Stand: 12.01.2016 11:55 Uhr

VW versucht's mit Geld und guten Worten

In den USA durften sich bisher nur die VW-Besitzer freuen, deren Pkw mit 2-Liter-Dieselmotoren ausgestattet sind. Jetzt bekommen auch die Fahrer der Autos mit 3-Liter-Motoren von Volkswagen einen Gutschein über 1.000 Dollar. Das teilte Michael Horn, Chef von Volkswagen in den USA, jetzt bei der Detroit-Motorshow mit. Von den 1.000 Euro können allerdings 500 Dollar ausschließlich in VW-Autohäusern ausgegeben werden, nur der Rest des Geldes ist zur freien Verfügung. Und als wäre diese Einschränkung noch nicht genug: Weil die ebenfalls vom VW-Diesel-Skandal betroffenen VW-Töchter Porsche und Audi sich an dieser Aktion bisher nicht beteiligen, profitieren nur Kunden der Marke VW. Und auch in Deutschland gehen die betroffenen VW-Diesel-Fahrer weiterhin leer aus - trotz vielfacher Proteste von Verbraucherschützern.

Sie sollen Volkswagen wieder nach vorn bringen

1.000 Dollar und 1.000 Mal "sorry

Michael Horn und auch VW-Markenchef Herbert Diess nutzten ihren Auftritt in Detroit auch für eine nochmalige Entschuldigung bei Kunden, Händlern, Behörden und der Justiz in den USA. Dort stehen in diesen Tagen wichtige Gespräche an, bei denen VW-Chef Matthias Müller die Pläne vorstellen will, wie VW die rund 480.000 in den USA betroffenen Diesel-Pkw auf den Stand der Technik bringen will. Er gehe mit einem guten Gefühl in das Treffen, sagte Müller im Interview mit NDR 1 Niedersachsen. "Wir glauben, dass das Paket, das wir anbieten, unseren Kunden sehr entgegenkommt." Schließlich sei die Zufriedenheit der Kunden auch das Ziel der Behörden in den USA.

„Da haben wir einen Fehler gemacht“

Für Irritationen hatte Müller zuvor mit einem Interview im ARD-Morgenmagazin gesorgt. Den Ausgangspunkt im Dieselskandal – die manipulierte Software - hatte er dort quasi als Versehen bezeichnet. Wörtlich sagte Müller: "Unsere Techniker haben an einer Stelle einen Fehler gemacht, das war denen zu dem Zeitpunkt nicht bewusst.“ Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Braunschweig sieht das anders. Ein Sprecher erklärte dazu: "Wir haben momentan eine andere Sicht der Dinge. Deswegen haben wir ja den Verdacht von Straftaten bejaht und ermitteln. Die Manipulationssoftware bei den Dieselfahrzeugen ist ein umfangreicher Code, der zunächst einmal nicht auf einen unbewussten Fehler hindeutet. Für uns sieht das derzeit nicht nach einem Versehen aus."

VW-Chef Müller im Interview mit dem Morgenmagazin. © ARD/Morgenmagazin

"Fehler, der den Technikern nicht bewusst war"

Im Interview mit dem ARD-Morgenmagazin hat VW-Chef Matthias Müller für Irritationen gesorgt. Den Ausgangspunkt des VW-Dieselskandals rückt er darin in die Nähe eines Versehens.

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Müller setzt auf fairen Kompromiss mit US-Behörden

Wie teuer der Abgas-Skandal in den USA für VW wird, konnte Müller nicht sagen. Über die Schätzungen möglicher Bußgelder in Höhe von 90 Milliarden Dollar könne er nur den Kopf schütteln, sie kämen nicht vom Unternehmen selbst. Müller hoffe nun auf einen "fairen Kompromiss mit den Behörden". "Wir werden versuchen, den US-Markt in Zukunft noch besser zu verstehen", sagte Müller und kündigte eine Produktoffensive an. VW setzte dabei auf den für die USA "maßgeschneiderten" kleinen Geländewagen. Der Konzernchef hat bei seiner USA-Reise zudem ein Investitionspaket im Gepäck: Volkswagen will umgerechnet rund 820 Millionen Euro in den Standort Chattanooga im Bundesstaat Tennessee stecken - für den Bau eines neuen Sportgeländewagens. Dies werde etwa 2.000 Arbeitsplätze schaffen, so Müller.

EPA müsste Katalysator erst genehmigen

So oder so wird sich VW-Chef Müller am Mittwoch zunächst kritischen Fragen der US-Umweltbehörde stellen müssen. Denn nach wochenlangen Gesprächen zwischen VW und Behörden gab es bislang noch keinen Plan, was mit den betroffenen Autos passieren soll. Einen neuen Katalysator müsste die EPA erst genehmigen, bevor VW in die Serienproduktion gehen kann. Die bisherigen Vorschläge von VW hält die EPA für nicht akzeptabel. Die Wagen technisch umzurüsten, ist in den USA kompliziert, weil dort strengere Abgas-Grenzwerte gelten. Möglicherweise muss Volkswagen seine Autos dort am Ende komplett zurücknehmen.

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Hallo Niedersachsen | 11.01.2016 | 19:30 Uhr