Stand: 04.03.2016 12:12 Uhr

Anwälte: Kinderarzt vermindert schuldfähig

Bild vergrößern
Der Kinderarzt soll sich laut Anklage an 21 Jungen vergangen haben. (Archiv)

Im Missbrauchs-Prozess gegen einen ehemaligen Kinderarzt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) halten die Verteidiger eine Haftstrafe von maximal neun Jahren für angemessen. Vor dem Landgericht Augsburg verlangten die Anwälte am Freitag zudem, dass für den 41-Jährigen anschließend keine Sicherungsverwahrung angeordnet wird. Stattdessen sollte der Angeklagte zur Therapie in eine Klinik eingewiesen werden. Die Verteidiger gehen davon aus, dass der Mann wegen seiner Veranlagung vermindert schuldfähig ist. Sie betonten, dass ihr Mandant die Taten gestanden habe und so den Opfern eine Aussage vor Gericht erspart habe. Er habe noch eine Chance verdient, da er bereits alles verloren habe. Der Kinderarzt hatte seine Zulassung zurückgegeben. Ihm droht auch ein lebenslanges Berufsverbot.

Erneute Entschuldigung unter Tränen

Mit tränenerstickter Stimme entschuldigte sich der Angeklagte vor Gericht nochmals für seine Taten. Er wisse, welchen Schaden er bei den Opfern angerichtet habe. Er werde sich Hilfe holen. Zudem versprach er, sich nicht wieder an Kindern zu vergreifen. Der 41-Jährige soll sich an insgesamt 21 Jungen vergangen haben - unter anderem im Raum Hannover und in Bayern. Er hatte gestanden, auch einen Fünfjährigen in Garbsen (Region Hannover) in ein Auto gelockt, betäubt und missbraucht zu haben. Dieser Fall hatte die Ermittler 2014 auf die Spur des Mannes gebracht.

Urteil in der nächsten Woche erwartet

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte in ihrem Plädoyer am Donnerstag fast die Höchststrafe gefordert: 14 Jahre und sechs Monate Haft sowie eine anschließende Sicherungsverwahrung. "Ohne Geständnis und Täter-Opfer-Ausgleich wäre mit Sicherheit die Höchststrafe herausgekommen", so die Staatsanwältin am Landgericht Augsburg. Der Mediziner sei ein "äußerst gefährlicher" Serientäter, begründete sie die Forderung nach der Sicherungsverwahrung und einem lebenslangen Berufsverbot. Ein Gerichtsgutachter hatte in dem Prozess ausgesagt, bei dem Angeklagten bestehe eine mehr als 50-prozentige Rückfallgefahr. Das Urteil soll am kommenden Donnerstag gesprochen werden.

Weitere Informationen

Missbrauchsprozess: Mutter von Opfer sagt aus

Vor dem Landgericht Augsburg hat die Mutter eines Jungen aus Garbsen ausgesagt, der vergangenes Jahr mutmaßlich sexuell missbraucht worden ist. Angeklagt ist ein ehemaliger Arzt. (14.12.2015) mehr

20 Kinder missbraucht - Prozess gegen Kinderarzt

Ein ehemaliger Kinderarzt, der 20 Kinder sexuell missbraucht haben soll, muss sich nun vor Gericht verantworten. Seine letzte Tat bei Hannover versetzte die Region in Aufregung. (04.11.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 04.03.2016 | 14:30 Uhr