Stand: 30.08.2015 12:39 Uhr

VW muss seine Suzuki-Anteile verkaufen

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Der jahrelange Rechtsstreit zwischen VW und Suzuki wurde vom Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer beendet. (Montage)

Vermeintliche Liebesheirat, Rosenkrieg und dann die Scheidung vor Gericht: Das Verhältnis der Autobauer Volkswagen und Suzuki ähnelt so manch gescheiterter Ehe. Nach jahrelangem Hin und Her hat das Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer in London den Rechtsstreit jetzt beendet. Wie VW am Sonntag mitteilte, bescheinigten die Richter den Wolfsburgern vertragstreues Verhalten und räumten ihnen Schadensersatzansprüche ein. Gleichzeitig wurde aber auch festgestellt, dass die Kündigung der Allianz durch Suzuki rechtens war und VW seine Anteile an dem japanischen Unternehmen verkaufen muss.

Die Marken des VW-Konzerns

Suzuki fordert Anteile von VW zurück

"Diese Entscheidung basiert auf dem Grundsatz, dass Verträge grundsätzlich kündbar sein müssen", heißt es in einer Erklärung des Wolfsburger Konzerns. Man erwarte aus dem Verkauf der Suzuki-Aktien einen positiven Einfluss auf Ergebnis und Liquidität. Die Japaner gaben bekannt, den Anteil ohne eine Drittpartei zum Marktpreis zurückkaufen zu wollen. Suzuki hatte im November 2011 Klage eingereicht, weil Volkswagen sich weigerte, seine Aktien an die Japaner zurückzugeben. VW-Vertreter argumentierten, dass Suzuki sie mit Blick auf das Eigentumsrecht nicht zum Verkauf zwingen könnte. Diese Einschätzung wurde von den Richtern zurückgewiesen. Beide Partner hatten 2009 eine Kooperation vereinbart, in dessen Rahmen Volkswagen für knapp 1,8 Milliarden Euro 19,9 Prozent von Suzuki erwarb. Im Gegenzug übernahmen die Japaner 1,5 Prozent der VW-Aktien. 2011 war Suzuki einseitig aus der Vereinbarung ausgestiegen und wollte seine Anteile zurück.

Dieselmotoren von Fiat lassen Streit eskalieren

Als Ursache für den erbitterten Streit gilt die Furcht des japanischen Familienunternehmens vor dem Verlust seiner Eigenständigkeit. Denn der frühere VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll den Autobauer aus Fernost als nächste Marke in seinem Reich betrachtet haben. Eskaliert war der Konflikt bereits Ende 2010, als VW Suzuki des Vertragsbruches bezichtigte, weil die Japaner Dieselmotoren vom italienischen Konkurrenten Fiat bezogen. In dieser Sache bestätige das Schiedsgericht nach VW-Angaben eine Vertragsverletzung. Die Wolfsburger behalten sich deshalb Schadensersatzansprüche gegen Suzuki vor.

Suzuki sollte Türöffner für indischen Markt sein

Beide Unternehmen hatten ursprünglich den Schulterschluss gesucht, um gemeinsam Kleinwagen für Schwellenländer zu entwickeln. VW erhoffte sich dadurch vor allem Zugang zum wichtigen indischen Markt, wo Suzuki zu den Marktführern gehört. Suzuki wiederum versprach sich Zugang zu alternativen Antrieben von Volkswagen. Der Schiedsspruch ist für beide Seiten rechtlich bindend und kann nicht angefochten werden.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.08.2015 | 11:00 Uhr