Stand: 02.02.2016 15:03 Uhr

Wie konnte sich Mörder der Küsterin vergiften?

Bild vergrößern
Der Mörder der Küsterin aus Braunlage soll sich selbst vergiftet haben. (Archivbild)

Nach dem Tod des Mörders einer Küsterin aus Braunlage (Landkreis Goslar) ist noch unklar, wie der Mann sich in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Wolfenbüttel selbst vergiften konnte. Der 56-Jährige hatte ätzende Mittel zu sich genommen - und war daraufhin am Sonnabend im Krankenhaus gestorben. Woher die giftigen Mittel stammen, ist indes unklar. Entsprechende Ermittlungen seien eingeleitet worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Dienstag. Ob zum Beispiel Putzmittel zu den Verletzungen führten, soll eine Obduktion zeigen. Da der Mann in der JVA unter Aufsicht stand, könne auch gegen die Strafvollzugsbehörde ermittelt werden. Das sei aber abhängig vom Ergebnis der Untersuchung, sagte die Sprecherin. Die Stoffe hatten die Speiseröhre und den Magen des Mannes verätzt. Außerdem war er an einer Lungenentzündung erkrankt.

Ehemann hatte seine Frau 2012 ermordet

Der 56-Jährige hatte 2012 seine Ehefrau ermordet und war im August 2013 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Vor zwei Wochen hatte ein Revisionsverfahren gegen ihn begonnen, weil die Staatsanwaltschaft die besondere Schwere der Schuld feststellen wollte. Der Prozess hätte am 8. Februar fortgesetzt werden sollen.

Besteht eine besondere Schwere der Schuld?

Der Mord an der Küsterin hatte deutschlandweit Entsetzen ausgelöst. Vor Gericht kam heraus, dass der Mann die Tat geplant hatte, weil seine Frau die Scheidung eingereicht hatte. Zuvor soll er ihr mithilfe seiner ahnungslosen Tochter Medikamente in den Tee gemischt haben. So wollte er der Gesundheit seiner Frau schaden, um wieder Zugang zu der Familie zu bekommen. Dem Angeklagten drohte im Revisionsprozess eine Verschärfung der Strafe, wäre ihm eine besondere Schwere der Schuld nachgewiesen worden, die im Prozess vor rund zweieinhalb Jahren nicht festgestellt werden konnte. Für die Entscheidung hätte unter anderem die Instrumentalisierung seiner Kinder eine große Rolle gespielt.

"Das hat alles in mir zerstört"

Im Revisionsverfahren hatte bereits der Sohn des Täters ausgesagt. Dabei schilderte er auch die Momente unmittelbar nach der Tat: Mit seiner zwölfjährigen Schwester stand er im Sommer 2012 vor der Kirche, als der Vater der Mutter von zehn Kindern nach einem Gottesdienst von hinten in den Kopf schoss. Diese hatte sich von ihrem Ehemann trennen wollen. Vom Knall alarmiert rannten die Kinder nach Aussage des Sohnes hinein und entdeckten Vater und Mutter. "Ich wollte meiner Mutter ins Gesicht schauen, aber ich habe es nicht mehr gefunden", erklärte der 23-Jährige vor Gericht. Nach der Tat musste der Sohn mit seiner Schwester dem Vater helfen, das Blut der Mutter aufzuwischen. "Das hat alles in mir zerstört." Sein Vater habe den Leichnam "an einem Bein genommen und über den Flur gezogen, als wäre sie ein Sack Kartoffeln".

Vater bezichtigt Sohn

Gemeinsam mit dem Vater seien die Kinder nach der Tat zunächst nach Österreich geflohen, erzählte der Sohn. Sie hätten Angst gehabt, dass der Angeklagte auch ihnen etwas antue. In München stellte er sich auf Druck seiner Kinder den Behörden. Zunächst behauptete er, dass es sich in der Kirche um einen Unfall gehandelt habe. Später dann gab er zu Protokoll, der Sohn habe geschossen. "Das war das Schlimmste, was nach diesem Mord hätte passieren können: Dass ich erneut Werkzeug wurde, die Fußmatte." Das Verhältnis des Schützen zur Familie war schon zuvor angespannt, so beschreibt es der Sohn, der trotzdem zu seinem Vater hielt, bei ihm wohnte und mit ihm auf Reisen ging.

Weitere Informationen

Mord an Küsterin wird teils neu verhandelt

Nach dem Mord an einer Küsterin aus Braunlage droht dem Ehemann eine Verschärfung seiner Strafe. Der Bundesgerichtshof fordert eine Neuverhandlung zur Schwere der Schuld. (18.06.2014) mehr