Stand: 21.02.2016 18:31 Uhr

Klagen und Manager-Boni: VW ringt mit Problemen

von Hilke Janssen

Beim Wolfsburger Autobauer Volkswagen sollten Ende der Woche die nackten Zahlen auf dem Tisch liegen - eigentlich: Der Konzern wollte ursprünglich erste Eckpunkte zu Gewinnen, Verlusten und Dividende nennen. Doch der Termin wurde verschoben, ebenso die Veröffentlichung der Bilanzen und die Hauptversammlung. Der Grund: der weltweite Abgas-Skandal. Dessen Kosten kann bisher noch niemand realistisch einschätzen. Nach außen dringt zurzeit nicht viel bei VW, aber intern laufen heiße Diskussionen über Klagen, Kosten und  Manager-Boni.

Sie sollen Volkswagen wieder nach vorn bringen

Folgen auf US-Markt nicht absehbar

So viele Probleme und offene Fragen wie im Moment gab es bei Volkswagen wohl noch nie. Zwar hat der Autobauer 6,7 Milliarden Euro für den Rückruf von mehreren Millionen Diesel-Autos zurückgelegt. Das wird allerdings nicht reichen. Welche Kosten genau auf Volkswagen zukommen, kann aber zurzeit niemand seriös einschätzen, sagt Hans-Gerhard Seeba, Professor für Automobilwirtschaft aus Wolfsburg: "Insbesondere weiß man in Amerika nicht ein und aus. Es drohen Strafzahlungen, das ganze Schadensvolumen des VW-Dieselgate ist nach wie vor nicht abzusehen." Man wisse nicht, ob die Rückstellungen ausreichten, da könne es um erheblich höhere Beträge gehen, so Seeba.

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Hat VW zu spät informiert?

Auch in Deutschland bringen sich etliche Kläger in Stellung. Aktionäre verlangen Schadenersatz, weil ihre VW-Aktien im vergangenen Herbst schlagartig an Wert verloren haben. VW-Manager hatten Anfang September bei der US-Umweltbehörde EPA zwar zugegeben, Diesel-Motoren manipuliert zu haben. Doch die Öffentlichkeit wurde erst zwei Wochen danach darüber informiert. Viel zu spät, sagen die Kläger. Ob Volkswagen die Diesel-Probleme rechtzeitig öffentlich gemacht hat, überprüft auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Eine Antwort zu finden, sei jedoch extrem kompliziert, erklärt Petra Buck-Heeb, Professorin für Kapitalmarktrecht an der Leibniz Universität Hannover. "Musste etwa schon veröffentlicht werden, wenn US-amerikanische Behörden Zweifel anmelden oder musste erst publiziert werden, wenn sie anfangen zu untersuchen? Oder ist das noch nicht Kurs-relevant?" Das seien viele hochkomplexe Fragen, die sich so einfach, wie man sich das vielleicht landläufig denkt, wenn man es in der Zeitung liest, nicht beantworten lassen."

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Mitarbeiter soll liefern - Manager kassieren weiter?

Der Abgas-Skandal dürfte sich auch in den Portemonnaies der Top-Manager von VW widerspiegeln. Konzernchef Matthias Müller hat angekündigt, dass VW bescheidener werden soll. Offen ist aber, ob er und seine Vorstandskollegen auf Bonuszahlungen verzichten werden. Das wäre zumindest das richtige Signal, meint Auto-Experte Hans-Gerhard Seeba von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfsburg. Von den Mitarbeitern werde mehr Leistung und steigende Produktivität verlangt. Darüber hinaus werde Sparsamkeit auch in Bezug auf die Personalkosten verlangt. "Und das alles ist nur dann machbar, wenn der Vorstand eine weiße Weste, aber vor allem auch eine Vorbildfunktion hat - auch was die Bezahlung angeht", so Seeba.

Wer hat Schuld? Bericht im April erwartet

Auch die Suche nach den Schuldigen im Abgas-Skandal ist noch nicht abgeschlossen. Staatsanwälte und US-Juristen ermitteln weiter, wer wann was gewusst hat und ob die Chef-Etage von VW in den Betrug verwickelt war. Im April will Volkswagen einen ersten Bericht vorlegen.

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