Stand: 12.11.2015 17:39 Uhr

Wie sich Dörfer verändern - über 60 Jahre

von Jürgen Jenauer

Das Leben auf dem Land ist schön! Das finden zumindest die meisten Menschen, die dort wohnen. So lautet das Fazit einer Langzeitstudie, deren Forschungsobjekt auch Elliehausen ist; mittlerweile ein Stadtteil von Göttingen. Gerade hier ist die Lebenszufriedenheit hoch- von Landflucht keine Spur. Das liegt vor allem an der Nähe zur Großstadt, deswegen sei das damalige Dorf Elliehausen 1952 auch ausgesucht worden, um an der Studie teilzunehmen, sagt Dr. Heinrich Becker, Leiter der Untersuchung am Thünen Institut in Braunschweig. Allerdings sei Elliehausen dadurch auch ein Sonderfall, die Entwicklung nicht unbedingt typisch. Der Ort wirkt immer noch dörflich, getrennt wird er von Göttingen nur durch die Autobahn 7. Allerdings ist das ehemalige Dorf durch die räumliche Nähe extrem von der Stadt geprägt worden. Der Elliehäuser Ortsheimatpfleger Georg Leefken hat sich intensiv mit der Studie auseinandergesetzt und meint, während in anderen Dörfern durchaus eine gewisse Heimatverbundenheit herrsche, gebe es in Elliehausen eine hohe Fluktuation und nur wenige "Alteingesessene".  Parallelen zu den anderen untersuchten Dörfern sieht Leefken trotzdem: Die hohe Zufriedenheit und die insgesamt gestiegene Bevölkerung. "Da kommt natürlich auch das Stichwort günstiger Wohnraum ins Spiel."

 

Auf dem Ortsschild steht "Stadt Göttingen Ortsteil Elliehausen". © NDR Niedersachen

"Die Leute sind netter als in der Stadt"

Die Elliehäuser schätzen ihr ruhiges Leben im Grünen, ohne dabei auf die Annehmlichkeiten der nahegelegene Stadt Göttingen verzichten zu müssen.

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Leben auf dem Land - ja oder nein?

Seit mittlerweile gut 60 Jahren läuft die einzigartige Langzeitstudie. Fazit bis jetzt: Die Menschen leben zum großen Teil gern auf dem Land. Und: Viele Dörfer, die noch vor 60 Jahren von Wegzug und wirtschaftlichem Niedergang durch strukturellen Wandel bedroht waren, stehen heute sehr gut da. "Die Ergebnisse der Studie waren teilweise bisher völlig anders, als man das erwartet hatte", sagt Heinrich Becker, Leiter der Untersuchung am Thünen-Institut. Vor allem sei die Entwicklung von Dörfern, die sich 1952 noch am Rande der Entvölkerung befunden hätten, sehr positiv verlaufen. "Das Thema Problemdörfer hat sich komplett erledigt", sagt auch der Elliehäuser Ortsheimatpfleger Georg Leefken, der sich intensiv mit der Studie auseinandergesetzt hat. Elliehausen sei ein Sonderfall, die Entwicklung nicht unbedingt typisch. Durch die Autobahn sei der Ort zwar räumlich vom benachbarten Göttingen getrennt, dennoch sei Elliehausen extrem von der Stadt geprägt worden. Während in anderen Dörfern durchaus eine gewisse Heimatverbundenheit herrsche, gebe es in Elliehausen eine hohe Fluktuation und nur wenige "Alteingesessene", so Leefken. Parallelen zu den anderen untersuchten Dörfern sieht Leefken trotzdem: die hohe Zufriedenheit und die insgesamt gestiegene Bevölkerungszahl. "Da kommt natürlich auch das Stichwort günstiger Wohnraum ins Spiel", sagt er.

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Wohnen in Elliehausen - arbeiten in Göttingen

Eins der 14 Dörfer, mit denen sich die Langzeitstudie beschäftigt, ist Elliehausen mit rund 3.000 Einwohner. Laut Studie sind 90 Prozent davon mit ihrer Wohnsituation zufrieden. Bildergalerie

Das klassische Dorf war gestern

Elliehausen war in den 1950er-Jahren noch landwirtschaftlich-handwerklich geprägt. Allerdings hat sich das Bevölkerungsbild im Lauf der Zeit drastisch gewandelt. Laut Ortsheimatpfleger Leevken war früher gut ein Fünftel der Elliehäuser in der Landwirtschaft tätig, meistens Kleinbauern, heute gibt es kaum noch landwirtschaftliche Betriebe. Elliehausen ist zum Wohnort geworden. Beschleunigt wurde das, seit das rund zehn Kilometer entfernte Oberzentrum Göttingen an die Eisenbahn angeschlossen wurde. Seit 1973 ist Elliehausen eingemeindet und ein Stadtteil von Göttingen. Eine Entwicklung, die hier stärker und schneller vonstatten ging, als bei den anderen untersuchten Orten - die aber dennoch ähnlich lief.

Die Menschen wollen ihre Ruhe haben

Von den ehemaligen Agrardörfern ist heute nicht mehr viel übrig. Die Menschen ziehen aufs Dorf, um hier ihre Ruhe zu haben und in einer nahegelegenen Stadt zu arbeiten. "Natur und Landschaft sind ganz starke Faktoren für die Zufriedenheit der Menschen in den Dörfern", sagt auch der Leiter der Studie. Und das sei in den anderen Dörfern ähnlich. Die Langzeitstudie ergebe, dass Ruhe, Überschaubarkeit, Natur und Landschaft sowie ein intaktes Sozial- und Vereinsleben in der Dorfgemeinschaft eminent wichtig seien. In Elliehausen sei das so, sagt Becker. Dazu komme die Nähe zur Stadt und damit die Infrastruktur mit Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten und so weiter. Rund 3.000 Einwohner leben heute in Elliehausen - und zwar gern. Zumindest, wenn man der Studie glauben darf. Demnach sind 90 Prozent der Befragten mit ihrer aktuellen Wohnsituation zufrieden.

"Es gibt nicht DIE Landbevölkerung"

Die Ausgangssituation sei die Frage nach der Existenz von Kleinbauern gewesen, so Becker. Deren Existenz schien durch die Abwanderung vom Land bedroht gewesen zu sein, deswegen habe man sich gefragt: Wie sind deren Lebensverhältnisse und mit wessen Lebensverhältnissen kann man das vergleichen? So kam der Blick auf die Dörfer zustande. Laut Ortsheimatpfleger Leefken haben sich in der Beobachtung über 60 Jahre dabei viele Parallelen gezeigt, aber auch viele Unterschiede. Vor allem die untersuchten Dörfer im Osten hätten ein demographisches Problem. Am Ende sei die Studie aber trotz des Umfangs nur ein kleiner Einblick in die dörflichen Entwicklungen, so Leefken. "Es gibt nicht DIE Landbevölkerung, es gibt nicht DIE Dorfbevölkerung, aber andererseits ist das auch gut so, es bietet auch die Chance, dass alles ein bisschen bunter wird."