Stand: 16.10.2015 18:09 Uhr

Ex-Verfassungsrichterin wird VW-Vorstand

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Christine Hohmann-Dennhardt wird die erste Vorstandsfrau in der Geschichte des VW-Konzerns.

Der VW-Konzern holt im Kampf gegen die Abgas-Affäre die Daimler-Vorstandsfrau Christine Hohmann-Dennhardt in seine eigene Führungsetage. Der Konkurrent aus Stuttgart habe dem Wunsch entsprochen und entlasse die ehemalige Bundesverfassungsrichterin frühzeitig aus ihrem bis Februar 2017 laufenden Vertrag, teilten die beiden Autobauer am Freitag zeitgleich mit.

Erste Vorstandsfrau in der Geschichte des VW-Konzerns

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Hohmann-Dennhardt wechselt zum 1. Januar nächsten Jahres in den Vorstand der Volkswagen AG und für das neu geschaffene Ressort "Integrität und Recht" zuständig sein. Dort soll die 65 Jahre alte promovierte Juristin Volkswagen helfen, den Abgas-Skandal zu bewältigen. Die Wolfsburger hatten die Schaffung des neuen Ressorts für Compliance bereits bekannt gegeben. Neben ihrer Funktion als Richterin am Bundesverfassungsgericht war Hohmann-Dennhardt auch hessische Justizministerin für die SPD. Sie wird zur ersten Vorstandsfrau in der Geschichte des VW-Konzerns.

"Wir freuen uns, dass wir Frau Dr. Hohmann-Dennhardt für diese verantwortungsvolle Aufgabe gewinnen konnten und auf ihre herausragende Fachkompetenz und Erfahrung bauen können", sagte VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch laut Mitteilung.

"Compliance Officer" gibt es seit 2001

In den vergangenen Wochen hatten sich die Hinweise darauf verdichtet, dass VW das Thema auf höchster Ebene ansiedeln will. Zwar hatte Volkswagen - auch als Lehre aus anderen Affären wie den Lustreisen von Betriebsräten auf Firmenkosten - den Kampf gegen Regelverstöße schon seit Längerem als wichtige Unternehmensfunktion erkannt. In Person von Frank Fabian gab es im Konzern seit 2001 einen sogenannten Compliance Officer. Eine Aufwertung des Postens in den Vorstand könne aber durchaus eine große Außenwirkung haben, hieß es aus dem Unternehmen. Siemens und Daimler hatten bei großen Schmiergeldfällen ähnlich reagiert, um die Behörden milde zu stimmen.

Volkswagen kämpft nach Abgas-Skandal mit weiter sinkendem Absatz

Parallel zur neuen Personalie gab der Volkswagen-Konzern am Freitag die Absatzzahlen für die vergangenen neun Monate bekannt. Demnach haben die Wolfsburger in diesem Zeitraum weltweit rund 1,5 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Insgesamt lag der Absatz bei 7,43 Millionen Fahrzeugen. Vor allem die Kernmarke VW musste ein Minus von vier Prozent verbuchen. Hauptursachen dafür waren dem Konzern zufolge starke Absatzeinbrüche in Russland (-37 Prozent) und Brasilien (-33 Prozent). Im wichtigen chinesischen Markt verkauften die Wolfsburger 5,2 Prozent weniger Autos. Das konnte auch nicht das Verkaufsplus von 3,5 Prozent in Europa ausgleichen. Der Abgas-Skandal, der am 18. September bekannt wurde, dürfte sich in den Zahlen noch nicht auswirken. Doch auch unabhängig davon hätte es VW angesichts des aktuellen Minus schwer, genau so viele oder sogar mehr Fahrzeuge als 2014 abzusetzen.

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