Stand: 02.11.2017 16:33 Uhr

AfD-Landesvorsitzender Hampel vor der Abwahl?

von Björn Siebke

Die bereits am Wahlabend vor zweieinhalb Wochen ins Gespräch gebrachte Idee der Neuwahl des niedersächsischen AfD-Landesvorstands wird offenbar konkreter. Wie der NDR aus zwei zuverlässigen Quellen innerhalb der Partei erfuhr, ist die notwendige Zahl von zehn Kreisverbänden, die einen Sonderparteitag fordern, weit überschritten. So hätten sich rund 20 der 31 Kreisverbände der Niedersachsen-AfD für einen solchen Parteitag ausgesprochen, auf dem der Landesvorstand neu gewählt werden soll.

Neuwahl "zum Wohle des Landesverbandes"

Damit gerät der Landesvorsitzende Armin Paul Hampel weiter in Bedrängnis. Bereits am Abend der Landtagswahl hatten sechs Mitglieder des Landesvorstands, darunter drei Bundestagsabgeordnete, sowie die Landesschatzmeisterin gefordert: Die Vorstandsarbeit solle "auf das erforderliche Qualitätsniveau" rückgeführt werden. Daher solle der Vorstand "zum Wohle des Landesverbandes" neu gewählt werden. Die Forderungen richteten sich offenbar insbesondere gegen den Vorsitzenden Hampel, dessen "Alleinführungsanspruch" die Unterzeichner bemängeln.

Eilparteitag innerhalb einer Woche möglich

Weder Hampel noch vom NDR angefragte Unterzeichner kommentierten die Vorgänge am Donnerstag. Mehrere namhafte Mitglieder bestätigten aber, dass am Sonntag über einen Sonder- oder Eilparteitag beraten werde. Dann solle auch ein Termin festgelegt werden. Dazu gibt es laut Satzung unterschiedliche Fristen, die zu beachten sind: Ein Eilparteitag könnte innerhalb von einer Woche einberufen werden. Die übliche Ladungsfrist beträgt vier Wochen.

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Die Landesgeschäftsstelle hingegen bestätigte die Vorgänge - allerdings nicht vollständig. Uwe Wappler, Mitglied des Landesvorstands, sagte nur: "Wir werden im Landesvorstand prüfen, ob ein satzungsgemäßer Antrag zustande gekommen ist. Wenn ja, würden wir zu einem Landesparteitag einladen." Dieser werde aber aus organisatorischen Gründen wohl erst im kommenden Jahr stattfinden.

Wer könnte Hampels Nachfolger werden?

Auch Dana Guth, Fraktionsvorsitzende im neugewählten, aber noch nicht konstituierten Landtag in Hannover, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Guth war wiederholt als Gegnerin Hampels aufgetreten und hat Chancen, diesen abzulösen. Wer sich aber konkret um den Parteivorsitz bewerben wird, steht noch nicht fest.

Hampel: "Sie sehen mich kämpferisch"

Das Verhalten seiner Gegner hatte Hampel noch am Tag nach der Landtagswahl mit den Worten kommentiert: "So masochistisch (...) kann ich gar nicht sein, dass ich diejenigen, die mir da doch mit ziemlich perfiden Mitteln versuchen, das Leben schwer zu machen, jetzt als meine politischen Partner anerkenne." Ob er sich erneut um den Landesvorsitz bewerben will, hat er bisher nicht erklärt. Hampel sagte damals nur: "Sie sehen mich kämpferisch." Einen vorzeitigen Rücktritt hatte er ausgeschlossen.

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