Stand: 12.02.2016 14:10 Uhr

Tempo 30: Es blitzt und blitzt an der Autobahn

von Jürgen Jenauer

Dass an potenziell gefährlichen Stellen auf Autobahnen abgebremst werden muss, meist auf 80 oder 60 Stundenkilometer, ist nichts Neues. Auf dem Übergang von der A 38 in Richtung Süden zur A 7 bei Göttingen gilt allerdings sogar Tempo 30. Schuld ist eine extrem enge Kurve, die von einer Autobahn zur nächsten führt - und bei der rekordverdächtig viele Autos und Lastwagen gerne zu schnell fahren und dann die Betonmittelwand treffen. Im Jahr 2014 hat es dort 57-mal gekracht. Der Landkreis Göttingen sah Handlungsbedarf und hat eine neue, feste Radarfalle installiert. Und nun klingelt sie, die Kasse des Landkreises.

Landkreis Göttingen profitiert von Blitzer

Schon fast 7.500 Fahrer geblitzt

Seit Ende Januar steht das Blitzgerät in der Tempo-30-Kurve im Dreieck Drammetal und es blitzt und blitzt und blitzt. Allein in den ersten vier Tagen täglich fast 800-mal, bis heute hat es knapp 7.500 Fahrer getroffen. Mittlerweile seien es etwas weniger geworden, sagt Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann - immer noch seien aber rund 500 Autofahrer am Tag zu schnell in der Kurve unterwegs. Den traurigen Rekord hält bisher ein Fahrer, der die 30er-Zone mit 111 Stundenkilometer durchfuhr. Sein Pech: Gerade einen Tag vorher war die Radarfalle aufgestellt worden.

ADAC findet Tempo-30-Regel übertrieben

Mehrere Maßnahmen sollten den bekannten Unfallschwerpunkt bereits entschärfen, und das sei auch notwendig, sagt ADAC-Verkehrsexperte Wolfgang Müller: Es habe dort in der Tat exorbitant viele Unfälle gegeben, deswegen sei zuerst Tempo 60 in der Kurve eingeführt worden. "Das hat aber nichts genützt, dann kam Tempo 30 bei Regen, dann generell Tempo 30 - ohne Effekt." Offenbar hätten sich viele Autofahrer schlicht nicht an das Tempolimit gehalten. Allerdings, so Müller, habe die hohe Unfallzahl mutmaßlich eher an Problemen baulicher Art gelegen. Eine Prüfung habe ergeben, dass die Fahrbahn wenig griffig war. "Letztes Jahr ist die Fahrbahndecke erneuert worden und seitdem sind auch die Unfallzahlen enorm gesunken", so Müller. Deswegen waren Tempo 30 und die feste Radaranlage eigentlich nicht mehr notwendig, glaubt Müller. Mittlerweile sei in der Kurve durchaus eine höhere Geschwindigkeit möglich, auch ohne Unfall.

Polizei: Betonschutzwand muss erst repariert werden

Der Leiter der Autobahnpolizei Göttingen, Burkhard Schramm, widerspricht: Es sei zwar richtig, dass die Unfallzahlen seit der Fahrbahnerneuerung drastisch zurückgegangen seien. Durch die Unfälle sei jedoch die Betonschutzwand an der Stelle defekt. Bevor die nicht repariert sei, könne der Bereich nicht für ein höheres Tempo freigegeben werden. "Wir mussten ja handeln, es hat bei den Unfallzahlen keine Alternative gegeben", so Schramm zu NDR.de. Nach der Instandsetzung werde es eine Überprüfung geben, ob Tempo 30 dort weiterhin nötig sei.

So würde man das heute nicht mehr bauen

Verantwortlich für den Bau der Verbindung zur A 7 ist die Niedersächsische Landesverkehrsbehörde. Die Strecke sei sicherlich "am unteren Ende des rechtlich Zulässigen" gebaut worden, räumt Udo Othmer ein, regionaler Leiter der Behörde in Gandersheim. So würde man das heute nicht mehr machen, sagt er. Der Grund waren wahrscheinlich Schwierigkeiten beim Grundstückserwerb - für die neue Trasse sei wohl nicht viel Platz gewesen. Othmer betont aber, dass mit der Strecke rechtlich alles in Ordnung sei. Wer dort vernünftig fahre, der komme auch gut durch die Kurve. Mit der neuen Radaranlage bedeutet "vernünftig" nun bis auf Weiteres "nicht schneller als 30".

Der ADAC will dem Landkreis nach eigenen Angaben gar keinen Vorwurf machen, sagt Sprecherin Christine Rettich. Sie frage sich allerdings, ob der Blitzer dort steht, weil es einen Unfallschwerpunkt gibt, oder ob es eher darum geht, dort zu blitzen, wo es sich lohnt. Landkreis-Sprecher Lottmann betont: Wie viel Geld durch die Blitzanlage in die Kreiskasse kommt, sei unerheblich. Wichtig sei die Verkehrssicherheit.

Weitere Informationen

Millionen dank Blitzanlage

Seit 1996 gibt es an der A 7 bei Hann. Münden eine Radarfalle - trotzdem rasen Jahr für Jahr Tausende hinein. Der Landkreis darf sich über Millioneneinnahmen freuen. (26.01.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.02.2016 | 12:00 Uhr