Stand: 07.03.2016 08:43 Uhr

Gauck hält flammenden Appell gegen den Hass

Mit einem Appell gegen Rechtsextremismus und Hass hat Bundespräsident Joachim Gauck am Sonntag in Hannover die "Woche der Brüderlichkeit" eröffnet. Es war die zentrale Eröffnungsfeier für zahlreiche Veranstaltungen in ganz Deutschland. Der jüdisch-christliche Dialog, die Zusammenarbeit zwischen Juden und Christen und die Aufarbeitung des Holocaust stehen dabei im Fokus. Dieses Jahr liegt unter dem Motto "Um Gottes Willen" besonderes Augenmerk auf dem Missbrauch von Religion.

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede. © NDR

Gauck eröffnet Woche der Brüderlichkeit

Bundespräsident Joachim Gauck stellt sich in seiner Eröffnungsrede für die "Woche der Brüderlichkeit" gegen Fremdenhass, Ausgrenzung und auch gegen Pegida.

2,4 bei 10 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Gauck erinnert an Gewalt in der Geschichte der Christen

Es gehöre zu den "deprimierendsten Erfahrungen der Gegenwart", dass im Namen Gottes ungeheuerliche Schreckenstaten verübt werden, unterstrich Gauck bei dem Festakt im Theater am Aegi. Mord und Totschlag habe es aber auch in der Geschichte der Christen in Europa gegeben, erinnerte er. Es sei unbestreitbar, dass auch getaufte Christen bei der Vernichtung der Juden Europas beteiligt waren. Umso wichtiger seien die Lehren, die daraus gezogen wurden - nämlich Aussöhnung und gegenseitiges Verständnis.

Downloads
1003 KB

Rahmenprogramm der Woche der Brüderlichkeit

Hier können Sie sich das Programm der Woche der Brüderlichkeit runterladen. Download (1003 KB)

Kritik an "Verteidigern" des christlichen Abendlandes

Zugleich fand der Bundespräsident klare Worte gegen die "selbsternannten Verteidiger des christlichen Abendlandes". Wer glaube, das Abendland "mit der Herabsetzung anderer, mit Ausgrenzung Andersgläubiger, mit Hassparolen und Säuberungsphantasien" zu schützen, der habe es schon verraten. Gauck nahm dabei Bezug auf Bündnisse wie Pegida, das regelmäßig zu Demonstrationen gegen "Überfremdung" und "islamischen Extremismus" aufruft. Ein entschiedenes Bekenntnis zur eigenen Tradition und Kultur sei völlig in Ordnung, so Gauck. Die wachsende Unbarmherzigkeit aber sei es nicht.

Buber-Rosenzweig-Medaille für Micha Brumlik

Weitere Informationen
01:31 min

Micha Brumlik erhält Buber-Rosenzweig-Medaille

06.03.2016 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Er sei ein Seismograf für die Suche nach jüdischer Identität, ehrt Margot Käßmann den Preisträger Micha Brumlik. Joachim Gauck hat die "Woche der Brüderlichkeit" eröffnet. Video (01:31 min)

Im Rahmen der Auftakt-Veranstaltung hat Gauck, der Schirmherr der Veranstaltung ist, außerdem die Buber-Rosenzweig-Medaille an den jüdischen Erziehungswissenschaftler und Publizisten Micha Brumlik verliehen. Mit der undotierten Auszeichnung wird Brumlik für seinen jahrzehntelangen Einsatz zur Verständigung zwischen Juden und Christen in Deutschland geehrt. Brumlik sei ein "Querdenker" in einer Zeit, "die zu Anpassung und Mainstream neigt", sagt die Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017, Theologin Margot Käßmann, in ihrer Laudatio. Die Kraft des "kreativen und kritischen Denkens" sei es, die gegen Fundamentalismus helfen könne. "Gewaltfreie Konfliktfähigkeit auch von religiösen Überzeugungen ist gerade in unserer Zeit dringend gefragt", so Käßmann.

Käßmann: "Stimme gegen Hetze erheben"

Bild vergrößern
In einem ökumenischen Gottesdienst rief Theologin Margot Käßmann zum Einsatz für den Frieden auf.

Bereits am Sonntagmorgen hatte Käßmann in einem ökumenischen Gottesdienst zum Einsatz für den Frieden aufgerufen. "Wenn der Wille zum Frieden schwach ist, ist der Wille zu Macht und das Verdienen an Waffenexporten aber groß", sagte die 57-Jährige in der Marktkirche in Hannover. Sich für den Frieden einzusetzen, könne auch bedeuten, gegen Rassisten und Hetzer die Stimme zu erheben - oder Geflüchtete zum Essen einzuladen. Es sei ein Zeichen der Hoffnung, so Käßmann, dass viele Menschen in den Kirchengemeinden barmherzig handelten. Wir könnten "das Leid unserer Tage nicht bequem auf andere abwälzen", mahnte die Theologin.

Benannt nach zwei jüdischen Philosophen

Die "Woche der Brüderlichkeit" wird seit 1952 jährlich bundesweit von den rund 85 Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit veranstaltet. Sie richtet sich gegen weltanschaulichen Fanatismus und religiöse Intoleranz. Jeweils zum Auftakt wird seit 1968 die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Sie ist benannt nach den jüdischen Philosophen Martin Buber und Franz Rosenzweig. Zu den Trägern der Medaille gehören der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin (1916-1999), der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1920-2015) und der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne).

Weitere Informationen
02:46 min

Schüler-Ausstellung: Religion in Bildern

06.03.2016 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Im Rahmen der "Woche für Brüderlichkeit" haben Schüler ihre Gedanken zum Thema Religion aufgemalt. Die Bilder werden noch bis zum 11. März im Neuen Rathaus Hannover ausgestellt. Video (02:46 min)

mit Video

Liberale Jüdische Gemeinde ist 20 Jahre alt

Bei ihrer Gründung zählte die Liberale Jüdische Gemeinde 79 Mitglieder. Mittlerweile ist sie zur größten in Deutschland angewachsen - und hat nun 20-jähriges Bestehen gefeiert. (06.11.2015) mehr

Auf den Spuren von Anne Frank in Bergen-Belsen

Vor 70 Jahren wurde das KZ Bergen-Belsen befreit. Nur zwei Monate zuvor starb hier Anne Frank. Was das jüdische Mädchen im Lager erleben musste, weiß man nur aus Erzählungen. (15.04.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.03.2016 | 13:00 Uhr