Stand: 21.09.2017 14:45 Uhr

Kliniken beklagen Medikamentenmangel

Auch am Klinikum Braunschweig sind wichtige Medikamente mitunter nicht verfügbar.

Wer krank ist, geht zum Arzt oder ins Krankenhaus und wird dort behandelt. Mit dem passenden Arzneimittel geht es dem Patienten dann meist wieder gut. So lautet zumindest die Erwartung der Patienten. Was aber, wenn das benötigte Medikament nicht verfügbar ist? Zu solchen Lieferengpässen kommt es in Niedersachsen derzeit immer häufiger.

Situation hat sich deutlich verschärft

Das Problem habe sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschärft, sagt Matthias Bohn, Vorsitzender des niedersächsischen Landesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA). Betroffen sind unterschiedliche Medikamente: Mal sind Mittel gegen Krebs nicht lieferbar, mal mangelt es an bestimmten Narkosemittel, mal an Antibiotika.

Medikamente im Regal.

Klinik-Apotheken: Medikamente werden knapp

Hallo Niedersachsen -

Krankenhaus-Apotheker schlagen Alarm: In vielen Kliniken fehlt es an Medikamenten. Betroffen ist unter anderem das Klinikum Braunschweig.

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Chefapotheker aus Braunschweig warnt vor Folgen

Patienten spüren den Mangel: Operationen oder nicht lebensnotwendige Therapien werden verschoben, mitunter müssen Kranke auf andere Arzneimittel umgestellt werden. Doch damit kann auch eine Gefahr für Patienten einhergehen: Hartmut Vaitiekunas, Chefapotheker am Klinikum Braunschweig, verweist auf eine höhere Fehleranfälligkeit im Behandlungsprozess, etwa durch unterschiedliche Dosierungen der Ersatzmedikamente. Patienten in Braunschweig seien bislang nicht zu Schaden gekommen, betont der Chefapotheker. Gleichwohl ist Vaitiekunas angesichts der wiederholt auftauchenden Engpässe besorgt, dass sich dies "eines Tages" ändern könnte.

Explosion in der Herstellerfirma

Die Ursachen für die Lieferengpässe sind vielschichtig. Um Kosten zu sparen, lassen viele Pharmaunternehmen ihre Arzneien oft nur von einem einzigen Produzenten, etwa in Indien oder China, herstellen. Fällt der aus, wird es mit dem Nachschub eng. Aktuell neigen sich etwa in den Uniklinik Göttingen, der Medizinischen Hochschule Hannover, dem Klinikum der Region Hannover und dem Klinikum Oldenburg, die Vorräte eines Antibiotikums mit den Wirkstoffen Piperacillin und Tazobactam zur Neige. Dieses Medikament wird vor allem bei schweren Infektionen eingesetzt, vielfach bei Patienten, die ohnehin schon schwer krank sind und auf der Intensivstation liegen.

Apotheker fordern Preiserhöhung

Der Grund für den aktuellen Mangel liegt in China: In einer Fabrik des Herstellers von Piperacillin und Tazobactam hatte sich vor Monaten eine Explosion ereignet, weswegen die Produktion der Antibiotika-Kombinationen deutlich zurückging. Dazu kommen die Gesetze des Marktes: Im Vergleich zu anderen Staaten sind Medikamente in Deutschland deutlicher billiger. Die Folge: Bei Lieferengpässen werden andere Länder zuerst bedient. Die Apotheker plädieren daher schon länger für eine Preiserhöhung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.09.2017 | 13:00 Uhr