knie. Inzwischen lebt das Mädchen bei Pflegeeltern.

Glauben die Richter der Angeklagten?

"War es versuchter Totschlag oder nicht - das ist hier die Kernfrage", sagte Gerichtssprecher Hans-Christian Rümke. Es sei jetzt die Aufgabe des Gerichts, zu entscheiden, ob der Angeklagten und ihrer Einlassung zu glauben ist. "Die Kammer wird sich mit den gesamten Indizien, jedem einzelnen Detail auseinandersetzen und eine Gesamtwürdigung vornehmen müssen, ob man der Angeklagten das glauben kann oder nicht", so Rümke. Nach Ansicht der Anklage hat die 22-Jährige unter anderem einen möglichen Tod durch Ersticken zumindest billigend in Kauf genommen. Für den Prozess sind noch vier weitere Verhandlungstermine angesetzt. Ein Urteil könnte bereits Anfang März fallen.


17.02.2017 10:28 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version schrieben wir, dass das Baby beim Fund 10 bis 14 Tage alt gewesen war. Richtig ist, dass das Baby nur wenige Tage alt war. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 17.02.2017 | 07:30 Uhr

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