Stand: 21.02.2016 15:10 Uhr

Eine Seltenheit: Vierlings-Lämmer in Lutterhausen

von Eva Werler

Dick und kugelrund ist das Mutterschaf am Hof von Peter Hucke gewesen. So dick sogar, dass dem Milchschaf-Züchter aus Lutterhausen im Landkreis Northeim gleich klar war: Da warten wohl noch mehr Lämmer auf ihren Weg in die Welt. Sein geschultes Auge trog ihn nicht. Doch dass es gleich vier Lämmer werden würden, das habe er dann doch nicht erwartet. Beim ersten Jungtier an diesem 2. Februar griff er noch ein, zog es ganz behutsam an den Vorderläufen auf die Welt. "Danach ging alles ganz schnell, die Mutter hat das ganz allein geschafft", erinnert sich Hucke an diesen besonderen Tag.

Vierlings-Lämmer: Anstehen an den Zitzen

Zwei Zitzen - vier hungrige Mäuler

"Bei dieser Rasse sind Vierlinge wirklich eine große Seltenheit", sagt Tierarzt Jörg Steinbrink. Besonders bemerkenswert obendrein: "Alle vier Tiere machen einen wirklich guten Eindruck." Sie hätten klare Augen, bekämen genug Milch von der Mutter und seien alle auf dem gleichen Entwicklungsstand. "Keines der Lämmer hinkt hinterher." Eigentlich, erklärt Steinbrink, bedürfen Vierlinge immer einer besonderen Pflege. "Doch diese schaffen das ohne Weiteres auch so." Das heißt auch, dass Züchter Hucke nicht zufüttern braucht: "Alle Tiere werden satt, obwohl ein Schaf ja nur zwei Zitzen hat." Langsam und nacheinander werde gesäugt - so schaffe es die geduldige Mutter, die hungrigen Lämmer-Mäuler zu stillen.

Eine widerstandsfähige Kreuzung

Dass Huckes Tiere äußerst widerstandsfähig sind, sei eine Eigenschaft beider Rassen - dem ostfriesischen Milchschaf und dem Lacaune aus Südfrankreich, die der Tierwirt miteinander gekreuzt hat. Das zahle sich im alltäglichen Treiben auf dem Hof aus, so Hucke. Er und seine Frau Bettina haben sich auf die Herstellung von Schafmilchprodukten spezialisiert. "Es gehört schon eine große Portion Begeisterung für die Schafzucht dazu", sagt Bettina Hucke, die neben ihrem Beruf als technische Angestellte an der Universität Göttingen den betriebswirtschaftlichen Part übernimmt. "Manchmal verschwindet mein Mann zu den Schafen, kommt einfach nicht zurück. Wenn ich dann nachschaue, sitzt er zwischen den Tieren und beobachtet sie einfach nur."

"Keines wird als Osterlamm enden"

Im Moment lammen viele der Schafe auf dem Hof, deshalb werden sie auch nicht gemolken. Somit ruht auch die Käseproduktion noch bis März. "Wir wollen die Tiere nicht auspowern", sagt Hucke. "Wir züchten auf Lebensleistung, nicht auf Jahresleistung." Dass er ein hingebungsvoller Züchter ist, wird klar, als es um die Zukunft der zwei schwarzen und zwei weißen Schafsmädchen geht. "Sie bleiben alle im Bestand und werden Milchschafe bei uns. Von diesen Tieren wird keines als Osterlamm enden."