Stand: 07.12.2016 21:48 Uhr

Pierre B. gibt Attacken zu, rechte Propaganda nicht

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Dem Angeklagte Pierre B. hat die ihm vorgeworfenen Gewalttaten vor Gericht zugegeben.

Wegen gefährlicher Körperverletzung, Zeigen des Hitler-Grußes, Sprühens von Hakenkreuzen und zahlreicher anderer Vorwürfe sitzt der Braunschweiger Pierre B. seit Juli in Untersuchungshaft. Nun hat am Amtsgericht sein Prozess begonnen, den er mit einem Geständnis einläutete. Der 24-Jährige gab am Mittwoch zu, im Februar zwei 19-jährige Schüler auf einem Schulhof niedergeschlagen zu haben. Dass er zuvor - wie von einem Lehrer vor Gericht ausgesagt - flüchtlingsfeindliche Aufkleber der NPD verteilt hatte, wollte B. nicht bestätigen. Überhaupt blockte sein Anwalt Fragen zur politischen Haltung ab. Allerdings gab B. auch andere ihm zur Last gelegte Gewalttaten zu. Er sei aber jedes Mal provoziert worden und seien ihm "die Sicherungen durchgebrannt", sagte B.

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Schüler hat bis heute Probleme

Als Zeuge wurde am Mittwoch unter anderem einer der verprügelten Schüler gehört. Der Angeklagte hatte ihm demnach mit Schlägen und Tritten mehrfach den Kiefer gebrochen. Der 20-Jährige sagte, dass er immer noch nicht richtig essen könne und seine Lippe taub sei. Auch ein Mitglied der sozialistischen Falken-Jugend kam zu Wort. Ihn hatte B. demnach im Februar verprügelt, um an sein Mobiltelefon zu kommen. Ein weiteres mutmaßliches Opfer schilderte, wie B. es im Sommer während einer Public-Viewing-Veranstaltung zur Fußball-EM getreten habe. Demnach hatte der Angeklagte rechte Parolen gebrüllt, woraufhin der 32-Jährige ihm "alle Menschen sind gleich" entgegnet habe. Daraufhin habe B. ohne Vorwarnung auf ihn eingetreten.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen vor und im Gericht

Der erste Prozesstag lief unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ab, weil linke und rechte Gruppierungen im Internet ihr Erscheinen angekündigt hatten. Vor dem Gebäude standen Mannschaftswagen der Polizei, rund 20 Beamte waren während der Verhandlung im Gerichtssaal.

Urteil noch im Dezember erwartet

Das Urteil gegen Pierre B. könnte bereits in zwei Wochen fallen. Für die gefährliche Körperverletzung drohen dem Angeklagten mindestens sechs Monate Haft. Allerdings begleitet auch ein psychiatrischer Gutachter den Prozess, der die Schuldfähigkeit B.s klären soll. Sollte der Experte eine verminderte Steuerungsfähigkeit feststellen, käme statt einer Haftstrafe auch die Unterbringung in einem psychiatrischen Landeskrankenhaus infrage.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 07.12.2016 | 19:30 Uhr

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