Stand: 19.01.2016 21:32 Uhr

VW-Aufseher unterstützen Vorstandschef Müller

Nach der missglückten USA-Reise von Volkswagen-Chef Matthias Müller ist der Autobauer jetzt um Schadensbegrenzung bemüht. Im Anschluss einer mehrstündigen Sitzung des Aufsichtsrats-Präsidiums in Wolfsburg hat am Dienstag ein Sprecher mitgeteilt, dass der Vorstandschef umfänglich über alle Aspekte seiner USA-Reise berichtet habe. In der Sitzung habe Müller unter anderem betont, dass bei Volkswagen grundsätzlich gesetzliche Vorschriften verletzt und ethische Grenzen überschritten wurden. Im Interview mit einem amerikanischen Radioreporter hatte der VW-Vorstandschef in der vergangenen Woche noch genau das Gegenteil behauptet - und damit in den USA für vernichtende Schlagzeilen gesorgt.

"Belastbarer Bericht" im April

Müller hat nun von der Aufsichtsrats-Spitze starke Rückendeckung bekommen: Die Kontrolleure haben am Dienstag nach dem Treffen betont, dass die Position des VW-Chefs nie zur Diskussion gestanden habe. In der Aufarbeitung des Abgas-Skandals gibt es laut Volkswagen erhebliche Fortschritte. So soll zur Hauptversammlung im April ein belastbarer Bericht vorliegen. Spätestens dann soll erklärt werden, welche Abteilungen bei VW wann und warum über die Manipulationen bei Diesel-Motoren Bescheid wussten.

Ex-BMW-Mann wird Nordamerika-Chef

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Hinrich Woebcken wird zum 1. April neuer VW-Nordamerika-Chef. (Archiv)

Zudem soll in den USA ab dem Frühjahr ein neuer Top-Manager den Konzern wieder auf die Erfolgsspur bringen: Der ehemalige BMW-Mann Hinrich Woebcken wird bei Volkswagen neuer Nordamerika-Chef. Der 55-Jährige soll zum 1. April seinen Posten antreten. "Herr Woebcken wird mit seiner internationalen Erfahrung einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung der Marke in der Region leisten", sagte VW-Markenchef Herbert Diess laut Mitteilung. Woebcken wird gleichzeitig Verwaltungsratschef von Volkswagens US-Geschäft und damit de facto der Vorgesetzte von VW-US-Chef Michael Horn.

Früherer FBI-Chef als VW-Sonderbeauftragter?

Unterdessen sorgt eine angebliche Personalentscheidung für Wirbel: NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung hatten zuvor berichtet, dass der frühere Chef der US-Bundespolizei FBI (Federal Bureau of Investigation), Louis Freeh, als Sonderbeauftragter eingesetzt werden soll. Er solle helfen, die Folgen der Abgas-Affäre in den USA zu mildern. Die VW-Arbeitnehmerseite hat inzwischen reagiert. "Wir kennen diese Personalie nicht, und sie steht auch nicht auf der Agenda des Aufsichtsratspräsidiums", hieß es aus Kreisen der mächtigen VW-Arbeitnehmervertreter, die angeblich keinerlei Bedarf für die Personalie Freeh sehen. Aus den Arbeitnehmerkreisen hieß es zu den Spekulationen über Freeh unmissverständlich: "Wir haben Frau Hohmann-Dennhardt für diese anspruchsvolle Aufgabe. Weiteren Bedarf sehen wir nicht."

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