Stand: 14.01.2016 10:38 Uhr

Auch deutsche VW-Kunden wollen Entschädigungen

Einen Tag nach dem Spitzentreffen in den USA nimmt im VW-Abgasskandal der juristische Druck auf Volkswagen zu. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa schließen sich VW-Kunden zusammen, um eine Entschädigung für ihre vom #Dieselgate betroffenen Autos zu erstreiten. Eine Düsseldorfer Anwaltskanzlei teilte mit, schon mehr als 60.000 europäische Autobesitzer zu vertreten, die in einem gemeinsamen Vorgehen von Volkswagen Schadenersatz erstreiten wollen. Weil es die in den USA üblichen Sammelklagen in Deutschland nicht gibt, haben die Anwälte die VW-Kunden in einer Stiftung nach niederländischem Recht zusammengefasst. Darin sehen die Juristen eine Möglichkeit, eventuelle Schadenersatzansprüche von VW-Kunden bündeln und vertreten zu können. Besondere Rechte hat eine solche Stiftung im Vergleich zum Einzelkunden allerdings auch nicht. Europaweit sind rund 8,5 Millionen Autos aus dem VW-Konzern vom Abgasskandal betroffen.

Volkswagen gibt sich entspannt

VW hatte zuletzt mehrfach betont, dass eine pauschal gezahlte Entschädigung wie in den USA von 1.000 Dollar in Deutschland nicht notwendig sei. Schließlich könnten die hier betroffenen Pkw im Laufe dieses Jahres mit überschaubarem Aufwand nachgerüstet werden. Entsprechende Pläne liegen vor und sind von den Behörden auch schon genehmigt. Für die Kunden in den USA ist die Lage eine andere: Hier zeichnet sich auch nach den jüngsten Gesprächen von VW-Chef Matthias Müller noch keine Lösung für die dort betroffenen 584.000 Autos von Volkswagen, Audi und Porsche ab. Zu dem Vorstoß der niederländischen Stiftung hat sich VW bisher nicht geäußert.

US-Kunden zu verärgern kann teuer werden

Auch Verbraucherschützer hatten in der Vergangenheit kritisiert, dass Volkswagen bei der Entschädigung mit zweierlei Maß messe. Der Verdacht liegt nahe, dass VW in den USA mit pauschal 1.000 Dollar pro Kunde auch deshalb so unbürokratisch und großzügig ist, um die US-Öffentlichkeit und vor allem die Justiz- und Umweltbehörden milde zu stimmen: Die könnten nämlich ansonsten für Ärger sorgen, der am Ende deutlich teurer wird, als 1.000 Dollar pro Kunde.

Erfolgsaussichten unklar

Wie erfolgversprechend der Klageansatz über eine Stiftung nach niederländischem Recht ist, ist völlig offen. Somit bleibt es dabei, dass vom VW-Dieselskandal zunächst einmal nur die Anwälte mit Sicherheit profitieren.

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Aktuell | 14.01.2016 | 12:00 Uhr