Stand: 09.09.2013 00:05 Uhr

Falsche Doktortitel "made in Osnabrück"

von Charlotte Horn und Peter Hornung, NDR Info
Bild vergrößern
Für 3.600 Euro gibt es einen Ehrendoktortitel im Internet zu kaufen.

"Doktortitel" stand ganz groß auf dem Fax, das Christian Schneider (Name geändert) eines Tages in seinem Büro erhielt. Das Angebot klang verlockend: "Wollen Sie legal einen Doktortitel führen, der Ihnen zu mehr Ansehen verhilft? Machen Sie es wie Politiker und andere Prominente." Gegen 3.600 Euro "Spende" sollte es einen Doktor honoris causa geben - einen Ehrendoktortitel also.

Nötig: ein Lebenslauf und 3.600 Euro "Spende"

Schneider, Mitte 40, nahm Kontakt mit der Schweizer Firma auf, deren Name auf dem Fax stand. Ein Professor Carlos Niemeyer meldete sich bei ihm per E-Mail. Niemeyer stellte sich als Promotionsberater vor, erzählt Schneider: "Ich bin dann gebeten worden, einen Lebenslauf einzureichen, um einen Anhaltspunkt für vermeintliche Verdienste zu finden, für die man mir dann diesen Ehrentitel verleihen könnte." Große Erwartungen an die Bewerber hatte die angebliche Hochschule offenbar nicht: "Die Hürde war nicht besonders hoch gesetzt. Im Prinzip stand schon im Fax, dass eigentlich jedermann in den Genuss kommen könne."

Ehrendoktortitel - Was ist das?

Einen Ehrendoktor verleiht eine Universität oder Fakultät für besondere Verdienste. So wurden zum Beispiel Nelson Mandela bereits mit 50 Ehrendoktortiteln, der Dalai Lama mit 43 und Helmut Kohl mit über 20 ausgezeichnet. Im Internet gibt es Ehrendoktortitel auch zu kaufen. Den gekauften Titel zu führen, ist illegal: Titelmissbrauch ist in Deutschland ein Täuschungsdelikt, insbesondere das unbefugte Führen eines akademischen Grades ist strafbar.

Schneider war nicht überzeugt von dem Angebot. Die Aussicht auf einen Doktortitel habe ihn aber blind gemacht: "Ich war zu diesem Zeitpunkt bereit, darüber hinwegzusehen." Er überwies das Geld auf ein Konto der Schweizer Firma bei der Postbank Hannover. Einige Tage später war ein Umschlag in der Post, darin bunte Urkunden. Schneider war nun Ehrendoktor der "Yorkshire University". Sitz der Uni: die Britischen Jungferninseln in der Karibik. Einziges Problem: Eine Universität mit diesem Namen gibt es gar nicht, der vermeintliche Doktortitel war vollkommen wertlos - und wer ihn in Deutschland führt, macht sich damit strafbar.

Falsche Urkunde voller Fehler

Hätte Schneider die Phantasieurkunden näher betrachtet, hätte er die Fälschung erkennen können: an den Schreibfehlern oder auch daran, dass der Fälscher ein deutsches Datumsformat verwendet hatte. Auch eine Bescheinigung der Regierung der Jungferninseln war falsch, wie Marcia Potter vom Bildungsministerium der Karibikinseln NDR Info bestätigt. Der Brief mit den Urkunden sei tatsächlich nicht von den Jungferninseln gekommen, sondern wohl aus Deutschland, erinnert sich Schneider.

Wer aber steht hinter dieser Phantasieuniversität? NDR Info Reporter machten sich auf die Spurensuche. Die Schweizer Firma, auf deren Konto Schneider das Geld überwiesen hatte, ist im Kanton Zug registriert. Ein Blick ins kantonale Handelsregister zeigt: Gesellschafter ist der Kaufmann Reinhard K. aus Osnabrück. Wie sich herausstellte, wird gegen den Mann bereits in anderen Fällen ermittelt. Er soll auch falsche Titel der Technischen Universität Warschau für nahezu 15.000 Euro verkauft und Einnahmen in sechsstelliger Höhe vor dem Finanzamt versteckt haben.

Die "Urkunde" der "Yorkshire University":

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 09.09.2013 | 06:38 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/ehrendoktor103.html