Stand: 11.06.2015 08:26 Uhr

Endlich wieder Klassenfahrten - und 750 neue Lehrer

von Marco Schulze

Es können wieder Klassenfahrten geplant werden! Auf diesen Moment haben vor allem die Schüler an den niedersächsischen Gymnasien lange warten müssen. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die zusätzlichen Unterrichtsstunden für Gymnasiallehrer gekippt hat, atmen Lehrer und Schüler im ganzen Land wieder auf. Am Mittwochabend kündigte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zudem bei Hallo Niedersachsen an, sehr schnell die Konsequenzen aus dem Urteil zu ziehen. Bereits für das nächste Schuljahr soll das Geld für die etwa 750 neuen Lehrerstellen bereitgestellt werden, die nun benötigt werden.

"Wir werden dafür Sorge tragen, dass nicht am Ende die Schulen und Schüler die Leidtragenden sind. Wir werden mit einem Nachtragshaushalt sehr schnell die notwendigen Stellen bereitstellen, damit das Urteil schon im nächsten Schuljahr umgesetzt werden kann." Stephan Weil, Ministerpräsident

 

Lehrer können wieder Klassenfahrten planen

Auch am Max-Planck-Gymnasium in Göttingen bestimmt am Tag nach dem Urteil besonders ein Thema die Pausengespräche: Die Beendung des Klassenfahrten-Boykotts. "Wir haben unsere Klassenleiter und Tutoren heute informiert, dass sie nun doch Fahrten für den Herbst planen können", sagte Wolfgang Schimpf NDR.de. Schimpf ist Direktor am Max-Planck-Gymnasium und Vorsitzender der Direktorenvereinigung. Konkret heißt das, dass elften Klassen im nächsten Schuljahr ihre Ausflüge normal planen können während die jetzigen neunten Klassen, die in diesem Schuljahr nicht weg waren, ausnahmsweise im zehnten Schuljahr auf Reisen gehen dürfen. Die Nachricht verbreitete sich auf dem Schulhof wie das sprichwörtliche Lauffeuer.

"Klassenfahrten stärken den Zusammenhalt"

"Wir freuen uns natürlich sehr darüber. Klassenfahrten bedeuten für uns sehr viel. Das stärkt unwahrscheinlich den Zusammenhalt in der Klasse und in Kursen und ist eine eindeutige Bereicherung des Schullebens", sagte die 17-jährige Schülerin Friederike Feindt. Gerade weil den Schülern die Ausflüge so wichtig sind, gab es in den letzten Monaten neben zahlreichen Demonstrationen auch viele Diskussionen zwischen Schülern und Lehrern: "Es war einfach sehr schwer zu verstehen, dass ein Klassenfahrt-Boykott das einzige Druckmittel war", sagte Jonas Herwig, der auch Schulsprecher ist.

Die Freude auf dem Schulhof ist riesig

Schüler entwickelten bereits Plan B

Daher hatte der 16-Jährige mit seiner 10. Klasse auch einen Plan B entwickelt. Die Schüler haben anstelle von Lehrern einfach ihre Eltern gefragt, ob sie mit der Klasse im Juli über ein verlängertes Wochenende zum Zelten nach Clausthal-Zellerfeld fahren. Drei Eltern hatten zugestimmt. Doch nach dem Urteil hoffen die Schüler nun, dass auch Lehrer mitkommen.

Klassenfahrt-Boykott sorgte für viel Diskussionen

Auch wenn es in den letzten Monaten viel Gesprächsstoff über Klassenfahrten gab, hat sich der Boykott der Ausflüge für den Personalrat der Schule, Michael Geschwentner, bewährt. "Das Urteil ist eine wahnsinnige Erleichterung. Das hat hier eingeschlagen wie eine Bombe. Jetzt geht es wieder los. Ab heute werden wieder Unterkünfte gebucht."

Der Stundenplan für das nächste Schuljahr ist so gut wie fertig

Nicht so einfach wie die Planung der Klassenfahrten gestaltet sich die Planung der Stundenpläne fürs kommende Schuljahr. Da die vom Kultusministerium aufgestockten Unterrichtsstunden der Lehrer bereits fest eingeplant sind, hofft Schimpf bei seinen Kollegen in Göttingen auf Kulanz. "Wir müssen Kollegen bitten, im nächsten Jahr noch einmal mehr zu unterrichten als sie müssen. Wenn Kollegen auf ihre Stunden bestehen würden, würde die gesamte Unterrichtsversorgung zusammenbrechen", sagte Schulleiter Schimpf. Der "Übergang in den Normalzustand" erfordere viel Geduld.

Gymnasium fordert mehr Lehrer

Da das Max-Planck-Gymnasium ohne Genehmigung des Ministeriums auch nicht einfach Lehrer einstellen kann und es für das neue Schuljahr sowieso schwer sei, kurzfristig neue Kollegen zu finden, erwartet Schimpf in seiner Schule frühestens im Februar 2016 neues Personal. Diese müssten dann die wegfallenden Stunden der anderen Lehrer kompensieren. Durch das Urteil aus Lüneburg würden für die Lehrer in Schimpfs Gymnasium allein 80 Lehrstunden pro Woche wegfallen. Zudem müssten die Pädagogen ihre Überstunden aus diesem Schuljahr abbauen. Und das gehe nur mit einem massiven Lehreraufrüsten in den nächsten Jahren.

Weitere Informationen

Kommentar: Ministerin hat kein Gespür für Lehrer-Sorgen

Die Mehrarbeit für Gymnasiallehrer in Niedersachsen ist verfassungswidrig. Ministerin Heiligenstadt müsse nach dieser Niederlage zurücktreten, meint Kathrin Erdmann im Kommentar. mehr

mit Video

Heiligenstadt weist Rücktrittsforderungen zurück

Nachdem die Mehrarbeit für Gymnasiallehrer gekippt ist, werden Rufe nach einem Rücktritt Heiligenstadts laut. Jetzt hat sich Ministerpräsident Weil hinter die Kultusministerin gestellt. (10.06.2015) mehr