Stand: 21.10.2014 13:53 Uhr

"Inter" oder "Divers" gibt's im Gesetz nicht

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Vanjas mit seinem/ihrem Antrag zunächst gescheitert. Seine/Ihre Unterstützer wollen bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Das Amtsgericht Hannover hat im Fall "Vanja" die Eintragung eines dritten Geschlechts abgelehnt. Der/die 25-Jährige hatte mit einem Antrag erreichen wollen, dass in der Geburtsurkunde die Geschlechtsangabe von "weiblich" in "inter" oder "divers" geändert wird. Die Richterin entschied in dem schriftlichen Verfahren, dass die Angabe "inter" oder "divers" gesetzlich nicht vorgesehen ist. Eine Vorlage beim Bundesverfassungsgericht sei nicht notwendig, da nicht zu erkennen sei, dass die gesetzliche Regelung gegen die Verfassung verstößt, so die Richterin. Gegen die Entscheidung kann Beschwerde eingereicht werden.

Eine politische, keine rechtliche Frage

Das sogenannte Personenstandsgesetz erlaube mittlerweile zwar, dass der Eintrag nach der Geburt ganz offen gelassen wird; aber eben nicht die sogenannte dritte Kategorie. "Die Frage nach einer dritten Option im Pass ist momentan eine politische Frage, keine rechtliche", sagte Amtsgerichtssprecher Jens Buck NDR 1 Niedersachsen. Um einen dritten Eintrag möglich zu machen, müsste das Gesetz geändert werden.

Eltern ließen das Kind als Mädchen eintragen

Geschätzt 4.000 bis 6.000 Menschen in Niedersachsen können und wollen nicht in die eine oder andere Kategorie gesteckt werden, denn ihre Körper haben Merkmale beider Geschlechter - sie sind intersexuell. In ihrem Ausweis müssen sie sich aber für "männlich" oder "weiblich" entscheiden. So geht es auch Vanja. Die Eltern haben das Kind als Mädchen eintragen lassen; obwohl das so nicht stimmt. Deshalb beantragte Vanja nun im Alter von 25 Jahren vor dem Standesamt Gehrden, dass der Eintrag in der Geburtsurkunde in "inter/divers" geändert wird. Die Behörde hatte den Antrag zur Entscheidung an das Amtsgericht Hannover weitergeleitet.

Nächste Instanz ist das Landgericht

"Wir haben schon damit gerechnet, dass das Amtsgericht den Antrag ablehnen wird", so eine Sprecher von Vanjas Unterstützergruppe. Daher seien sie nicht enttäuscht. Die Gruppe will die Entscheidung des Amtsgerichts aber nicht hinnehmen und Beschwerde einlegen. Dafür hat sie nun einen Monat Zeit. Als nächste Instanz muss sich dann das Landgericht Hannover mit dem Fall beschäftigen. Vanja und seine/ihre Unterstützer wollen sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, um eine dritte Kategorie durchzusetzen.

Weitere Informationen

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Vanja ist 25 Jahre alt und intersexuell - mit Anteilen beider Geschlechter. Im Ausweis steht aber "weiblich", das deutsche Recht erkennt diese Identität nicht an. Noch nicht? (11.09.2014) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 21.10.2014 | 17:00 Uhr

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