Stand: 27.09.2017 19:31 Uhr

Abu Walaas Netzwerk plante Anschläge auf Polizei

Das Netzwerk um den Hildesheimer Hassprediger Abu Walaa, der sich vor dem Oberlandesgericht Celle verantworten muss, hat Ermittlern zufolge Anschläge auf Einrichtungen der Polizei geplant. In der Moschee des mittlerweile verbotenen "Deutschen Islamkreises Hildesheim" (DIK) habe es Gespräche zu solchen Vorhaben gegeben, erklärte der Chefermittler des Landeskriminalamtes (LKA) Nordrhein-Westfalen am Mittwoch vor Gericht. Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft ist der 33-jährige Iraker die zentrale Führungsfigur der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland. Der Prozess findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Haben Angeklagte für IS rekrutiert?

Mit Abu Walaa, der mit bürgerlichem Namen Ahmad Abdulaziz Abdullah A. heißt, stehen vier weitere mutmaßliche führende Islamisten wegen der Mitgliedschaft beim IS und dessen Unterstützung vor Gericht. Gemeinsam sollen die Angeklagten Freiwillige islamistisch radikalisiert und in die Kampfgebiete des IS geschickt haben. Alle fünf Männer waren im vergangenen November in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen festgenommen worden. Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft.

Berlin-Attentäter im Umfeld von Abu Walaa

Aktiv war Abu Walaa, der selbst gewählte Name bedeutet "Prediger ohne Gesicht", unter anderem in der Hildesheimer Moschee, die er laut Ermittlern zu einem bundesweiten Rekrutierungszentrum des IS gemacht haben soll. Auch Anis Amri, der im vergangenen Dezember den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt verübt hat, soll sich im Umfeld des Predigers aufgehalten haben.

Northeimer Salafist plante Anschlag auf Polizei

Die Polizei ist offenbar ein bevorzugtes Ziel der Terroristen des IS. Am Landgericht wird seit knapp einer Woche der Fall des Salafisten Sascha L. aus Northeim verhandelt. Der Mann, der zuvor ein Neonazi gewesen sein soll, hatte gleich zu Beginn des Prozesses gestanden, dass er entweder Polizisten oder Soldaten mit einem selbstgebauten Sprengsatz töten wollte.

Ermittler überwachten Angeklagten

Über Monate hinweg wurden Abu Walaa und sein Netzwerk beschattet. Die Ermittler überwachten Telefone, nutzten Videoüberwachung von Menschen und Gebäuden und setzten sogar Peilsender ein - dennoch habe das Netz um den Hassprediger seine mutmaßlichen Pläne weiter vorangetrieben, so die Fahnder. Die entscheidenden Erkenntnisse gewann das LKA von einem Kronzeugen und einem V-Mann, der in den engen Vertrauenskreis der Hasspredigers und eines mitangeklagten Deutsch-Serben aus Dortmund gelangen konnte.

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Abu Walaa kämpfte im Irak

Dieser Dortmunder soll in seiner Wohnung eine Islamschule eingerichtet und reihenweise junge Menschen für den Kampf beim IS indoktriniert haben. Seminare dort und von Abu Walaa in Hildesheim hätten radikalisierte Islamschüler aus Nordrhein-Westfalen und dem gesamten Bundesgebiet besucht, sagte der LKA-Beamte. Vom Polizeispitzel um Unterstützung für Ausreisen in das Kampfgebiet gebeten, habe Abu Walaa für praktische Schritte auf einen Mitangeklagten verwiesen. Nach Angaben der beiden Zeugen sei Abu Walaa mehrfach in den Irak gereist, so das LKA. Sicherheitsbehörden kamen zu denselben Erkenntnissen. Nach den Zeugenaussagen soll er dort auch an Kampfhandlungen teilgenommen haben.

Kronzeuge sagt im Oktober aus

Ganz entscheidend für den Prozessverlauf wird die Bewertung des Kronzeugen durch das Gericht sein, der am nächsten Verhandlungstag im Oktober befragt werden soll. Der Ex-IS-Anhänger aus Gelsenkirchen sagte sich nach einer Syrienreise von der Terrormiliz los und packte bei den Fahndern aus. Er erhielt im Mai eine zweijährige Bewährungsstrafe. Seitdem ist er im Zeugenschutzprogramm mit seiner Frau an einem unbekannten Ort. Die Verteidigung hält ihn für unglaubwürdig und ist der Meinung, er habe sich das milde Urteil mit haltlosen Anschuldigungen erschwindelt. Einen Teilerfolg erzielte die Verteidigung: Der Vorsitzende Richter signalisierte, die Prozessakten des Kronzeugen in das Celler Verfahren mit einzubeziehen. Damit wird die Glaubwürdigkeit des Zeugen viel detaillierter überprüfbar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 27.09.2017 | 06:30 Uhr

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