Stand: 25.05.2017 08:35 Uhr

Harz-Karten für Mountainbiker mit Benimm-Kodex

von Tino Nowitzki

Karten über den Harz sind wahrlich keine Mangelware. Die schnellsten Skipisten, die schönsten Aussichtspunkte - gerade für Wintersportler und Wanderer ist nahezu jeder Winkel des Gebirges erkundet und in faltbarer Form oder als App greifbar. Selten sind dagegen Karten nur für Mountainbiker. Maximilian Schmidt hilft, genau das zu ändern: Der 26-Jährige hat an einer speziellen Karte für Freunde des Offroad-Erlebnisses gearbeitet. Besonders steinige Strecken sind darin genauso zu finden wie Warnungen vor Wanderern und Mountainbike-Benimmregeln. Auch die Harzer Mountainbike-Szene hat an der Karte mitgewirkt. Das Gebiet um den Brocken hat Schmidt bereits erfasst. Nun strickt er an einer Karte für Goslar und Umgebung.

Mountainbike-Trails sind vielen unbekannt

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Maximilian Schmidt fiel auf, dass er selbst und andere kaum spezielle Mountainbike-Strecken im Harz kennen.

Angefangen hat es mit einem Weckruf-Erlebnis. Als Maximilian Schmidt nach einigen Jahren wieder in den Harz zurückkehrte und nach Pisten für sein Hobby Mountainbiken suchte, da fiel ihm auf: Er kennt gar keine. Auch andere Mountainbiker sah er mit Regelmäßigkeit gemächlich die breiten Forstwege entlang radeln. Strecken mit gehörig Stöckern und Steinen, rasanten Abfahrten und steilen Anstiegen - also alles, was einem Mountainbiker das Herz höher schlagen lässt - waren vielen offensichtlich unbekannt. Für Schmidt war klar: Jemand muss für Aufklärung sorgen. In einem Kartografie-Familienunternehmen aufgewachsen, bekam er ziemlich schnell das Okay für sein Projekt aus der Firmen-Leitung. Seitdem schnappt er sich regelmäßig sein Rad und springt über Wurzeln, erklettert Felsen und zeichnet dabei penibel auf, was er sieht.

Jede Wurzel wird mitgenommen

Hinter den Erkundungstouren steckt eine Idee: Von Anfang an wollte Schmidt, dass in der Karte nicht einfach nur ein paar ausgewählte Routen abgebildet sind. Stattdessen sollten Mountainbiker möglichst alle Wege eines bestimmen Gebiets darin finden. Sicher: Forst- und Waldwege oder enge Pfade stehen auch in jeder Wanderkarte. Ein paar Sachen kann der Kartograf aber nur im Feldversuch herausfinden. Beispielsweise wie schwierig so ein Pfad - in der Mountainbike-Sprache Trail genannt - tatsächlich ist. Dann nimmt Schmidt jeden Stein, jede Wurzel und jeden Abhang mit. Von besonders schönen Plätzen oder extrem schwierigen Passagen macht er sich Notizen. Von steilen Hängen zum Beispiel, die nur sehr erfahrene Mountainbiker fahren sollten. Oder Steinen, die man nur mit bestimmter Technik hochkommt. Ab und an macht er auch Fotos solcher Stellen und verknüpft sie gleich mit einer speziellen Kartografie-App auf seinem Handy. "Wenn ich ein paar Stunden unterwegs bin, vergesse ich sonst wo was war", sagt Schmidt.

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Auch beliebte Wander-Routen sind auf der Karte ausgewiesen, um Zusammenstöße zwischen Radlern und Fußgängern zu vermeiden.
Mountainbike-Szene hat mitgearbeitet

Zum Abgleich hat er bei seinen Ausfahrten außerdem eine Wanderkarte dabei. Dort schreibt er sich gleich Abweichungen auf und kritzelt Zahlen hinein. Sie stehen für den Schwierigkeitsgrad des Trails und finden sich am Ende auch in der fertigen Karte wieder: orange für einfache Strecken, blau für mittelschwere und rot für die Experten-Varianten. Für extrem knifflige Trails wird sogar die empfohlene Fahrtrichtung anzeigt. Die IG Harz als Interessengemeinschaft der Mountainbiker begrüßt derweil die Detailliertheit der Karten: Für viele Mountainbiker sei es nicht genug, vorgefertigte Routen abzufahren, meint Garrit Wenzel von der IG. Auch was es sonst an Karten für den Sport gebe, sei eher unbrauchbar. Wenzel: "Das sind meist nur leicht verbesserte Wanderkarten." Umso schöner sei es gewesen, bei Schmidts Projekt mitwirken zu können. So kam manch eine Idee dazu: Die international verwendete Single-Trail-Skala zum Beispiel, die eine zusätzliche Einteilung der Schwierigkeit bietet. Auch ein Verhaltens-Kodex für Mountainbiker ist dabei.

Benimm-Regeln für Mountainbiker

Darin wird zum Beispiel Respekt vor Fußgängern und Tieren angemahnt. So sollen Mountainbiker den Wald möglichst vor der Dämmerung verlassen, um Tiere nicht bei der Nahrungsaufnahme zu stören. Außerdem wird dazu geraten, mit angepasster Geschwindigkeit zu radeln, um Zusammenstöße mit Fußgängern zu vermeiden und das Bremsen mit blockierten Rädern zu unterlassen. Das trage erheblich zur Bodenerosion bei. "Der Kodex soll auch zeigen, dass wir Mountainbiker normale Menschen sind und keine wilden Säue, die die Wege kaputt fahren", sagt Wenzel. Auch wenn es hier und da schwarze Schafe gebe. Dann und wann komme es nämlich zu Beschwerden von Wanderern über angeblich rüpelhafte Radler, hat auch Maximilian Schmidt beobachtet - wenngleich die meisten Begegnungen friedlich verlaufen würden.

Neue Karte für Goslar und Umgebung

Wer trotzdem lieber ungestört radeln oder niemanden belästigen möchte, der findet in der Karte auch von Wanderern häufig frequentierte Strecken. So viele Informationen zusammen zu tragen, dauert natürlich seine Zeit. Nicht nur, weil Schmidt alles selbst abfährt. Die Daten muss er am Ende auch in einem Grafik-Programm einlesen und die Karte im Betrieb in Wernigerode am Computer bauen. So haben die ersten Karten für die Gebiete zwischen Wernigerode und Brocken und Braunlage und Brocken je gut ein Jahr gebraucht. Zusätzlich muss jede Karte alle paar Jahre erneuert werden, weil die Natur die Trails verändert. Für Schmidt heißt das: erneut auf das Rad. Schon jetzt ist er regelmäßig in der Gegend um Goslar unterwegs. "Die Nachfrage für eine Karte von dort war immens groß", sagt Schmidt. Stress ist es nicht für ihn. Im Gegenteil: "Das ist einfach eine schöne Arbeit!"

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Hallo Niedersachsen | 22.04.2017 | 19:30 Uhr

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