Stand: 08.09.2017 17:45 Uhr

Urlaubsflüge im VW-Firmenjet: Untreue?

Unabhängig vom massiven Ärger rund um den Diesel-Skandal droht Volkswagen nun offenbar Ungemach in ganz anderer Sache. Im Zusammenhang mit privat genutzten Firmenflugzeugen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig nach Informationen von "Spiegel Online" Vorermittlungen aufgenommen. "Es wird derzeit geprüft, ob ein Anfangsverdacht wegen Untreue oder anderer in Betracht kommender Straftatbestände vorliegt", sagte eine Sprecherin dem Bericht zufolge.

Pötsch zahlte 500.000 Euro zurück

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VW-Vorstände nutzten Firmenflugzeuge privat

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Gegen wen sich die Vorermittlungen richten, dazu machte die Behörde keine Angaben. Möglicherweise könnte aber auch der heutige Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch betroffen sein. Die Affäre liegt schon einige Jahre zurück: Zwischen 2010 und 2013 nutzten Vorstandsmitglieder von VW Medienberichten zufolge regelmäßig Flieger des Unternehmens zu privaten Zwecken, zum Beispiel für Reisen in den Urlaub. Darunter auch der damalige Finanzvorstand Pötsch. 2014 soll Ferdinand Piëch, zu dieser Zeit Vorsitzender des Aufsichtsrats, dafür Erstattung von den Vorständen gefordert haben. Pötsch zahlte allein gut 500.000 Euro, wie die "Bild am Sonntag" kürzlich berichtete.

"Untreue zulasten des Firmenvermögens"?

Doch war die Sache damit erledigt? Offenbar nicht. "Wenn die VW-Leitungsgremien Herrn Pötsch über Jahre hinweg die Nutzung der Firmenjets für Privatflüge gestattet haben, ohne dass dafür eine angemessene Gegenleistung erbracht wurde, so wäre näher zu untersuchen, ob darin nicht eine strafrechtlich relevante Untreue zulasten des Firmenvermögens lag", zitiert "Spiegel Online" den Strafrecht-Professor Thomas Weigend aus Köln. Diese Einschätzung scheint die Braunschweiger Anklagebehörde zu teilen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 08.09.2017 | 17:00 Uhr

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