Stand: 23.09.2015 18:34 Uhr

VW-Skandal: Was wussten Auto-Journalisten?

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Das Image von VW hat sich in den letzten Tagen verdunkelt.

Berichte über unrealistische Verbrauchswerte gab es in der deutschen Fachpresse von "Auto Bild" bis "Auto, Motor und Sport" immer wieder. Auf dem Prüfstand in einem normierten Verfahren verbrauchten die getesteten Fahrzeuge regelmäßig viel weniger als im lebensnahen Test-Mix aus Stadtverkehr, Landstraße und Autobahnetappen, wie sie die Journalisten selbst im wahrsten Sinne des Wortes "erfahren" konnten. Diese Diskrepanz war seit langem bekannt - und wurde von den Fachjournalisten auch immer wieder kritisch in ihren Artikeln thematisiert.

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VW-Skandal: Was wussten Auto-Journalisten?

ZAPP -

Die Folgen der Affäre um manipulierte VW-Dieselmotoren sind unabsehbar. Zapp hat Fachjournalisten gefragt, ob sie ahnten, dass mit den Werten etwas nicht stimmen kann.

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"Ehrlich gesagt, was Herstellerangaben angeht, sind wir schon seit vielen, vielen Jahren skeptisch", sagt Jens Katemann, Chefredakteur von "Auto, Motor und Sport". "Das ist auch der Grund warum wir eigene Messungen durchführen. Wir haben jetzt in den den letzten eineinhalb Jahren an knapp 700 Autos Verbrauchsmessungen durchgeführt. Da waren gut 70 Prozent über dem NEFZ-Verbrauch." Der NEFZ-Verbrauch ist der offizielle Prüfzyklus, wie er von der Europäischen Union vorgeschrieben ist. Dieser soll demnächst ohnehin geändert und realistischer werden.

Haben Fachjournalisten etwas geahnt?

Doch die Fragen, die sich nun stellen, gehen noch weiter: Hat VW auch in Deutschland, beziehungsweise Europa mithilfe einer Software die Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert, den Ausstoß von schädlichen Auspuff-Gasen wie Stickstoffdioxid nach unten geregelt? Betrifft das auch andere deutsche Autokonzerne? Haben die Fachjournalisten der Motorpresse davon etwas gehört, haben sie etwas geahnt oder ahnen können?

Jan Horn von "Auto Bild" verneint: "Ich hab erstmal gedacht, das muss ein Fehler sein, man geht doch nicht als Autohersteller in dem Maße in so eine Betrügerei hinein und schreibt eine zweite Software. Das ist ja vorsätzlich. Ich war erschrocken, das hätte ich wirklich nicht gedacht. Ich weiß, dass da im legalen Rahmen getrickst werden kann und darf - und das ist eigentlich schlimm genug. Dass man da wirklich Programme schreiben lässt, die das umgehen, da hab ich schon gestaunt."

Die Marken des VW-Konzerns

Tests im Straßenverkehr sind schwierig

Doch eine Analyse der ausgeklügelten Software, die eine Testsituation wohl an fehlenden Lenkbewegungen und zwei stehenden Rädern erkennt, bedarf schlicht eines Anfangsverdachtes - und dann einer umfangreichen Softwareüberprüfung. Die Experten hätten zudem eigene Messungen durchführen müssen, was mit Fahrzeugen im normalen Straßenverkehr schon nach der Straßenverkehrsordnung eigentlich nicht möglich ist: Anbauten am Fahrzeug wie ein Messinstrument am Auspuff sind während der Fahrt gar nicht erlaubt. Hätte das ein misstrauischer Ingenieur auch auf dem Prüfstand herausfinden und an die Fachpresse weitergegeben können?

Was ist mit anderen Herstellern?

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Musste sein Amt aufgeben: Ex-VW-Chef Martin Winterkorn.

Der Skandal um den angeschlagenen Autobauer mit dem ramponierten Saubermann-Image geht jedenfalls weiter. Die Marke VW wird in den sozialen Netzwerken kräftig verhöhnt, statt "Das Auto" heißt es da süffisant "Das Betrug". Auch das über Jahre aufgebaute "Clean Diesel"-Image und der Aktienkurs haben kräftige Dellen bekommen - VW-Chef Winterkorn musste mittlerweile zurücktreten. Doch auch andere Autobauer wie BMW oder Mercedes werden ihre weiße Weste wohl noch unter Beweis stellen müssen. Für Autojournalisten bleiben noch viele Fragen offen - und zu stellen.

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ZAPP | 23.09.2015 | 23:20 Uhr