Stand: 19.03.2016 11:59 Uhr

Nicht nur sexy: Kraftakt Pole-Dance

von Tino Nowitzki

Frauen, die sich in knappen Höschen und jeder Menge nackter Haut an Stangen räkeln? So etwas vermutet man nur in Strip-Lokalen. Doch was früher in einschlägige Etablissements gehörte, hat mittlerweile den Weg in die Fitnesswelt gefunden. Immer mehr junge Frauen wollen aus sportlichen Gründen das tun, was lange Zeit vor allem der Männerwelt gefallen sollte.

Mehrere Frauen trainieren Poledance in einem Raum. © NDR Fotograf: Tino Nowitzki

Pole-Dance: "Ein anstrengender Extremsport"

Sina Mielenz ist Mitinhaberin des "PoleRooms" in Braunschweig. Häufig begegnen ihr Vorurteile über den Tanz an der Stange. Bei ihr steht aber nur der sportliche Aspekt im Vordergrund.

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Einige von ihnen trainieren im Braunschweiger "PoleRoom", vor knapp einem Jahr von Sina Mielenz und Jennifer Martin gegründet. Mielenz, eine junge, sportliche Frau, kennt die Vorurteile vieler Menschen. Sie hat sie alle gehört: Dass sich nur besonders freizügige Frauen um die Stange schlängeln. Dass das Sexy-Sein beim Herumwirbeln um eine chromfarbene Stange im Vordergrund steht. Nichts könnte ferner davon sein, findet die 36-Jährige. Stattdessen sei das ein richtiger Kraftsport. "Extremsport" nennt Mielenz es sogar: "Wir trainieren hier härter als so manch einer im Fitnessstudio." Daher bezeichnen sie und ihre Mitsportlerinnen es auch gern als Pole-Fitness oder Pole-Sport, um ganz klar zu machen, dass es nicht nur um Herumtänzeln geht. Kraft, Eleganz, Ausdauer - hochkarätige Akrobatik sei beim Stangensport gefragt: "Das merkt jeder ganz schnell, der das mal ausprobiert hat", sagt Mielenz.

Haut als Haft-Mittel

Ein Vorurteil stimmt aber: Von langen Jogging-Hosen oder verschwitzten Baumwoll-Shirts ist im "PoleRoom" Braunschweig nichts zu sehen. Alle hier tragen kaum mehr als an einem sonnigen Tag am Badestrand. Mit einem Hang zur Freizügigkeit hat das aber wenig zu tun: "Wir brauchen unsere Haut", sagt Mielenz. Die sei eine Art Haft-Mittel, um an der glatten Stange nicht einfach herunter zu rutschen. Arme, Beine, Bauch - je mehr direkter Kontakt mit der Stange, desto besser. Klar, dass es dabei auch mal zu Verletzungen kommt. Insbesondere am Anfang seien blaue Flecken an der Tagesordnung. Die Stangen-Sportlerinnen nennen die Blessuren liebevoll "Pole Kisses". Für einige Figuren brauchen die Frauen gehörig Körperbeherrschung: etwa für den "Superman", bei dem die Sportlerin sich nur mit einem Arm an der Stange festhält und ansonsten waagerecht in der Luft zu schweben scheint.

Auch ein Mann tanzt hier mit

Trotz der hohen Anforderungen kommen ganz "normale" Frauen zum Training: Schülerinnen, Studentinnen, Geschäftsfrauen, Mütter: "Es ist wirklich alles dabei", sagt Mielenz. Ein Mitglied des "PoleRoom" aber fällt etwas aus dem Rahmen: ein Mann. Nico Loleit lernte den Stangentanz durch seine Freundin kennen - und sofort wollte er das auch. Dabei hatte er am Anfang eher ein ungutes Gefühl: "Ich hatte Bedenken, wie die Mädels hier reagieren." Schnell hätten sich diese aber zerschlagen. Klar sei aber auch schnell gewesen: "Wenn die merken, dass du denen irgendwo hinguckst, kannst du gleich wieder gehen." Mit Vorurteilen habe man als männlicher Pole-Sportler noch mehr zu kämpfen, findet der 33-jährige Prüfungsmechaniker. Manche Kollegen machten sich schon lustig und fragten, ob er jetzt "vom anderen Ufer" sei. Aber er habe ein dickes Fell, sagt Loleit. "Die müssen das erst einmal machen und sehen, wie schwer das ist."

Pole-Dance wird zum Trendsport

"Spaßiger als Laufband"

"PoleRoom"-Betreiberin Mielenz glaubt, dass Nico kein Einzelfall bleiben wird. Überhaupt stellt sie fest, dass der Pole-Sport nicht zuletzt durch Medienberichte immer mehr Zulauf bekommen wird. "In den USA gibt es das schon fast überall, das kommt hier auch", sagt sie. Für die Trainerin, die selbst durch das Profi-Tanzen zum Pole kam, liegt der Grund auf der Hand: Pole-Dance sei eben spaßiger als im Fitnessstudio auf dem Band zu laufen. Und biete tolle Erfolgserlebnisse, wenn man eine richtig schwere Figur irgendwann schafft. Abnehmen allerding - das spielt für die Sportlerinnen hier laut Mielenz keine Rolle: "Wir wollen sogar, dass die Nadel nach oben geht, denn dann haben wir Muskeln aufgebaut."