Stand: 10.01.2016 14:15 Uhr

Dorf Waake kämpft für seinen Reiterhof

von Marco Schulze

26 Jahre lang war der Reiterhof der Familie Gaarz fester Bestandteil des Dorflebens von Waake, einem kleinen Ort bei Göttingen. In der ansässigen Reitschule trainieren regelmäßig über 60 Kinder und Jugendliche. Doch der Reiterhof, so wie er jetzt besteht, hat keine Zukunft. Das hat der Landkreis Göttingen nun entschieden. Die Besitzer müssen bis Ende März eine andere Bleibe für die Tiere finden. Damit droht auch das Aus für die Reitschule.

Reiterhof vor dem Aus

Reiterhof wurde vom Bauamt nie genehmigt

Die Pferdehaltung sei nie genehmigt worden, sie sei in diesem Umfang an dieser Stelle auch nicht genehmigungsfähig, argumentiert der Landkreis. Familie Gaarz hatte vor 26 Jahren versäumt, eine Baugenehmigung für den Hof einzuholen. "Wir haben den alten Bauernhof ja nur übernommen, ohne bauliche Änderungen vorzunehmen. Daher haben wir den Hof nur beim Veterinäramt angemeldet", erklärt Astrid Gaarz. Im Nachhinein ist eine Genehmigung auch aus Gründen des Planungs- und Immissionsschutzes nicht möglich, wie der Landkreis sagt. Er ist der Auffassung, dass im beschaulichen Waake die Wohnnutzung überwiegt und es sich daher nicht um ein dörfliches Gebiet handelt. Familie Gaarz sieht das anders und hat mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet.

Geruchsgutachten werden unterschiedlich interpretiert

Bemerkt hat der Landkreis die fehlende Baugenehmigung erst, als sich vor zwei Jahren eine Nachbarin wegen Geruchsbelästigung beschwerte. Seitdem steht der Hof der Familie Gaarz unter besonderer Beobachtung. Mehrere, teils unangemeldete, Ortbesichtigungen habe es gegeben, berichtet Astrid Gaarz. Immer wieder musste die Familie neue Auflagen erfüllen. Dazu gehörten unter anderen, dass der Gullideckel versiegelt und der Mist auf einen überdachten Anhänger umgelagert werden musste. Zudem ließen die Besitzer mehrere Gutachten zur Geruchsbelästigung erstellen. Doch all die Maßnahmen haben den Landkreis nicht überzeugt. Astrid Gaarz weiß nicht mehr weiter: "Das macht uns fassungslos und traurig. Für unsere Tochter Lisa, die die Reitschule führt, hängt die Existenz daran", so die 53-Jährige.

Dorfgemeinschaft kämpft um den Erhalt

Wie sehr die Dorfgemeinschaft hinter dem Reiterhof steht, zeigt sich in diesen Tagen besonders dann, wenn die Eltern ihre Kinder zum Reittraining abgeben. Jung und Alt sprechen der Familie Mut zu. Dann fließen auch Tränen. Einige Kinder haben sogar T-Shirts mit der Aufschrift "Auf diesem Hof zählt ein Herz für Pferde" bemalt. Beim Bürsten der Ponys, die "Radieschen", "Egon" und Co. heißen, packen alle mit an. Astrid Gaarz und ihre Tochter Lisa sind sichtlich gerührt. In den vergangenen Wochen wurden mehr als 300 Unterschriften für den Erhalt des Reiterhofes gesammelt. Selbst der Bürgermeister hat sich für einen Erhalt des Hofes stark gemacht.

Besitzer hoffen auf Fristverlängerung

Je mehr Zeit vergeht, desto weniger Hoffnung hat die Familie. Lisa Gaarz versucht schon seit Monaten vergebens, einen neuen Hof für die Pferde zu finden. "Wir wollen hier in der Nähe bleiben und da gibt es kaum Alternativen", sagt sie. Sie hofft, dass der Landkreis der Familie noch einmal eine Fristverlängerung gewährt, damit sie wenigstens noch bis Herbst Zeit haben, eine neue Bleibe zu finden. Denn auf dem jetzigen Hof können nach Ansicht des Landkreises unter bestimmten Auflagen maximal zwei Pferde gehalten werden. Mehr nicht.