Stand: 19.06.2015 15:44 Uhr

Familie darf türkischen Nachnamen nicht ändern

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Das Verwaltungsgericht Braunschweig wies die Klage der Familie ab.

"Dennis Yilmaz" oder "Dennis Müller" - macht der Name einen Unterschied? Ja, sagt eine deutsch-türkische Familie und hat vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig auf eine Änderung des Familiennamens geklagt, nachdem ein entsprechender Antrag vom Standesamt abgewiesen worden war. Der türkische Nachname, den Vater und Kinder tragen, hätte zu Diskriminierungen in der Schule geführt, argumentierten die Eltern. Deswegen wollten sie nun den Familiennamen des Vaters auf den deutschen Namen der Mutter wechseln. Doch auch das Gericht lehnte die Forderung ab.

Gericht: "Argumente nicht ausreichend"

Nach Angaben des Gerichts vermuten die Eltern, dass ihre Kinder wegen des Nachnamens für ein Jahr vom Schulbesuch zurückgestellt wurden. In diesem Zusammenhang sei ihnen auch ein spezieller Sprachförderbedarf attestiert worden, den die Familie selbst gar nicht sehe. Für eine Namensänderung seien diese Argumente aber nicht ausreichend, so Gerichtssprecher Torsten Baumgarten. Eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Zwillinge durch ihren Nachnamen habe die Familie nicht belegen können.

Studie zeigt Benachteiligung

"Ein ausländisch klingender Familienname allein rechtfertigt eine Namensänderung jedenfalls nicht", kommentierte der Gerichtssprecher die Entscheidung. Eine "schwerwiegende Beeinträchtigung" sei nicht nachweisbar. Dass der Nachname aber durchaus einen Unterschied bedeuten kann, zeigte eine im März 2014 durchgeführte Arbeitsmarktstudie des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Migration und Integration (SVR). Wie die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berichtete, wurden im Rahmen der Studie 3.600 Bewerbungen mit deutschen und türkischen Nachnamen verschickt. Die Auswertung ergab: Um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, müssen gut qualifizierte Kandidaten mit einem deutschen Namen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, Bewerber mit türkischem Namen sieben.

Großteil der Anträge wird abgelehnt

Bis zu 50 Anträge auf Namensänderung bearbeitet die Stadt Braunschweig pro Jahr, sagte Pressesprecher Adrian Foitzik. Der Großteil werde abgelehnt. "Das soll auch so sein. Es gilt der Grundsatz der Namenskontinuität", so der Sprecher.

Schröder-Köpf bedauert Gerichtsentscheid

"Es stimmt mich traurig, dass die Familie offenbar über Jahre hinweg ganz offenkundig so schlechte Erfahrungen gemacht hat", sagte die Niedersächsische Migrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf am Freitag. Es handle sich ihren Informationen zufolge aber nicht um einen Einzelfall. Menschen mit ausländisch klingenden Namen würden bei Wohnungsbesichtigungen häufig gar nicht erst berücksichtigt werden. Wer sich diskriminiert fühlte, könnte sich an das Büro der Landesbeauftragen wenden, so Schröder-Köpf. "Wir versuchen, dann zu helfen."