Stand: 07.09.2017 11:53 Uhr

Druck auf VW: Milliardenklage aus der Schweiz

Der Druck auf Volkswagen wegen der Software-Manipulationen von Dieselmotoren nimmt nicht ab. Die Schweizer Verbraucherschutz-Stiftung SKS hat gegen VW und dessen Generalimporteur Amag in Zürich Klage eingereicht. Die Wolfsburger sollen wegen Irreführung rund 180.000 VW-Fahrern bis zu 7.000 Franken (gut 6.100 Euro) Schadenersatz zahlen - zusammengerechnet bis zu 1,09 Milliarden Euro. Der Wolfsburger Konzern und Amag hätten die Käufer widerrechtlich getäuscht, teilte die Stiftung am Donnerstag mit. Der Importeur hatte die Vorwürfe schon in der vergangenen Woche zurückgewiesen.

Generalimporteur weist Vorwurf zurück

Da es nach Schweizer Recht keine Sammelklagen wie etwa in den USA gibt, setze die Stiftung zunächst auf eine sogenannte Verbandsklage. Richter sollen dabei feststellen, ob mit den Abgasmanipulationen schweizerisches Recht verletzt wurde. Bei einem positiven Bescheid folge die eigentliche Klage auf Schadenersatz, erklärte Geschäftsführerin Sara Stalder. Laut Generalimporteur Amag liege jedoch weder eine widerrechtliche Täuschung vor, noch sei den Fahrern tatsächlich ein Schaden entstanden. Die Amag habe selbst erst im September 2015 aus den Medien von der "Dieselthematik" gehört und den Verkauf möglicherweise betroffener Neuwagen sofort gestoppt.

Umrüstung soll im Herbst 2017 abgeschlossen sein

Auch auf europäischer Ebene steigt der Druck auf Volkswagen, alle gut acht Millionen betroffenen Fahrzeuge möglichst bald zu reparieren. Man habe Hinweise, dass viele der Autos noch nicht nachgerüstet seien, erklärte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel. In einem Brief an VW fordern nationale Verbraucherschutzbehörden gemeinsam mit der EU-Kommission, dass das Unternehmen nun binnen eines Monats bestätigen soll, dass die Nachrüstung wie versprochen im Herbst 2017 abgeschlossen werde. Andernfalls drohten Schritte in einzelnen Mitgliedstaaten. Es geht um Autos, die wegen manipulierter Testverfahren die Vorgaben für ihre Zulassung eigentlich nicht erfüllen. Volkswagen müsse alle Wagen so instandsetzen, dass sie den Zulassungsregeln entsprechen, erklärte EU-Kommissarin Vera Jourova. Zudem müsse der Hersteller eine Garantie abgeben, falls nach den Reparaturen Probleme aufträten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.09.2017 | 11:00 Uhr

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