Stand: 29.09.2017 15:31 Uhr

Mehr Ärzte: Uni und Klinikum wollen kooperieren

Niedersachsen fehlen Mediziner - wie vielen anderen Bundesländern auch. Vor allem außerhalb der Städte ist die ärztliche Versorgung zum Teil kaum noch ausreichend gegeben. Um mehr Ärzte ausbilden zu können und diese im besten Fall dann auch im Land zu halten, wollen die Universität Göttingen und das Klinikum Braunschweig künftig zusammenarbeiten. Denn in Göttingen fehlen Kapazitäten bei der Ausbildung - Braunschweig soll sie füllen.

100 Studenten müssen nach dem Physikum gehen

Das Problem: Etwa 400 Medizinstudierende nimmt die Uni Göttingen pro Jahr auf, doch nur drei Viertel davon können ihr Studium dort zu Ende führen. "100 bekommen einen Teilstudienplatz, der nur für zwei Jahre zur Verfügung steht, weil die klinischen Kapazitäten nicht reichen", erklärte Heyo K. Kroemer, Vorstandssprecher der Göttinger Universitätsmedizin (UMG), am Freitag. Nach dem Physikum müssen sich diese Studierenden bislang andernorts in Deutschland um einen Studienplatz bewerben, um den klinischen Teil ihrer Ausbildung zu absolvieren.

Ministerium: 60 Vollstudienplätze könnten entstehen

Mit der angestrebten Zusammenarbeit könnten nach Einschätzung des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums 60 weitere Vollstudienplätze entstehen. Ob die Kooperation also langfristig die Lücke komplett füllen kann, muss sich erst noch zeigen. Starten könne das Bündnis in etwa eineinhalb Jahren, schätzen die Partner aus Göttingen und Braunschweig. Das Ministerium will einen zweistelligen Millionenbetrag investieren, wie Ressort-Chefin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) ankündigte. Die erntete - kurz vor der Landtagswahl - direkt Kritik von der Opposition: Der Vorschlag sei ein reines Wahlversprechen ohne jegliche Haushaltsabsicherung, sagte CDU-Fraktionsvize Jörg Hillmer. Heinen-Kljajic widersprach: Die Umwandlung der Teil- in Vollstudienplätze sei bereits seit 2014 in der Zielvereinbarung zwischen UMG und Wissenschaftsministerium verankert.

Ärztekammer: Es muss noch mehr passieren

Lob kam dagegen von der Ärztekammer. "Ich fordere die Politik seit Längerem dazu auf, die Weichen für zusätzlich 1.000 Medizinstudienplätze zu stellen", so Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. Gleichzeitig mahnte sie: Die ärztliche Versorgung auf dem Land sei mittelfristig gefährdet, die geplante Kooperation dürfe nur der Anfang sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 29.09.2017 | 17:00 Uhr

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