Stand: 11.01.2016 21:40 Uhr

VW muss wohl 103.000 US-Pkw zurückkaufen

von Jürgen Gemen und Hilke Janssen

Erstmals hat Volkswagen-Chef Matthias Müller die Zahl der Pkw benannt, die das Unternehmen in den USA wegen des Abgas-Skandals wohl zurückkaufen muss. Im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen erklärte Müller, dass die 103.000 Pkw der zweiten von insgesamt drei in den USA betroffenen Motorgenerationen nur mit erheblichem zeitlichen und finanziellen Aufwand zu reparieren und damit auf den Stand der US-Umweltgesetze zu bringen wären. "Da muss man sich dann überlegen, ob es nicht Alternativlösungen gibt", so Müller. Im Klartext: Da bleibt wohl nur ein Rückkauf. Über diese Lösung wird er am Mittwoch mit den Spitzen der US-Umweltbehörden in Washington im Detail sprechen. Wie teuer ein solcher Massen-Rückkauf für Volkswagen werden könnte, bezifferte Müller nicht.

Bei Entschädigungen schauen deutsche Kunden in die Röhre

Am Rande der Motorshow in Detroit bekräftigte Müller erneut, dass Volkswagen die weltweit vom Diesel-Skandal betroffenen Kunden weiterhin unterschiedlich behandeln wird. So hat der Konzern sein Gutscheinsystem in den USA noch einmal deutlich ausgeweitet: Nun bekommen auch die Fahrer der betroffenen Drei-Liter-Dieselmotoren in den USA jeweils einen Gutschein über 1.000 Dollar. Kunden in Deutschland können damit allerdings nicht rechnen, so der VW-Chef gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Bezüglich der hier betroffenen rund 8,5 Millionen Pkw sagte er: "Das Problem ist in Deutschland und Europa in wenigen Minuten lösbar, somit stellt sich nicht die Frage eines Rückkaufs oder anderen gravierenden Maßnahmen."

Die Zukunftsaussichten für Volkswagen - und für Müller

Über die wirtschaftlichen Aussichten für VW äußerte sich Müller sehr vorsichtig. Nicht nur der VW-Skandal um manipulierte Dieselmotoren mache Voraussagen schwierig, sondern auch die erhebliche Zahl politischer und staatlicher Krisen weltweit. "Wir werden weiter auf Sicht fahren", so Müller, der für Mitte des Jahres die Präsentation der Volkswagen-Strategie für die Zeit bis 2025 ankündigte. Er selbst wird in neun Jahren nicht mehr VW-Chef sein. Bei NDR 1 Niedersachsen sagte der 62-Jährige: "Eine mein er Aufgaben wird es auch sein, für eine ordentliche Nachfolge zu sorgen."

Sie sollen Volkswagen wieder nach vorn bringen

 

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