Stand: 21.01.2016 16:37 Uhr

Anschlag in Salzhemmendorf: Prozessbeginn im Februar

Bild vergrößern
Rund ein halbes Jahr nach dem Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf beginnt der Prozess. (Archivbild)

Der Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in Salzhemmendorf (Landkreis Hameln-Pyrmont) hatte im vergangenen August für bundesweites Entsetzen gesorgt. Eine Frau aus Simbabwe und ihre drei kleinen Kinder waren dabei nur knapp dem Feuer entkommen. Die mutmaßlichen Täter müssen sich nun ab dem 10. Februar vor dem Landgericht Hannover verantworten. Wie das Gericht am Donnerstag mitteilte, wirft die Staatsanwaltschaft zwei Männern im Alter von 25 und 31 Jahren sowie einer 24-jährigen Frau gemeinschaftlich versuchten Mord und versuchte schwere Brandstiftung vor. Sie geht von Ausländerhass als Motiv für die Tat aus.

Ein Molotow-Cocktail durchs geschlossene Fenster

Die Angeklagten sollen in der Nacht zum 28. August zu dem überwiegend von Asylbewerbern bewohnten Mehrfamilienhaus gefahren sein. Dort soll einer der Männer einen selbst gebastelten Molotow-Cocktail durch ein geschlossenes Fenster ins Erdgeschoss geworfen haben. Im Zimmer selbst hielt sich zur Tatzeit keiner der Bewohner auf. Durch den Molotow-Cocktail verschmorte allerdings der Bodenbelag in einem Umkreis von etwa einem halben Meter, und es bildete sich starker Rauch. Die damals 34-jährige Frau aus Simbabwe und ihre drei Kinder waren während des Anschlags in einem Nebenraum. Sie konnten die Wohnung gerade noch rechtzeitig verlassen, so dass niemand verletzt wurde.

Ein Angeklagter war Feuerwehrmann

Die drei Angeklagten waren noch am selben Tag aufgrund eines Zeugenhinweises festgenommen worden. Seit Ende August sitzen sie in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwältin Kathrin Söfker haben sie bei ihren Vernehmungen die Tatbeteiligung eingeräumt. Bei einem der mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen freiwilligen Feuerwehrmann. Er war später bei den Löscharbeiten dabei, wurde aber bald darauf vom Ortsbrandmeister beurlaubt. Später trat auch der Jugendwart der Wehr zurück, weil er sich in sozialen Netzwerken als Unterstützer der rechtsextremen NPD geoutet hatte.

Weitere Informationen
Multimedia-Doku

Salzhemmendorf: Der Anschlag aus der Garage

Ende August brennt in Salzhemmendorf ein Haus, in dem Flüchtlinge leben. Wer waren die Täter? Warum haben sie den Anschlag verübt? Reporter von NDR, WDR und SZ zeichnen die Tat nach. (30.11.2015) mehr

Flüchtlingsunterbringung = höheres Schadensrisiko?

Nach dem Brandanschlag in Salzhemmendorf hat die Eigentümerfamilie Schwierigkeiten, das Gebäude erneut zu versichern. Angebote von Versicherungen gebe es nicht, klagen die Besitzer. (04.11.2015) mehr

Die rechte Szene in Norddeutschland - Was tun?

NSU, NPD, Pegida - wir haben die rechte Szene im Norden im Blick, analysieren Strukturen und geben Tipps, was Sie gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit tun können. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 21.01.2016 | 16:30 Uhr