Stand: 18.02.2016 09:28 Uhr

Künstler baut Neuschwanstein aus Sandstein

von Wolf-Hendrik Müllenberg

Um sich in Stimmung zu bringen, hört Thomas Doneis Richard Wagner: Es dröhnen Ouvertüren aus den Boxen, während der Bildhauer stöhnend auf einen 21 Tonnen schweren Sandstein hämmert. Aus einem grauen Klotz will der Braunschweiger Künstler detailgetreu ein Gebäude nachbauen, das einst vom bayerischen König Ludwig II., einem Förderer Wagners, errichtet wurde: das Schloss Neuschwanstein. "Wir begrüßen das Engagement von Herrn Doneis sehr", sagte eine Sprecherin des Schlosses, das auf einem zerklüfteten Felsen bei Schwangau im Allgäu liegt.

Ein Mann bearbeitet einen Sandsteinblock. © NDR Fotograf: Wolf-Hendrik Müllenberg

"Ich will der Nachwelt etwas hinterlassen"

Künstler Thomas Doneis hat ein ambitioniertes Vorhaben: Innerhalb von vier Jahren will er das Schloss Neuschwanstein aus Sandstein nachbauen - und zwar so detailgetreu wie möglich.

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Chinesen haben Schloss bereits kopiert

Schon die Chinesen haben Ludwigs Schloss kopiert. Und nun kommt da noch ein Mann mit blauer Haut daher: Ausgerechnet so jemand will den Nachbau von Ludwigs Traumschloss aus Sandstein verwirklichen. Das hätte König Ludwig, der kurz nach der Fertigstellung seines Schlosses verstarb, wahrscheinlich nicht gefallen.

Der Künstler ist selbst ein Kunstwerk

Wenn Doneis an seinem Vorhaben arbeitet, ist König Ludwig immer dabei. Als Zeichen seiner Ehrfurcht hängt ein Poster des 1886 verstorbenen Königs von Bayern an der Wand in dem Atelier des Künstlers, der an sich betrachtet schon ein Gesamtkunstwerk ist: Doneis ist einer der meist tätowierten Menschen der Welt. Von Kopf bis Fuß ist er so sehr mit blauer Tinte bedeckt, dass man sich fragt: Steht da ein Mensch vor einem oder ein Avatar vom Planeten Pandora?

Viel Liebe zum Detail

In erster Linie ist Doneis aber ein sehr freundlicher Bildhauer mit einem ambitionierten Vorhaben: Aus einem Sandstein will er maßstabsgetreu ein rund drei Meter langes und zwei Meter hohes Schloss Neuschwanstein errichten - und das mit Liebe zum Detail. Die Fenstereinfassungen des Schlosses, die Reliefs an den Mauern, Dachrinnen und sogar die Bäume will er so genau wie möglich nachbauen. Im August letzten Jahres ist er deshalb nach Bayern gereist, um das Schloss zu besichtigen und die Bauweise zu studieren. Auch das Schloss-Archiv hat er besucht und zahlreiche Fotos mitgebracht. Die Bilder und ein Modell dienen als Vorlage für seine Arbeit. Sein Plan ist es, eine aus Sandstein geschlagene Skulptur zu bauen - verziert mit hochwertigem Material. Edelsteine sollen als Bäume dienen, die Dächer werden mit Kupfer beschlagen und die Skulpturen auf dem Schloss sollen aus Bronze sein.

Brauschweiger Bildhauer wird zum Schlossbauer

Sponsoren helfen bei der Finanzierung

Das Vorhaben von Doneis ist nicht nur ambitioniert, sondern auch teuer. Deswegen ist er auf der Suche nach Spendern und Sponsoren, die ihm helfen wollen. Der 21 Tonnen schwere Sandstein wurde ihm bereits von einer Firma in Trier gespendet. Der Betreiber eines Steinbruchs hat sich bereit erklärt, das Projekt mit Edelsteinen zu unterstützen. In einem Braunschweiger Kaufhaus durfte Doneis sein Projekt präsentieren; zusätzlich hat es 3.000 Euro gespendet. Doneis hofft, für das fertige Schloss aus Sandstein einen möglichst hohen Preis zu erzielen. 1,5 Millionen Euro soll der Mindestwert des Kunstwerkes sein, schreibt Doneis in seiner Facebook-Gruppe. Ein Drittel der Einnahmen sollen in soziale Projekte fließen.

Fertigstellung zum 150-jährigen Jubiläum

Vor seinem Neuschwanstein-Projekt hat sich der Künstler mit ganz anderen Skulpturen befasst: Autos, Löwen, Totenschädel und eine Medusa hat er hergestellt - damit auf dem Kunstmarkt zu bestehen, war aber nicht immer einfach. Nun also das Schloss Neuschwanstein, über das der Künstler sagt: "Es gehört zu den bedeutendsten Bauwerken Deutschlands. Jeder Mensch kennt es. Ich bin mir sicher, dass es sich deswegen gut verkaufen wird." Es gebe sogar schon Interessenten aus Katar und Russland, so Doneis. Bis zu einem möglichen Verkauf ist es aber noch ein bisschen hin: Die Nachbildung des Schlosses soll 2019 fertig sein - dann wird auch das Schloss Neuschwanstein seine Grundsteinlegung vor 150 Jahren feiern.