Stand: 20.06.2017 16:20 Uhr

Göttinger Uni-Knast für 100.000 Euro saniert

Kein Ort mit Wohlfühlcharakter: Eine "Karzer"-Zelle ist mit wenig mehr als Tisch, Stuhl und Toilette ausgestattet.

Öffentliche Trunksucht, nächtliches Lärmen und "ständiger Unfleiß": Was heute für viele Studenten fast zum guten Ton gehört, wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein an der Universität Göttingen hart bestraft - mit einem Aufenthalt in einem eigenen Gefängnis. "Studentenkarzer" heißen die Räume, die bis 1933 genutzt wurden. Mit der Zeit verschlechterte sich ihr Zustand. Nun sind sie saniert. 100.000 Euro hat das gekostet. Mehr als drei Viertel der Summe seien durch Spenden gedeckt worden, sagte der Sprecher der Hochschule, Romas Bielke. Am Freitag sind Spender, Freunde und Förderer zur Feier in den "Karzer" eingeladen.

"Einzigartiges Zeugnis der Universitätsgeschichte"

Bis zu 14 Tage mussten Studenten in dem Uni-Knast einsitzen. Unter den so bestraften befand sich unter anderem der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck. Wie viele andere verewigte sich von Bismarck in einer der Zellen. Sie malten Konterfeis an die Wände und ritzten ihre Namen ein. Nun wurden Wände gefestigt, Zeichnungen gesäubert und lose Farbpartikel fixiert, hieß es von der Hochschule. "Damit wurde ein einzigartiges Zeugnis der Universitätsgeschichte gerettet", sagte Uni-Sprecher Bielke. Der "Karzer" ist seit zehn Jahren wieder für Besucher begehbar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 20.06.2017 | 15:30 Uhr