Stand: 05.03.2016 12:53 Uhr

"Unerschrocken gegen Rechts": Friedenspreis verliehen

Bild vergrößern
Birgit Lohmeyer sagte in ihrer Dankesrede, der Friedenspreis stärke sie, ihren Mann und die vielen Helfer in ihrer weiteren Arbeit.

Der Göttinger Friedenspreis ehrt Personen oder Projekte, die sich um den Frieden verdient machen - seit nunmehr 17 Jahren. Am Sonnabend ist die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung wieder verliehen worden. Dieses Mal gibt es gleich zwei Preisträger: Einer davon ist die freie Theatergruppe "Boat People Projekt" aus Göttingen, die Flüchtlinge an der Produktion und Aufführung ihrer Stücke beteiligt. Prämiert wurden außerdem die Eheleute Lohmeyer aus Jamel in Nordwestmecklenburg, die in dem bundesweit als "Nazidorf" verschrienen Ort ein Rockfestival gegen Rechts organisieren.

Unermüdlicher Einsatz gegen Rechts

Das Projekt "Rockmusik für Demokratie und Toleranz" von Birgit und Horst Lohmeyer werde für "unerschrockenen Einsatz und Zivilcourage im Kampf gegen Neo-Nazis in Mecklenburg-Vorpommern" ausgezeichnet, heißt es in der Begründung der Jury. Seit 2004 wohnen die beiden in Jamel, seit 2007 organisieren sie dort jährlich ein Open-Air-Festival. Die Eheleute wurden immer wieder von Rechtsextremisten bedroht. Im vergangenen Jahr gerieten die Lohmeyers deutschlandweit in die Schlagzeilen - als ein Brandanschlag auf die Scheune ihres Forsthofes verübt wurde. Die Polizei geht von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus.

Theater lässt Flüchtlinge eigene Geschichte erzählen

Bild vergrößern
Die Mitglieder des "Boat People Projekts" haben die Urkunde am Sonnabend in der Aula der Universität Göttingen in Empfang genommen.

Überzeugt haben die Jury des Friedenspreises auch Göttinger Theatermacher: "Das Boat People Projekt" mache Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Geschichte zu Protagonisten - auch ohne Bühnenausbildung. In jeder Produktion untersuchten die Theaterschaffenden aufs Neue, wie sich die Gesellschaft durch Zuwanderung und Integration verändere, begründete die Stiftung ihre Wahl. "Wir waren sehr überrascht und dankbar, als wir von dem Preis erfahren haben", sagte Regisseurin Nina de la Chevallerie NDR 1 Niedersachsen. Mit Drehbuchautorin Luise Rist hat sie 2009 das "Boat People Projekt" gegründet.

Der Göttinger Friedenspreis erinnert an den 1997 gestorbenen Wirtschaftsjournalisten Roland Röhl, der sich mit Sicherheitspolitik und Konfliktforschung befasste. Frühere Preisträger waren unter anderem die Organisation "Pro Asyl" und der mittlerweile verstorbene SPD-Politiker Egon Bahr. Im vergangenen Jahr wurde die sogenannte Polit-Putze Irmela Mensah-Schramm ausgezeichnet, die seit Jahren in ganz Niedersachsen gegen Hassparolen "anputzt".

Weitere Informationen

Ein Ehepaar im Dorf der Neonazis

Birgit und Horst Lohmeyer wohnen in Jamel. Das Dorf gilt als Hochburg von Neonazis. Doch das Künstlerehepaar bietet den Rechtsextremen die Stirn - und ist dafür schon mehrfach geehrt worden. (05.03.2016) mehr