Stand: 27.08.2017 12:30 Uhr

Hilfe aus der Luft - Drohne im Hochwassereinsatz

von Sebastian Deliga

Der Name scheint passend. "Hugin" haben die Ingenieure der Technischen Universität (TU) Braunschweig ihre Erfindung genannt. Eine Drohne, die bei Hochwassereinsätzen helfen soll. Hugin ist der Name eines Raben des Göttervaters Odin und stammt aus der nordischen Mythologie. Odin sendet seine beiden Raben, Hugin und Munin, über die ganze Welt, damit sie ihn mit Informationen versorgen. Ähnlichen Nutzen wollen auch die TU-Ingenieure ziehen: Ihre Drohne soll in Katastrophenfällen den Helfern ein umfassendes Lagebild aus der Luft liefern - etwa, wenn Hochwasser ganze Städte überschwemmt.

Eine Drohne ist neben einem Fluß gelandet. © NDR

Drohnen helfen in der Hochwasserforschung

Hallo Niedersachsen -

Die Drohne "Hugin" hilft in Zukunft bei Hochwassereinsätzen. Ingenieure der TU Braunschweig entwickelten die Drohne, die schon im Juli bei den Starkregenfällen zum Einsatz kam.

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Erste Bewährungsprobe für "Hugin"

Der erste Einsatz im Ernstfall kam völlig überraschend, als im Juli das Hochwasser nicht nur viele Orte im Harz flutete, sondern auch Teile Braunschweigs erreichte. Im Lagezentrum habe er zum ersten Mal von der Drohne "Hugin" gehört, sagt Andreas Hartmann, Geschäftsführer der Stadtentwässerung Braunschweig. "Da kam durch Zufall die Information an uns heran, dass ein Projekt an der TU läuft, mit dem man die Drohnen nutzbringend einsetzen kann." Hartmann fackelte nicht lange: Diese Drohnenbilder wollte er haben. "Hugin" musste an den Start. Mitten in der Forschungsphase. Würde sich die Drohne bewähren?

Die Bilder zum Hochwasser in Niedersachsen

Aus der Theorie in die Praxis

Die Ingenieure brachten "Hugin" aus der Studierstube ins echte Leben. "Hochwasser ist nicht schön. Aber es ist natürlich gut, unser System zu zeigen", sagt Jan Schattenberg. Er und seine Kollegen Simon Batzdorfer, Martin Becker und Hannes Harms von der TU Braunschweig sind "Hugins" geistige Väter. "Gerade im Austausch mit der Stadtentwässerung zeigt sich auch, dass es schon richtig ist, was wir hier in der Uni machen." Hartmann setzte bereits auf "Hugins" Dienste. Er ließ während des Hochwassers die Ingenieure "Hugin" vor allem das Gebiet vom Eisenbütteler Wehr bis zur Volkswagenhalle überfliegen und Luftbilder senden. Ein Wagnis, denn die Drohne ist längst noch nicht perfekt: Bei Nebel, Dunkelheit oder Starkregen versagen ihre Sensoren. Zum Glück war es am Tag nicht nebelig, und auch der Regen war schon vorbei. "Hugin" konnte brillieren.

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Bis zu 30 Minuten in der Luft

Ausgerüstet ist die Drohne mit Sensoren und speziellen Kameras. Bis zu 30 Minuten kann "Hugin" in der Luft bleiben und auch stärkerem Wind trotzen. Gesendet werden Bilder in 2D und 3D direkt an eine Computerstation. "Da es ein Forschungsprojekt ist, dauert es noch relativ lange, bis alles läuft, bis die Kommunikation aufgebaut ist und die Systeme verbunden sind", sagt Schattenberg. "Aber das Ziel ist natürlich, in wenigen Minuten alles startklar zu haben, wenn es einen Einsatz gibt." Das DLR Raumfahrtmanagement fördert das Projekt der TU-Ingenieure mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie im Umfang von rund einer Million Euro.

"Sonst nur die Möglichkeit, dorthin zu fahren"

"Mithilfe dieser Drohnenaufnahmen kann man sehr gut erkennen, wie hoch das Wasser tatsächlich an verschiedenen Stellen steht", sagt Hartmann. "Man hat ja sonst nur die Möglichkeit, dorthin zu fahren, um das Ganze in Augenschein zu nehmen." Und das kostet viel Zeit. "Mit den Drohnen bekommt man einen sehr guten Überblick", so Hartmann weiter. "Hugins" Bilder hätten der Feuerwehr sehr geholfen, weil wichtige Fragen schnell beantwortet würden: "Wo müssen Warnungen ausgesprochen werden, wo sind Sandsäcke erforderlich, wo müssen die hingebracht werden, wie kommt man am besten überhaupt dahin?"

Bundesweiter Einsatz bei Hochwasser?

Bisher hätten die Einsatzkräfte Straßen auch vorsorglich absperren müssen, obwohl sie noch gar nicht gewusst hätten, ob das Hochwasser die Stelle überhaupt erreichen würde. Dank "Hugin" könnten die Helfer jetzt viel effektiver handeln. Drohnen sollten bundesweit bei jedem Hochwasser eingesetzt werden, fordert Hartmann deshalb. "Besonders in Städten, die nicht so viel Zeit haben, sich auf ein Hochwasser einzurichten - zum Beispiel Goslar oder Bad Harzburg." Dort wäre nach Hartmanns Überzeugung die Arbeit mit Drohnen ein erheblicher Vorteil, weil Wasser aus dem Harz wegen des starken Gefälles diese Städte schnell erreiche. Die Luftbilder der Drohnen könnten anzeigen, wo die Bäche und Flüsse schon übergelaufen sind. Im Ernstfall erhalten die Retter damit ein umfassendes Lagebild, sagt TU-Ingenieur Becker: "Im Prinzip machen wir während des Fluges Einzelbilder aus der Luft, die dann in unserer Datenverarbeitung zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden."

Forschung geht weiter

Die Stadtentwässerung will die Luftbilder künftig auch zur Langzeitbeobachtung nutzen und frühere Hochwasserkarten kontrollieren. Und auch "Hugin" ist noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten: Die Forschung geht weiter. Künftig soll die Drohne mit einer Wärmebildkamera auch Verletzte finden können und auch bei Nebel, Dunkelheit oder Starkregen Bilder liefern, die in Notfällen Leben retten können.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 27.08.2017 | 19:30 Uhr

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