Stand: 04.02.2016 06:00 Uhr

Hotelgäste lehnen Bedienung mit Kopftuch ab

von Wieland Gabcke

Wer in einem Hotel übernachtet, hat gewisse Ansprüche: saubere Zimmer, gutes Essen, freundlicher Service. Im Göttinger Tagungshotel "Freizeit In" gehen manche Gäste mit ihren Ansprüchen allerdings zu weit. Eine Frau wollte sich von einer Kellnerin nicht bedienen lassen, weil diese ein Kopftuch trägt. Derartige Fälle kommen in dem Hotel in jüngster Zeit häufiger vor. Der Chef des Hauses will das nicht hinnehmen.

Hotelchef geht gegen Diskriminierung vor

"Das ist nicht unsere Philosophie"

Seit Beginn der Flüchtlingskrise gebe es immer wieder Gäste, die sich von Menschen mit Migrationshintergrund nicht bedienen lassen wollten, sagt Olaf Feuerstein, Geschäftsführer des Tagungshotels. So sei es auch einer jungen Auszubildenden ergangen, die in Deutschland geboren ist und bei der Arbeit im "Freizeit In" ein Kopftuch trägt. Eine Tagungsteilnehmerin lehnte sie als Bedienung ab. Sie habe aufgrund der Terroranschläge in Paris Angst vor der jungen Frau. "Ich habe ihr zu verstehen gegeben, dass das nicht unsere Philosophie ist, und dass sie künftig ein anderes Tagungshaus aufsuchen muss", erzählt Feuerstein. Er müsse sein Personal schützen.

Dehoga: Neue Art der Diskriminierung

Hotelpersonal, das wegen eines Kopftuchs diskriminiert wird, das sei neu, sagt Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Niedersachsen. Der Kunde sei zwar König, bei Beleidigung von Mitarbeitern gebe es aber Grenzen. Dann dürfe man den Gast freundlich des Hauses verweisen.

Plakate stärken Angestellten den Rücken

Weil es solche Probleme wiederholt gegeben hat, hängen im "Freizeit In" jetzt Plakate: "Wer in unseren Häusern von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund nicht bedient werden möchte, den möchten wir auch nicht bedienen", steht darauf. Die Auszubildende sei wegen der Zurückweisung sehr erschrocken gewesen, berichtet Feuerstein. Sie habe den Schock inzwischen aber überwunden und führe ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau im "Freizeit In" fort.

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