Stand: 02.06.2017 21:02 Uhr

Ermittlungen gegen Audi werden ausgeweitet

Die Staatsanwaltschaft München weitet ihre Ermittlungen gegen die VW-Tochter Audi aus. Eingeschlossen seien nun auch Fahrzeugverkäufe in Deutschland und Europa, nicht nur wie bisher in den USA, sagte ein Sprecher. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Audi auch in Deutschland eine illegale Abgas-Software verwendet hat. Audi will Zehntausende manipulierte Autos zügig in die Werkstätten rufen.

"Wir arbeiten mit den Behörden zusammen"

Die Schummelsoftware erkennt, wenn das Auto auf einem Fahrprüfstand ist, und schaltet erst dann die Abgas-Reinigungssysteme an - die ansonsten durchgehend in Betrieb sein müssten. Audi teilte auf Anfrage mit: "Wir arbeiten mit den Behörden zusammen." Aus Konzernkreisen verlautete, die VW-Tochter habe seit einem halben Jahr alle Motoren durchgemessen und bei bestimmten Fahrsituationen erhöhte Stickoxid-Werte festgestellt. Dies habe Audi dem Kraftfahrtbundesamt umgehend mitgeteilt und bereits an einer Lösung gearbeitet. Am Freitag hat Audi-Chef Rupert Stadler Vorwürfe zurückgewiesen, wonach Modelle seiner Firma eine illegale Software zur Abgas-Manipulation besitzen. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung richtete sich Stadler in einer Videobotschaft an die Audi-Belegschaft. Darin sagte er dem Bericht zufolge, in bestimmte Diesel-Modelle sei zwar eine Software eingebaut worden. Diese sei aber nach bestehenden Gesetzen zulässig.

 

Dobrindt: Weitere Fahrzeuge des VW-Konzerns werden untersucht

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte am Donnerstag, dass 24.000 Fahrzeuge der Modelle A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren zurückgerufen werden müssten. Es handele sich um Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2013. Die betroffenen Fahrzeuge seien jeweils zur Hälfte auf dem deutschen und auf dem europäischen Markt. VW müsse zum 12. Juni Lösungsvorschläge zur Umrüstung übermitteln. Er habe bereits mit VW-Chef Matthias Müller gesprochen. Dobrindt kündigte an, dass nun weitere Fahrzeuge des VW-Konzerns mit ähnlichen Motoren untersucht werden sollen. Welche Modelle, werde derzeit im Ministerium besprochen. Es sei vereinbart worden, dass für alles, was in den Konzernmarken auffällig wird, auch der Konzern die Verantwortung trägt.

Kommentar

Will man nicht aufklären - oder kann man nicht?

02.06.2017 17:08 Uhr
NDR Info

Erst VW, jetzt Audi und keiner will etwas gewusst haben. Die beiden deutschen Automobilhersteller machen bei der Aufklärung des Diesel-Skandals keine gute Figur, kommentiert Ulrich Czisla. mehr

Razzia während der Jahrespressekonferenz

Audi und VW hatten bereits in einem milliardenschweren Vergleich mit dem US-Justizministerium eingeräumt, dass sie in den USA rund 83.000 Autos mit Audi-Dieselmotoren und einer dort illegalen Software verkauft hatten, die niedrigere Abgaswerte angibt. Die Diesel-Verfahren hatten Audi im vergangenen Jahr 1,86 Milliarden Euro gekostet. Audi-Chef Stadler sagte bei der Jahrespressekonferenz im März dieses Jahres: "Als Konsequenz aus der Diesel-Affäre stellen wir bei Audi alles auf den Prüfstand." Während der Jahrespressekonferenz von Audi hatten mehr als 100 Polizisten und Staatsanwälte die Zentrale des Autobauers, weitere Standorte und Wohnungen von Mitarbeitern durchsucht. Die Staatsanwaltschaft hatte "ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung" eingeleitet.

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Der Abgas-Skandal hat Volkswagen in die schwerste Krise der Firmengeschichte gestürzt. Der finanzielle Schaden geht in die Milliarden. Der neue Chef, Matthias Müller, soll VW retten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.06.2017 | 12:00 Uhr

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