Stand: 10.03.2017 14:35 Uhr

Ärzte warnen vor Herzinfarkt-Gefahr durch Grippe

In diesem Winter sind die Wartezimmer der Ärzte besonders voll gewesen. Zum Teil reichten gar die Stühle nicht mehr aus und Patienten mussten stehen. Der Grund für den Ansturm bei den Medizinern war vor allem die Grippewelle. Die war auch in den Krankenhäusern zu spüren - nicht nur wegen der großen Zahl von Patienten, sondern auch wegen des Klinikpersonals, das wegen eigener Grippeerkrankungen ausfiel. Ebenfalls viel zu tun hatten Herz- und Lungenärzte in den vergangenen Monaten: Mit der Grippewelle stieg auch die Zahl der Herzinfarkte rasant an.

Grippe verschlechtert Herzfunktion

In Hannover tagen noch bis morgen 200 Herz- und Lungenmediziner bei der "Hannover Herz Lungen Messe", veranstaltet von der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Eine Erkenntnis, die auf der Tagung diskutiert wurde: Seit Jahresbeginn verzeichnet die MHH doppelt so viele Fälle von akuter Herzschwäche wie in normalen Zeiten. Das ist exakt der gleiche Anstieg wie bei den Influenza-Erkrankungen. Die Grippe verschlechtere die Herzfunktion, heißt es vom Klinikum. Deshalb müssten sich vor allem potenzielle Risikopatienten vor Grippe schützen.

Schlechter Impfstoff ist besser als gar keiner

Die Chefärzte betonen, dass eine Grippe-Impfung das Risiko einer Herzerkrankung bei älteren Menschen und Risikopatienten deutlich verringere. Trotzdem sei nur ein Drittel der Menschen, für die eine Impfung empfohlen wird, auch tatsächlich geimpft. Zwar sei der diesjährige Impfstoff wenig effektiv gewesen, da er nur gegen 30 Prozent der Viren geholfen habe. Dennoch mildere eine Impfung den Verlauf einer Grippe ab. Die Ärzte fordern deshalb eine von der Politik angeschobene Impfkampagne. Es bestehe eine ideologisch betriebene Impffeindschaft in Deutschland, kritisieren die MHH-Mediziner.

Krankenhauspersonal ist selber impfscheu

Zugleich räumen die Ärzte ein, dass nur 19 Prozent des Klinikpersonals an den eigenen Impfaktionen teilnehme. Auch wenn einige dies beim Hausarzt erledigten, seien mehr als die Hälfte der Beschäftigten im Krankenhaus selbst nicht gegen die Grippe geschützt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.03.2017 | 15:00 Uhr

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