Stand: 21.03.2016 15:13 Uhr

Immer mehr Anleger-Klagen gegen Volkswagen

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Auf VW könnten in Deutschland Schadensersatzforderungen von bis zu zehn Milliarden Euro zukommen.

Wegen der VW-Abgas-Affäre stellen immer mehr private Anleger und Großaktionäre gegenüber dem Wolfsburger Autobauer Volkswagen Forderungen: Insgesamt 76 Schadenersatzklagen sind inzwischen in Deutschland eingegangen. Das teilte eine Sprecherin des zuständigen Braunschweiger Landgerichts am Montag mit. Demnach stammen die meisten Forderungen von privaten Anlegern. Zudem ist bereits eine Sammelklage von 278 institutionellen Großinvestoren wie Pensionsfonds eingereicht worden. Die Aktionäre fordern dabei 3,255 Milliarden Euro von VW - als Ausgleich für die Kursverluste nach Bekanntwerden des Abgasskandals. Eine zweite Sammelklage ist bereits in Vorbereitung.

Schadenersatzklagen über sieben Milliarden Euro

Vertreten werden die ausschließlich institutionellen Anleger, also etwa Versicherungen und Kreditinstitute, durch die Rechtsanwaltsgesellschaft Tisab um den Tübinger Juristen Andreas Tilp. Er kündigte in der Tageszeitung "Tagesspiegel" nun eine zweite Klage an - wieder in Milliardenhöhe. Bis zum Herbst will Tilp Schadensersatzklagen im Gesamtvolumen von sieben Milliarden Euro eingereicht haben, erklärte er dem Blatt. "Das ist unser realistisches Ziel", sagte der Anwalt. Insgesamt schätzt er bis zu diesem Zeitpunkt die Höhe der Klagen auf insgesamt rund zehn Milliarden Euro.

Auch große Investoren wollen klagen

Die zweite Klage soll größer werden als die erste. Das bestätigte Tilp auch der Deutschen Presseagentur (dpa) am Sonntag. Das Konsortium, das die Prozesskosten finanziert, "wird definitiv eine weitere Klage finanzieren", sagte Tilp. Er rechne nochmal mit einem Umfang von 3,5 bis vier Milliarden Euro. "Ich bin zuversichtlich, dass es jetzt erst richtig losgeht, weil auch große Investoren hinzukommen, die VW-Anleihen und Derivate im großen Stil gekauft haben." Es gebe Investoren, die allein einen Schaden von einer halben Milliarde Euro beklagen, so Tilp gegenüber dem "Tagesspiegel". "Wir haben bis heute weitere 20 institutionelle Anleger, die ebenfalls klagen wollen. Ich bin sicher, dass es noch deutlich mehr werden."

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