Stand: 05.01.2016 20:12 Uhr

Tschetschenische Familie bald wieder in Gifhorn

Gifhorns Landrat Andreas Ebel (CDU) hatte sich Ende vergangenen Jahres ordentlich Ärger eingehandelt: Der Landkreis schob am 2. Dezember eine dreiköpfige tschetschenische Familie nach Russland ab - obwohl das gar nicht hätte passieren dürfen. Das Asylverfahren war nämlich noch gar nicht abgeschlossen, das Verwaltungsgericht wollte die Abschiebung noch stoppen. Da war es aber bereits zu spät, die Mutter und ihre beiden Kinder saßen schon im Flugzeug. Und während die Familie noch in der Luft war, war allen Beteiligten in Niedersachsen schon klar, dass die Abgeschobenen wieder zurückgeholt werden müssen.

Landkreis stellt Unterkunft bereit

Inzwischen ist die Familie wieder in Deutschland, allerdings noch in Berlin, wie die Anwältin gegenüber NDR 1 Niedersachsen erklärte. Im Laufe dieser Woche soll es wieder zurück nach Gifhorn gehen. Der Landkreis ist darüber informiert und hat eine Unterkunft bereitgestellt. Dass die Rückführung so schnell erfolgte, liegt laut Anwältin vor allem an der unbürokratischen Hilfe von Seiten der deutschen Botschaft in Moskau. Dort habe man umgehend die erforderlichen Visa ausgestellt. Die Kosten für die Rückführung übernimmt der Landkreis Gifhorn, wie die erste Kreisrätin am Dienstag noch einmal bestätigte.

UN prüft den Vorgang

Für die Familie bedeutet dies, dass nun erst einmal das Asylverfahren ordentlich zu Ende geführt wird. Juristisch könnte die fehlerhafte Abschiebung aber noch Konsequenzen haben: Das Innenministerium prüft den Vorgang, genauso wie das UN-Flüchtlingskommissariat. Und auch der niedersächsische Flüchtlingsrat behält sich weitere Schritte vor.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.01.2016 | 16:00 Uhr