Stand: 10.02.2016 10:08 Uhr

Familie vor versuchter Abschiebung untergetaucht

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Die Polizei durchsucht mit einem Großaufgebot einen Wohnblock in Göttingen.

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei in Göttingen versucht, zwei seit 17 Jahren in Deutschland lebende Roma-Familien in den Kosovo abzuschieben - allerdings ohne Erfolg. Die Beamten durchsuchten am frühen Mittwochmorgen einen Wohnblock, wie die Polizei mitteilte. Die vier Erwachsenen und deren insgesamt 13 Kinder, die jahrelang geduldet wurden, seien nicht angetroffen worden. Offenbar sind die Familien zuvor untergetaucht.

Alle Rechtmittel waren ausgeschöpft

Der versuchten Abschiebung ging ein jahrelanger Rechtsstreit vorweg: Das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg hatte erst in der vergangenen Woche Beschwerden der Familien gegen die Abschiebung zurückgewiesen. Die Familien waren jahrelang von der Stadt Göttingen geduldet worden. Ein Asylverfahren betrieben sie nicht, Anträge auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis wurden abgelehnt, zwei Eingaben an die niedersächsische Härtefallkommission blieben erfolglos. Nach dem Auslaufen der Duldung hatte das Göttinger Verwaltungsgericht im Dezember Anträge der Familien auf Abschiebeschutz abgelehnt. Die Richter begründeten dies unter anderem mit mangelnden Integrationsbemühungen. Das OVG bestätigte im Kern diese Entscheidung. Damit sind die Rechtsmittel in dem Verfahren ausgeschöpft.

Initiativen und Parteien hatten protestiert

Der Fall der Familien hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die Familie lebte seit rund 17 Jahren in Deutschland. Die meisten der Kinder wurden in Deutschland geboren. Die Familien waren Ende der 1990er-Jahre nach Deutschland gekommen. Für ein Bleiberecht der Familie setzen sich zahlreiche Initiativen und Parteien ein, darunter die Gesellschaft für bedrohte Völker und das örtliche Roma-Center. Auch der Göttinger Rat befasst sich an diesem Freitag mit dem Thema. Grüne, Linke und Piraten haben beantragt, den Roma eine weitere Duldung zu erteilen.

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