Stand: 12.02.2016 15:12 Uhr

Landeroboter "Philae": Die Hoffnung stirbt zuletzt

Lange schon ist es still um den Landeroboter "Philae" auf dem Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko". Seit dem 9. Juli 2015 hat das Mini-Labor kein Signal mehr von sich gegeben. Projektleiter Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) schätzt die Chance, noch einmal etwas von dem Lander zu hören, "gegen Null" ein. Einer der beiden leitenden Wissenschaftler der "Philae"-Mission, Hermann Böhnhardt vom Göttinger Max-Planck Institut (MPI) für Sonnensystemforschung, hat die Hoffnung dagegen noch nicht aufgegeben. Es gebe eine Erklärung dafür, dass es in den vergangenen Monaten keinen Kontakt zum Landeroboter gegeben habe. Und die lasse noch einen Funken Hoffnung zu, sagte Böhnhardt NDR.de.

"Rosetta" horcht weiter nach "Philae"

Demnach könnte der Landeroboter seinen Aufenthaltsort auf dem Kometen verändert haben. Da er über Richtantennen mit der Raumsonde "Rosetta" kommuniziere, sei er dazu nun möglicherweise nicht in der Lage, so Böhnhardt. Aus diesem Grund sende "Rosetta" bei ihrer Umkreisung des Kometen weiterhin Signale aus, um möglicherweise doch noch Kontakt zu "Philae" zu bekommen. Das sei auf jeden Fall noch bis zum Sommer möglich, so Böhnhardt. Danach werden sich "Rosetta" und der Komet so weit von der Sonne entfernen, dass auch die Energiezufuhr der Raumsonde zu gering wird.

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Forscher geben "Philae" nicht auf

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Fotos vom Landeort sollen Gewissheit bringen

Sobald die Kometenaktivität nachlasse, werde "Rosetta" auch wieder dichter an "Tschuri" heranfliegen können und Aufnahmen von "Philaes" Landeort machen, sagte der Göttinger Wissenschaftler. Dann haben die Forscher Gewissheit, ob sich "Philae" vom Landeort wegbewegt hat. Sollte das Mini-Labor allerdings noch dort liegen, wo es im November 2014 mit ein paar Hopsern auf dem Kometen landete, kommt mit Gewissheit eines der anderen beiden Szenarien für die Funkstille der Landeeinheit infrage: Entweder gibt es einen technischen Fehler an Bord oder es hat sich durch die Kometenaktivität eine Staubschicht auf "Philaes" Solarzellen gelegt, sodass er keine Sonnenstrahlen zur Energiegewinnung mehr aufnehmen kann. Böhnhardt setzt auf eine Lageänderung des Landeroboters. "Das ist die letzte Hoffnung."

Wissenschaftler mit Mission trotzdem zufrieden

Im September soll "Rosetta" dann auf "Tschuri" landen. Obwohl die Sonde mit ihren langen Solarpaneelen eigentlich nicht für ein derartiges Manöver geeignet ist und hart aufschlagen könnte, wollen die Wissenschaftler es versuchen. Wie auch immer dieses Manöver ausgehen wird, mit den bisher von "Philae" gesammelten Daten sind die Wissenschaftler sehr zufrieden. "Wir haben faszinierende Daten erhalten, mit denen wir noch viele Jahre arbeiten können", sagte Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR.

Ein Wermutstropfen bleibt

Auch Böhnhardt ist zufrieden mit den Daten, die "Philae" beim Abstieg zum Kometen gesendet hat. "Anhand der Daten konnten wir für die Entstehungsgeschichte des Planetensystems schöne Aussagen treffen." Ein Highlight seien auch die Informationen über die anorganische Chemie auf dem Kometen. Ein Wermutstropfen ist für ihn jedoch, "die wissenschaftliche Zielsetzung der Langzeitmission nicht erreicht" zu haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 12.01.2016 | 15:30 Uhr