Stand: 13.10.2015 21:47 Uhr

VW: Hilft jetzt nur noch beten?

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Eine christliche Initiative hat zum täglichen Gebet für VW-Mitarbeiter aufgerufen. (Themenbild)

Manchmal hilft nur noch beten, weiß der Volksmund. Ob das auch angesichts der Krise bei Volkswagen der Fall ist? Erholt sich der Konzern von dem Skandal? Bleiben die Jobs erhalten? Laut VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh müssen sich Stammbelegschaft und Leiharbeiter nicht um ihre Beschäftigung sorgen - vorerst. Eine christliche Initiative will nun aktiv werden und helfen - mit täglichen Gebeten für Mitarbeiter des Konzerns.

Gebete auch für Verantwortliche

Für die Gebete habe ein Mitglied der Initiative "Christen bei Volkswagen" beispielhafte Anliegen formuliert, sagte der Wolfsburger Industriepfarrer Peer-Detlev Schladebusch am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ins Gebet eingeschlossen werden sollen aber auch die Verantwortlichen des Abgas-Skandals - damit sie die richtigen Entscheidungen treffen. Der Aufruf "12 Uhr - Beten jetzt!" schlägt Mitarbeitern vor, sich täglich für 12 Uhr einen Alarm auf ihrem Handy einzustellen und dann für jeweils drei Minuten zu beten. Geht es nach Schladebusch, sollen auch Beschäftigte anderer Automobil-Konzerne für die VW-Mitarbeiter beten. Der Aufruf werde ebenfalls an sie geschickt. Ein positives Beispiel aus der Vergangenheit gebe es immerhin: Schon Daimler-Mitarbeiter, so der Pfarrer, hätten für Opel-Beschäftigte gebetet.

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Mitarbeiter verlangen "rechtes Maß" in der Öffentlichkeit

Wichtig sei den VW-Mitarbeitern zudem ein "rechtes Maß" in der Öffentlichkeit, den Medien und der Politik. "Ganze Industrien sollen nicht unnötig in Misskredit gebracht werden", sagte Schladebusch. Die Beschäftigten seien durch die täglichen Schlagzeilen in den Medien sehr verunsichert. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nahm bei seiner Rede vor dem Parlament in Hannover die VW-Mitarbeiter in den Blick. "Wir stehen zu diesem Unternehmen und wir stehen zu seinen Beschäftigten", sagte er zum Auftakt der Landtagswoche am Dienstag in einer Regierungserklärung.

VW bleibt in den Schlagzeilen

Ministerpräsident Weil sagte jedoch auch, die Manipulationen von Abgas-Werten durch den Konzern seien "unverantwortlich, völlig inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen." Niedersachsen hält mehr als 20 Prozent der VW-Anteile. Daher, so Weil, würden "auch die Steuereinnahmen der öffentlichen Hand von der Krise bei Volkswagen nicht unberührt bleiben." Wie sich der Skandal konkret auf die Einnahmen auswirkt, werde sich aber erst im Laufe der Zeit zeigen.

Aus für VfL-Leistungszentrum

Konkrete Auswirkungen hat der Skandal bereits auf den Bundesligisten VfL Wolfsburg. Der DFB-Pokalsieger hat die Planungen für den 30 bis 40 Millionen Euro teuren Neubau des Nachwuchsleistungszentrums vorerst gestoppt. Der Verein hatte gemeinsam mit der Stadt Wolfsburg auf einem 32 Hektar großen Gelände an der Dieselstraße eine "Nachwuchsakademie" mit Kabinen, Trainingsräumen und bis zu 14 Fußballplätzen geplant. Als Baubeginn war 2017 im Gespräch.

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VW will sparen

Unterdessen hat der Konzern angekündigt, bei der Marke Volkswagen eine Milliarde Euro einzusparen. Der Gürtel wird damit noch einmal enger geschnallt: Bereits im Sommer 2014 hatte VW das Ziel ausgegeben, bei der Kernmarke bis zum Jahr 2017 mindestens fünf Milliarden Euro zu sparen. "Wir werden effizienter, richten die Produktpalette und Kerntechnologien neu aus und schaffen uns mit dem beschleunigten Effizienzprogramm den Spielraum für zukunftsweisende Technologien", sagte Markenchef Herbert Diess.

Rückforderung der "Abwrackprämie"?

Sparen muss der Konzern wohl auch angesichts drohender Kosten zu Rückrufaktionen und Schadenersatzforderungen. Hinzukommt nun auch möglicherweise die Rückzahlung der "Abwrackprämie". Wie die Online-Ausgabe des "Manager Magazins" am Dienstag berichtete, könnte der Staat Geld von Volkswagen zurückfordern, das zwischen 2009 und 2010 als sogenannte Umweltprämie den Neuwagenkauf fördern sollte. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) prüfe eine entsprechende Rückforderung für Fahrzeuge, die mit manipulierten Dieselmotoren auf den Markt gekommen sind.

VW wird also noch eine Zeitlang mit weiteren schlechten Nachrichten zu kämpfen haben. Bleibt die Frage, ob die von der Initiative "Christen bei Volkswagen" vorgeschlagenen drei Minuten Betzeit in Zukunft dann noch ausreichen werden.

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