Stand: 14.03.2017 09:00 Uhr

Erster Brennstoffzellenzug rollt aufs Gleis

von Frauke-Ragna Lipprandt

Er soll ein Pionier auf der Schiene sein und könnte eine Revolution in der Verkehrsgeschichte auslösen, hofft der Hersteller: der Coradia iLint - ein mit Brennstoffzellen betriebener Zugprototyp. Gebaut wurde er von Alstom in Salzgitter. Es ist ein Zug, der entwickelt wurde, um drei Dingen Herr zu werden: den stetig steigenden Preisen für fossile Brennstoffe, den strengen Vorschriften für Geräuschemissionen und der Umweltverschmutzung durch Kohlendioxid-Ausstoß. Das Ergebnis wird heute auf dem Alstom-Testgelände der Öffentlichkeit präsentiert.

Wasserstoff soll Diesel ersetzen

Auf nicht-elektrifizierten Strecken werden momentan Dieseltriebwagen mit Verbrennungsmotoren eingesetzt. Doch Diesel ist ein teurer Kraftstoff, der beim Verbrennen viel Lärm macht und Dreck ausspuckt. Das wollten die Entwickler bei Alstom zukünftig vermeiden und begannen, mit Wasserstoff zu experimentieren.

Herzstück des Zuges ist eine Brennstoffzelle

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Außen blau, innen blau: Die Einrichtung des Regionalzugs wirkt modern.

Auf dem Zugdach befinden sich Wasserstofftanks und die Brennstoffzellen. Der Wasserstoff verbindet sich mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft. Aus dieser Reaktion erzeugt die Brennstoffzelle elektrische Energie für die Fortbewegung des Zuges. Die Abfallprodukte bei diesem Vorgang sind lediglich Wasserdampf und Wasser. Überschüssige Energie wird in leistungsstarken Lithium-Ionen-Batterien im Boden des Zuges gespeichert. Diese Energie kann zum Beschleunigen des Zuges und zur Versorgung der Bordsysteme, wie Türen oder Klimaanlage, genutzt werden. Wenn der Zug bremst, werden die Brennstoffzellen weitgehend abgeschaltet. Ist überschüssige Energie vorhanden, wird die Batterie wieder aufgeladen.

Wasserstoff soll für 800 Kilometer reichen

Mit einer Wasserstoff-Tankladung könne der Zug bis zu 800 Kilometer weit fahren, gibt der Hersteller an. Er fahre mit 140 Kilometern pro Stunde außerdem genauso schnell wie die Dieseltriebzüge. Auch sein Beschleunigungs- und Bremsverhalten sei vergleichbar, so Alstom. Der Zug wurde innerhalb der letzten zwei Jahre entwickelt und das erste Mal im vergangenen Jahr auf der InnoTrans, der größten Fachmesse der Bahnindustrie, vorgestellt. Der Prototyp wird nächstes Jahr vorerst auf Probestrecken zwischen Cuxhaven und Bremerhaven sowie zwischen Buxtehude und Bremerhaven fahren. Danach sollen weitere Züge ihren Betrieb aufnehmen, die an speziellen Anlagen betankt werden.

Woher kommt der Wasserstoff?

Kritische Fragen zu der Technik kommen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der will wissen: Woher kommt eigentlich der Wasserstoff und wie kann das Problem der Speicherung gelöst werden? Denn Wasserstoff finde sich in der Natur kaum in reiner Form. Er müsse mit einem hohen Energieaufwand hergestellt werden. Dabei könnten CO2-Emissionen und Schadstoffe entstehen. Die Energiebilanz der neuen Zugtechnik sei also davon abhängig, wie Wasserstoff produziert werde, sagt Friedhart Knolle, Sprecher des BUND Niedersachsen. Brennstoffzellenfahrzeuge seien nur dann wirklich klimafreundlich, wenn der benötigte Wasserstoff mithilfe von erneuerbaren Energien erzeugt werde - zum Beispiel aus Wind- oder Wasserkraft und nicht aus Erdgas oder Ethanol.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 14.03.2017 | 19:30 Uhr

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