Stand: 09.07.2017 18:13 Uhr

VW: Neue Details belasten Winterkorn und Diess

Dass VW-Markenvorstand Herbert Diess und der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn möglicherweise schon vor dem öffentlichen Bekanntwerden des Dieselskandals von illegaler Betrugssoftware in elf Millionen Dieselautos wussten, ist schon länger bekannt. Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" hatten diesen Verdacht bereits Anfang des Jahres erhärtet. Entsprechende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen die beiden wegen des Verdachts der Markmanipulation laufen: Aktionäre seien zu spät über Risiken in den USA informiert worden. Dort kam der Stein ins Rollen, nachdem die kalifornische Umweltbehörde (CARB) hartnäckig dem Verdacht nachging, dass VW diese "Defeat Device" genannte Abschaltvorrichtung verbaut, mit der die vorgeschriebenen Grenzwerte auf dem Prüfstand eingehalten werden. Nun zitiert die "Bild am Sonntag" mehrere Zeugen, die in US-Ermittlungsberichten kleine Einblicke in die Dynamik der Affäre geben. Die Zeitung beruft sich auf "Hunderte Zeugenbefragungen, FBI-Berichte, interne E-Mails und geheime Präsentationen".

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Wusste Winterkorn schon früh Bescheid?

Neue Indizien nähren nach Information von NDR, WDR und SZ den Verdacht, dass Ex-VW-Chef Winterkorn viel früher über den Abgas-Betrug informiert war als bisher bekannt. Mehr bei tagesschau.de. extern

"Sie haben uns erwischt"

Volkswagen erklärte zu den neuen Details: "Vor dem Hintergrund laufender Ermittlungen äußern wir uns zu den genannten Sachverhalten inhaltlich nicht." Nach Konzernangaben hat die VW-Führungsspitze um den damaligen Konzernchef Winterkorn nur wenige Tage vor Bekanntwerden des Skandals in den USA detailliert von den Manipulationen erfahren. Doch die Zeugenaussagen zeichnen ein anderes Bild. Die kalifornische Umweltbehörde CARB war dem "BamS"-Bericht zufolge seit Februar 2015 von der Existenz eines "Defeat Device" ausgegangen und hatte sich mehrfach mit VW-Vertretern getroffen. Demnach war der CARB offenbar spätestens am 8. Juli 2015 klar, dass VW betrügt. Die "BamS" zitiert einen Zeugen: "Jetzt haben wir Ärger. Sie haben uns erwischt", kommentiert laut "BamS ein VW-Manager ein Treffen mit der Behörde an diesem Tag.

Eine gezeichnete Weltkarte. © NDR Fotograf: Hendrik Millauer / Cornelia Koller

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Aussagen zur Sitzung widersprüchlich

Ein VW-Abgasspezialist und jetziger Kronzeuge habe Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess dann am 27. Juli 2015 ausführlich die Betrugssoftware erklärt, mit der weltweit etwa elf Millionen Fahrzeuge manipuliert wurden, schreibt die "BamS". "Ich hatte nicht das Gefühl, dass Winterkorn zum ersten Mal davon gehört hat", zitiert die Zeitung den ehemaligen Mitarbeiter, der laut dem Bericht zu einer Gruppe von Ingenieuren gehörte, die 2007 die Abschalteinrichtung erstmals in Dieselmotoren eingebaut hat. Die Sitzung vom 27. Juli hatte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur deutlich mehr als ein Dutzend Teilnehmer plus Zuhörer wie Büroleiter oder Referenten. Die US-Kanzlei Jones Day, die im VW-Auftrag den Dieselskandal untersucht, habe in diesem Zusammenhang mehr als 50 "Interviews" geführt. Allerdings seien die Aussagen der Teilnehmer widersprüchlich, hieß es. Nicht alle Beteiligten befanden sich durchgehend im Raum; zudem sei das Protokoll der Sitzung nicht von allen unterschrieben worden.

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Winterkorn habe schließlich, als Mitarbeiter ihn darüber informierten, was die CARB weiß und was nicht, "'niemanden angewiesen,die Existenz der Software preiszugeben'", zitiert das Blatt einen anderen Kronzeugen, der 2011 die Dieselentwicklung übernommen hatte. Stattdessen sollte auf Geheiß Winterkorns bei künftigen Gesprächen mit den Behördenvertretern nur ein Teil zugeben werden. Winterkorn, Diess und dem damaligen Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer sei dann in einer Sitzung am 25. August 2015 vorgerechnet worden, dass der Skandal den Autobauer allein in den USA bis zu 18,5 Milliarden Dollar kosten könne. Beide Kronzeugen wurden nach eigenen Worten 2007 mehr oder weniger gezwungen, die Betrugssoftware in die erste VW-Dieselgeneration in den USA einzubauen, um die eigene Karriere nicht zu gefährden, schreibt die "BamS".

Mittlerweile hat der Konzern in den USA Vergleiche in Höhe von mehr als 22 Milliarden Euro geschlossen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.07.2017 | 07:00 Uhr

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